Kurz vor einer Sondersitzung des Parlaments versammelten sich erneut hunderte Menschen am Tahrir-Platz.

Foto: AP / Hadi Mizban

Bagdad – Bei neuen Protesten gegen die irakische Regierung sind am Samstag in der Hauptstadt Bagdad drei Menschen ums Leben gekommen. Wie aus Polizei- und Medizinerkreisen verlautete, wurden sie von Tränengasgranaten der Sicherheitskräfte am Kopf getroffen. 84 weitere Menschen wurden bei den Zusammenstößen auf dem zentralen Tahrir-Platz verletzt.

Bereits fast 200 Tote seit Beginn der Proteste

Hunderte Menschen demonstrierten kurz vor einer Sondersitzung des Parlaments bei der über die Forderungen der Demonstranten und Reformpläne von Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi beraten werden sollte. Auch mit massivem Tränengas-Einsatz gelang es den Sicherheitskräften nicht, die Demonstranten von Bagdads zentralem Tahrir-Platz zu vertreiben. Er liegt in der Nähe der besonders geschützten Grünen Zone, in der auch das Parlament liegt.

410 Milliarden Euro seit 2003 durch Korruption verloren

Seit Beginn der Proteste im Irak Anfang Oktober sind fast 200 Menschen ums Leben gekommen, in der großen Mehrzahl Demonstranten. Die vorwiegend jungen Demonstranten werfen den Eliten vor, in den 16 Jahren seit dem Sturz von Diktator Saddam Hussein nichts unternommen zu haben, um die Lage der Menschen im Land zu verbessern. Im Irak lebt jeder fünfte Bürger in Armut. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt nach Angaben der Weltbank bei rund 25 Prozent. Das Land, das als zweitgrößter Ölproduzenten der OPEC gilt, wird von Transparency International als zwölftkorruptester Staat der Welt eingestuft. Nach offiziellen Angaben kostete die Korruption das Land seit 2003 insgesamt 410 Milliarden Euro, doppelt so viel wie sein Bruttoinlandsprodukt. (APA, 26.10.2019)