Bei der Landtagswahl in Thüringen erreichte Die Linke nach bisherigem Stand der Hochrechnungen 29,5 Prozent, die AfD 24 Prozent, die CDU 22 Prozent, die SPD 8 Prozent, die Grünen 5,5 Prozent und die FDP 5,0 Prozent.

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Wie soll man dieses Land nun regieren? Schon oft haben sich deutsche Politiker nach einer Landtagswahl die Frage gestellt und mussten sich dann – angesichts der Schwäche von CDU und SPD – auf neue Wege begeben und neue Bündnisse schließen. So ist derzeit etwa die Kenia-Koalition aus CDU, SPD und Grünen in Mode, sie kommt nach Sachsen-Anhalt auch in Brandenburg und Sachsen.

In Thüringen allerdings ist die Frage besonders berechtigt, denn dort sorgten die Wählerinnen und Wähler für eine äußerst knifflige Lage. Die rechte AfD und die Linke sind so stark, dass Koalitionen in der Mitte nicht möglich sind.

Erneut haben SPD und CDU verloren, damit setzt sich jene Abstrafung der groKo-Parteien fort, die schon in Brandenburg und Sachsen am 1. September zu sehen war und die auch in den Bundesparteien für lange Gesichter sorgt.

Die AfD hat erwartungsgemäß zugelegt, ob trotz oder wegen des Rechtsaußens Björn Höcke ist umstritten. Und der Linke Ministerpräsident Bodo Ramelow siegt gegen den Trend seiner Partei, steht aber, da seine rot-rot-grüne Landesregierung abgewählt wurde, zunächst mit leeren Händen da.

Aber irgendwer muss das Land ja nun regieren. Rechnerisch wäre ein Bündnis aus Linken und CDU möglich. Doch einen Pakt mit den Nachfolgern der SED einzugehen, davor graut es der CDU. Man kann es einerseits verstehen. Doch andererseits: Die Welt ist auch nicht untergegangen, als sich CDU und Grüne erstmals zusammengetan haben. Auch sie waren früher erbitterte politische Gegner.

Der pragmatische Gewerkschafter Ramelow hat das Land zur Zufriedenheit vieler regiert, er verfolgt keine kommunistischen Utopien. 30 Jahre nach dem Mauerfall könnte die CDU zumindest daran denken, diesen Graben zu überwinden. Im Gegenzug darf sich aber auch Ramelow nicht auf die von ihm favorisierte Minderheitsregierung fixieren – nach dem Motto: "Ich bleibe sowieso im Amt, mir kann keiner was." Bewegen müssten sich beide Seiten. (Birgit Baumann, 27.10.2019)