Fed-Chef Jerome Powell ist laut eigenen Angaben bereit, "angemessene Maßnahmen" zu setzen, um die Wirtschaft in den USA zu stützen.

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Washington – Die US-Notenbank Fed steht vor der dritten Zinssenkung in diesem Jahr. Wegen der Folgen des Handelskonflikts für die Wirtschaft dürfte sie laut Experten nach Lockerungen im Juli und September am Mittwoch eine weiteren Schritt nach unten folgen lassen. Bei einer Kappung um einen Viertelpunkt würde der Leitzins dann auf die neue Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent sinken.

Notenbankchef Jerome Powell und sein Stellvertreter Richard Clarida haben die Tür für eine weitere Lockerung weit aufgestoßen. Sie stehen bereit, "angemessene Maßnahmen" zur Unterstützung des Wirtschaftswachstums zu ergreifen. An den Finanzmärkten wurde dies als Signal für eine weitere Lockerung der Geldpolitik verstanden.

Schwächelnde US-Industrie

"Die Fed wird wohl erneut eine Zinssenkung vornehmen – die dritte in Folge. Und erneut liefert die schwächelnde US-Industrie das Hauptargument, zusammen mit der nachlassenden weltwirtschaftlichen Dynamik", so Ökonom Tobias Rehbock von der deutschen staatlichen Förderbank KfW. Auch Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer geht davon aus, dass sich die US-Notenbank zu einer erneuten Lockerung "durchringen" wird. Als Hauptgrund gelten die von US-Präsident Donald Trumps Zollpolitik ausgelösten Unsicherheiten im Handel: Sie werden laut einer Fed-Studie die Welt 850 Milliarden Dollar (765,28 Mrd. Euro) an Wirtschaftskraft kosten – allein 200 Milliarden davon die USA.

Konkret dürften sich Bremsspuren des Handelskonflikts beim Wirtschaftswachstum im Sommer zeigen: Die Daten dazu werden den Währungshütern am Mittwoch quasi frisch auf den Tisch geliefert. Experten erwarten, dass sich der Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal abkühlt – auf annualisiert 1,6 von 2,0 Prozent im Frühjahr. "Es dürfte sich ein bremsender Einfluss des Außenhandels zeigen. Der private Verbrauch hingegen sollte sich erneut als Wachstumsträger Nummer eins erwiesen haben", prognostiziert Ökonom Heinrich Bayer von der Postbank.

Handelsstreit noch nicht vorbei

Volkswirt Christian Lips von der NordLB verweist darauf, dass die von dem US-Handelsstreit mit China ausgehende Unsicherheit trotz jüngster Hoffnungszeichen noch nicht beseitigt ist. "So verkündete US-Präsident Trump zwar eine Teileinigung im Handelskrieg zwischen den USA und China. Es sind hier jedoch noch weitere Details zu klären, wie die seither etwas widersprüchlichen Statements aus den beiden Hauptstädten zum Inhalt der Vereinbarung verdeutlicht haben."

Zugleich liegt der auf seine Wiederwahl Ende 2020 schielenden US-Präsident den unabhängigen Währungshütern ständig in den Ohren, den Zins drastisch zu senken und so der Wirtschaft mehr Schub zu verleihen. Wenn Powell nach dem Zinsbeschluss vor die Presse tritt, werden Finanzmarktexperten besonders auf Signale zum weiteren Kurs achten. Fed-Beobachter Thomas Strobel von UniCredit erwartet, dass die Währungshüter im Dezember "eine Pause" in Sachen Zinsveränderungen einlegen.

Commerzbank-Chefökonom Krämer rechnet eher damit, dass die Fed zum Jahresende mit einer weiteren Senkung nachlegen wird. Dann sollte aber seiner Ansicht nach vorerst das Ende der Fahnenstange erreicht sein, wenn die Fed ihre geldpolitische Kurskorrektur weiterhin als "Versicherung" gegenüber etwaigen Abwärtsrisiken verstanden wissen wolle. Massivere Zinssenkungen in Richtung der Null-Grenze seien nur zu erwarten, wenn die Daten sehr schwach ausfielen: "Dann wäre die Fed aber nicht mehr im Vorsorgemodus, sondern bereits aktiv in der Bekämpfung einer Wirtschaftskrise tätig." (APA, 27.10.2019)