Zu Beginn der Metallerlohnrunde vor zwei Wochen machten Arbeitgeber-Verhandler Johannes Collini (links) und Metallgewerkschaftschef Rainer Wimmer noch freundliche Nasenlöcher.

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Berlin/Wien – Hoffungsschimmer für die Lohnverhandler: Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren hat sich im Oktober deutlich aufgehellt. Der Höhenmesser die Exporterwartungen der Industrieunternehmen in Deutschland ist gestiegen, im positiven Bereich rangiert man mit minus 1,2 Punkten aber noch nicht.

Im September hatte das Barometer mit 5,3 Zählern einen Wert deutlich tiefer im Minus angezeigt, teilte das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage unter 2300 Unternehmen mit. "Trotz der weiter unklaren Lage beim Brexit schauen deutsche Exporteure vereinzelt wieder optimistisch auf die kommenden Monate", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Elektrotechnik unter Strom

Der Anstieg ist vor allem auf die Unternehmen aus der Elektrotechnik zurückzuführen. "Jedoch herrscht dort noch kein Optimismus, sondern eher merklich weniger Pessimismus", betonte Fuest. Gleiches gelte für die Autoindustrie. Nach dem Rückschlag im Vormonat erwarten auch die Firmen aus der Chemischen Industrie wieder deutlich mehr Aufträge aus dem Ausland. Die Nahrungs- und Genussmittelhersteller rechnen ebenfalls mit merklich steigenden Ausfuhren. "Weiterhin schwierig ist der Exportmarkt für die Metallindustrie", sagte Fuest.

Metallindustrie schwächelt

Für die Metallerherbstlohnrunde, die am Montag in der Wirtschaftskammer zum fünften Mal zusammenkommt, ist das nur bedingt Anlass für Optimismus. Denn die vor allem von den Automobilherstellern abhängige deutsche Metallindustrie schwächelt – und das bekommen die österreichischen Mtallverarbeitungs- und Maschinenbaubetriebe nach und nach mit voller Wucht zu spüren. Der Einbruch bei den Aufträgen kam im Sommer und seither geht es bergab, wie die Arbeitgeber rund um den Obmann des Fachverbandes Metalltechnische Industrie, Christian Knill, beklagen.

Die österreichischen Industriellen forderten am Sonntag angesichts des Abschwungs eine Neubewertung der aktuellen Wirtschaftslage, was die Arbeitnehmer rund um Metallgewerkschaftschef Rainer Wimmer und Karl Dürtscher von der Privatangestelltengewerkschaft GPA naturgemäß ablehnen. "Über die aktuell schlechteren Wirtschaftsdaten reden wir nächstes Jahr in der Lohnrunde", sagte Wimmer zum STANDARD, "jetzt reden wir über die vergangenen zwölf Monate und da liefen die Geschäfte sensationell."

"Ein Hohn"

Der oberösterreichische Arbeiterkammer-Präsident und ÖGB-Chef Johann Kalliauer, der in der Vergangenheit stets versucht hatte, eine Brücke zwischen den Sozialpartnern zu schlagen, und Verständnis für die Nöte der Industrie zeigte, springt den Arbeitnehmern bei: "1,8 Prozent, das ist ein Hohn", kritisiert er via Facebook das bisherige Angebot seitens der Arbeitgeber.

Für hitzige Debatten ist gesorgt, die bereits ab Dienstag anberaumten Betriebsversammlungen in 250 Maschinenbau- und Metallverarbeitungsbetrieben scheinen aus Sicht der Gewerkschaft unvermeidlich. Zumal Knill am Ende der erfolglosen vierten Verhandlungsrunde vorige Woche sogar die Inflationsrate infrage gestellt hatte, sie sei im September auf 1,2 Prozent gesunken und die für die KV-Verhandlungen maßgeblichen 1,8 Prozent (von November 2018 bis August 2019) zu überdenken.

Handesstreit, Brexit, Abschwung

Handelskonflikte, schwächere Weltkonjunktur und die Unsicherheit über den EU-Austritt Großbritanniens haben der deutschen Exportwirtschaft heuer mehr zugesetzt als der österreichischen, die im ersten Halbjahr noch halbwegs rund lief. Von Jänner bis August legten die Warenausfuhren lediglich um 0,4 Prozent auf knapp 883 Milliarden Euro zu.

(Reuters, ung, 24.10.2019)