Die Alten zeigen wie’s geht. So waren vergangenes Wochenende Quarterback Drew Brees und Kicker Adam Vinatieri die Gamewinner für ihre Mannschaften. Mitchell Trubisky und Jameis Winston – eigentlich die Zukunftshoffnungen ihrer Teams – zeigten hingegen erneut furchtbar schlechte Leistungen und müssen sich langsam aber sicher ernsthafte Sorgen um ihre Zukunft machen.

Er ist wieder da

Dass Drew Brees ein außergewöhnlicher Quarterback ist, steht bekanntlich schon lange fest. Dass der 40-jährige aber nach seiner Daumen-Verletzung samt Operation schon eine Woche vor dem eigentlichen Zeitplan wieder am Feld stehen kann, verwunderte dann doch. Und Brees tat das, was er am besten konnte: er warf den Ball zu seinen Mitspielern. Satte 43-mal warf er den Football, 34-mal kam er bei insgesamt neun verschiedenen Passfängern an, einmal gar in Double-Coverage. Drei Touchdowns steuerte er so beim 31:9 Sieg seiner New Orleans Saints über die Arizona Cardinals bei.

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Die Saints waren trotz der Rückkehr von Brees aber noch nicht in Bestbesetzung aufgetreten: Runningback und Universalwaffe Alvin Kamara fiel weiterhin verletzungsbedingt aus, an seine Stelle trat wie schon in der vergangenen Woche Latavius Murray. Mit 102 Rushing-Yards sowie 55 Receiving-Yards plus zwei Touchdowns konnte er Kamara praktisch 1:1 ersetzen. Es war generell ein langsamer Start der Saints, nach dem ersten Viertel lag man noch mit 0:3 zurück.

Die Cardinals hatten wie so oft in dieser Saison eine Partie der vielen (Anfänger-)Fehler: Sowohl Coach Kliff Kingsbury als auch sein Quarterback Kyler Murray befinden sich im ersten NFL-Jahr und müssen teilweise noch Lehrgeld zahlen. Kingsbury ließ einen vierten Versuch im dritten Viertel beim Stand von 6:10 aus Sicht der Cardinals in der eigenen Hälfte ausspielen. Eine netter neuer Zug von ihm, hat er doch in den vergangen Spielen in der Redzone oftmals zu konservativ spielen lassen. Es half aber nichts, die Cardinals konnten auch mit aggressiverem Playcall keinen Sieg einfahren. Murray war gut (19/33 für 220 Yards) aber in Sachen Third Downs (2/12) und in der Redzone fehlt es noch an Zielen und Routine. Gegen eine starke Saints-Defense um Cam Jordan (ein Sack, ein Tackle für Raumverlust) ging nichts.

Der GOAT entscheidet es

Adam Vinatieri ist der Größte aller Zeiten. Zumindest was Kicker der NFL anbelangt. Der zugleich auch älteste Spieler der Liga (46 Jahre) sorgte wenige Sekunden vor Schluss mit seinem 51-Yard Field Goal für den fünften Sieg seiner Indianapolis Colts über die Denver Broncos. Geführt haben die Colts nie, am Ende standen aber mehr Punkte auf ihrer Seite (15:13). Vinatieri war aber nicht gänzlich perfekt: Zwar verwandelte er seine drei tiefen Field Goals allesamt, allerdings verschoss er auch einen Extrapunkt nach dem einzigen Colts-TD von Runningback Marlon Mack. Deshalb lag Indianapolis überhaupt zurück.

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Jacoby Brissett tat sich gegen die Defensive der Broncos sichtlich schwer. Der Nachfolger von Andrew Luck kam auf keinen Touchdown und nur 202 Yards (15/25) bei einem Ballverlust. Denvers Defensivverband zeigte erstmals in dieser Saison die Leistung, die man von ihr erwarten durfte. Derek Wolfe (zwei Sacks, ein erzwungener Fumble) sowie Von Miller (1.5 Sacks) führten die Defensive der Broncos an und setzten Brissett ständig unter Druck. Malik Reed konnte einen Fumble recovern. Einzig die Offensive kam nicht mit.

Joe Flacco dürfte auch nicht die gesuchte Antwort für die Langzeitfrage des Broncos-Quarterbacks sein. Der Routinier warf für 174 Yards (20/32) und keinen Touchdown. Der einzige Touchdown kam durch Royce Freeman zustande, die restlichen Punkte kamen von Kicker Brandon McManus. Der Trade von Emmanuel Sanders zu den San Francisco 49ers tut dem Team natürlich auch nicht gut. Aber so ist Rebuilding eben – lang und kräftezehrend, vor allem für Fans. Flaccos Fumble nach Sack mit dem Schlusspfiff war symbolisch für die Offense Denvers.

Bears verchargern gegen Chargers

Die Chicago Bears und die Los Angeles Chargers haben etwas gemeinsam: Sie haben chronische Probleme mit ihren Kickern – eine unendliche Leidensgeschichte. Spätestens seit der Playoffniederlage vergangenen Januar gegen die Philadelphia Eagles stehen Kicker der Bears besonders im Fokus. Und wie damals sollte auch gestern der entscheidende Kick zum Spielende nicht den Weg zwischen die Pfosten finden. Eddy Pineiro vergab nicht ein, sondern gleich zwei Field Goals: Im ersten Viertel aus 33 Yards, zum Schluss eines aus 41 Yards. Normalerweise verlieren die Chargers durch ein verfehltes Field Goal knappe Spiele, diesmal waren sie auf der glücklicheren Seite.

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Möglich gemacht hat das in erster Linie Bears-Quarterback Mitchell Trubisky. Klingt komisch, war aber so: Der Spielmacher arbeitet akribisch daran, im kommenden Jahr nicht mehr NFL-Starting-Quarterback zu sein und zeigte abermals, dass er mit der Führung einer Profi-Offensive arge Probleme hat. Ungenaue Pässe (23/35, 253 Yards), kostspielige Ballverluste (eine Interception, ein Fumble) verhinderten eine bessere Performance. Die Geduld der Anhänger neigt sich im dritten Jahr langsam aber sicher dem Ende zu, die Tatsache, dass sich das Management im Draft 2017 für ihn und nicht für Pat Mahomes oder Deshaun Watson entschieden hat, wird nicht vergessen sein.

Bears Head Coach Matt Nagy ließ diesmal mehr laufen (David Montgomery lief für 135 Yards und einen Touchdown). Durch einige fragwürdige Coaching-Entscheidungen gepaart mit Trubiskys Problemen ging aber nicht mehr. Schade und sicherlich auch frustrierend für Fans der Bears, die weiterhin eine der besten Defensiven der Liga stellen. Deshalb muss mehr drin sein. Vor allem wenn man bedenkt, dass Chicago vergangenes Jahr noch zwölf Siege eingefahren hat.

Bei den Chargers gab es drei Punkte, die in Erinnerung bleiben: Defensive-Lineman Joey Bosa ist und bleibt ein absoluter Elitespieler und jagte die Bears-Offensive mit sieben Tackles, zwei Sacks und vier Tackles für Raumverlust vor sich her. Melvin Gordon lief zu seinem ersten Touchdown nach seinem vertragsbedingten Holdout, bleibt aber immer noch im Schatten von Austin Ekeler, der derzeit die bessere Universalwaffe zu sein scheint. Und Quarterback Philip Rivers teilt manchmal auch gern aus – diesmal stellte er Bears Linebacker Roquan Smith absichtlich die Schulter in die Brust. Nicht schön und eigentlich auch strafbar. Aber die Schiedsrichter sehen bekanntlich nicht alles. Am Ende 17:16 für L.A.

Wie lang darf Jameis noch?

Eine generelle Frage: Wie lange gibt man dem Overall-Firstround-Pick des NFL Drafts 2015 noch? Jameis Winston ist einer der wenigen Spieler, die sich seit dem Eintritt in die NFL nicht weiterentwickelt haben. Und zwar im Sinne von gar nicht. Er macht immer noch die gleichen Fehler wie als College-Spieler bei Florida State und fällt eigentlich nur noch mit Ballverlusten auf. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Winston warf seit 2015 2.185 Versuche für 16.700 Yards bei 70 Interceptions und 46 Fumbles (21-mal verlor er den Ball). Das macht 91 Turnovers in 63 Spielen. Gestern wieder eine Niederlage mit vier Turnovers (zwei Interceptions, zwei Fumbles) und eine 23:27 Niederlage seiner Tampa Bay Buccaneers gegen die Tennessee Titans. Ryan Tannehill warf für 193 Yards (21/33) und drei Touchdowns. Winstons Kollege aus dem Draft der Quarterbacks, Marcus Mariota, wurde zu Gunsten Tannehills auf die Bank gesetzt. Jameis sollte ihm dorthin folgen.

Gardner freaking Minshew II

Es ist die Geschichte die dieses NFL-Jahr bestimmt: Das plötzliche Auftauchen von Gardner Minshew. Der Rookie-Quarterback vertritt den eigentlichen Starting-Quarterback der Jacksonville Jaguars, Nick Foles, nach dessen Schlüsselbeinbruch und spielt eine absolut solide Saison. Nicht nur, dass der junge Spielmacher den Schnauzbart wieder salonfähig machte, konnte er auch sein Team zum 29:15 Sieg gegen die New York Jets führen. Minshew warf drei Touchdowns (279 Yards, 22/34) bei keiner Interception und zeigte hervorragende Ruhe und Übersicht in- und außerhalb der Pocket. Man darf enorm gespannt sein, wie sich die Quarterback-Situation in Florida entwickelt, wenn sich Foles wieder fit meldet.

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Auf der anderen Seite bestimmte Sam Darnold die Gazetten der vergangenen Woche: Die Fernsehübertragung fing Darnold im Spiel gegen die New England Patriots ein, als er nach einer Interception zugab "Geister zu sehen". Nicht unüblich für einen jungen Quarterback und sehr bitter, dass die NFL diese Aufnahme rausgab. Die Jaguars meinten es ebenfalls nicht gut mit ihm – drei mal wurden seine Pässe abgefangen, achtmal rissen sie ihn zu Boden, einmal verlor er das Ei durch einen Fumble. Aufgeben ist für Darnold aber keine Option – 218 Yards (21/30) und zwei Touchdowns bei Spielende. Einfach weitermachen, dann wird das schon – das Talent ist definitiv da.

Über einen Mann müssen wir noch sprechen: Rookie-Linebacker Josh Allen bringt sich perfekt in die Defensive der Jaguars ein und hält jetzt nach acht Spielen bei sieben Sacks, zwei erzwungenen Fumbles und 23 Tackles. Wäre Nick Bosa nicht, er wäre der Einserkandidat für den Defensive Rookie des Jahres.

Kupp hat Spaß in London

220 Yards, ein Touchdown – Cooper Kupp war der Mann der Stunde seiner Los Angeles Rams beim 24:10 Sieg gegen die Cincinnati Bengals in London. Er sorgte mit seinem 65-Yard-Touchdown auch für den Spielzug des Spiels, ein "Double Flea Flicker", den man so auch nicht alle Tage sieht. Jared Goff (372 Yards, 17/31) warf zwei Touchdowns und der Head Coach der Rams, Sean McVay, blieb seinem "Pass-First-Mantra" treu. Todd Gurley kam nur auf 44 Yards aber immerhin zu einen Touchdown, Darrell Henderson durfte einmal mehr laufen als Gurley (elf Carries für 49 Yards). Zweiter Sieg in Folge für die Rams, die somit den Anschluss an Seattle und San Francisco halten können.

Matt Schaub wirft im Jahr 2019 460 Yards

Matt Ryan stand seinen Atlanta Falcons zum ersten Mal seit 154 Spielen wegen einer Knöchelverletzung nicht zur Verfügung, wodurch Matt Schaub zu seinem ersten Start seit 2015 kam. Bei der 20:27 Niederlage gegen die Seattle Seahawks warf Schaub für nicht weniger als 460 Yards (39/52) bei einem TD und einer INT. Gerade in der zweiten Halbzeit zeigten die Falken Herz und Ehrgeiz und konnten in einer Phase 20:3 Punkte vorlegen. Am Ende fehlte ein Touchdown, wobei Falcons Kicker Matt Bryant zwei Field Goals vergab. An diesem Tag war einmal mehr drinnen, auch wenn der Abgang von Coach Dan Quinn nur noch eine Frage der Zeit ist. Aber eines sei noch gesagt: Julio Jones (152 Yards) und Calvin Ridley (70 Yards) sind richtig gute Footballspieler.

Wie auch Russell Wilson, der auf 182 Yards (14/20) und zwei Touchdowns kam. Hätte er jetzt noch einen Head Coach oder zumindest einen Offensive Coordinator, der ihn noch besser in Szene setzen kann, Wilson würde noch ganz andere Zahlen rauszaubern. So bleiben die Seahawks der Old-School-Philosophie "Run-First" treu und lassen Chris Carson einfach zwanzigmal laufen (90 Yards, ein TD). Wichtiger Sieg für Seattle damit man in der umkämpften Division dran bleibt. Wilson bleibt erster Anwärter für den MVP-Award.

Freddie was machen wir?

Cleveland gegen New England – das kann nicht gut ausgehen. Im strömenden Regen Foxboroughs setzten sich die Patriots – sorry – erwartungsgemäß mit 27:13 gegen die Browns durch. New England startete mit einem Feuerwerk, zwang Browns Running Back Nick Chubb zu zwei Fumbles und fing einen Pass von Baker Mayfield ab, unter tatkräftiger Mithilfe des jungen Quarterbacks und stellte auf 17:0. Cleveland antwortete mit einem Touchdown durch Harris. Nach der Pause noch ein Field Goal der Browns ehe die Patriots mit einem Touchdown durch Julian Edelman den Vorsprung erhöhten. Den Vorsprung sollte der amtierende Super Bowl Champion nicht mehr hergeben. Die Pats bleiben weiterhin ungeschlagen und durch den extrem einfachen Schedule winkt tatsächlich eine perfekte Regular Season.

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Bei den Browns muss man sich langsam Gedanken machen: Rookie-Head-Coach Freddie Kitchens scheint mit seiner neuen Rolle komplett überfordert zu sein. Das Team strotzt vor Disziplinlosigkeit, kassiert viel zu viele Strafen. Fragwürdige Challenges in nahezu jedem Spiel kosten wertvolle Timeouts. Das Playcalling ist extrem ausbaufähig und gewöhnungsbedürftig, vor allem wenn man absolut keine Offensive-Line hat, die Mayfield genügend Zeit gibt. Der Hype war vor der Saison enorm hoch, spätestens jetzt ist man auf dem Boden der Tatsachen zurückgekommen. Der Kader wäre sehr talentiert, man muss ihn nur richtig einsetzen. Bedenkt man, wie lange die Browns an Hue Jackson festhielten, muss sich Kitchens keine Sorgen um seinen Job machen. Es tut extrem weh zuzusehen.

49ers in Ekstase

Machen wir’s kurz: Die San Francisco 49ers bleiben durch einen eindeutigen 51:13 Sieg über die Carolina Panthers ungeschlagen. Der Gameplan von Coach Kyle Shanahan war schlichtweg fantastisch und führte die Panthers regelrecht vor. Der Mix aus Pass- und Laufspiel war perfekt abgestimmt: Jimmy Garoppolo ward 175 Yards (18/22) bei zwei Touchdowns und einer Interception. Tevin Coleman kam auf 105 Rushing-Yards und drei Touchdowns. Neuzugang Emmanuel Sanders kam in seinem ersten Spiel gleich in die Endzone. Und defensiv zerstörte Rookie Nick Bosa alles was sich in seinen Weg stellte: drei Sacks, drei Tackles für Raumverlust, eine Interception, ein abgelenkter Pass! Die 49ers sind ein exzellentes Footballteam in allen Bereichen.

Bei den Panthers gibt es nur Christian McCaffrey (117 Yards, ein TD), sonst nicht viel. Kyle Allen verlor sein erstes Spiel als Starter der Panthers und warf auch seine ersten Interceptions in der NFL (drei an der Zahl). Das sah schon eher nach den Panthers ohne Cam Newton aus, auch wenn man in den vergangenen Wochen Spiele gewinnen konnte.

Und sonst?

Die Philadelphia Eagles konnten sich gegen die Buffalo Bills mit 31:13 durchsetzen. Eine umkämpfte Parte bei der Brandon Graham mit einem Sack samt Fumble für den Umschwung sorgte.

Detroit gewann in einem nicht wirklich gutem Spiel gegen die New York Giants mit 31:26. Lions Quarterback Matthew Stafford hatte bis auf einen wirklich üblen Pick im Eröffnungsdrive ein starkes Spiel (342 Yards, 25/32, drei TDs) und auch sein Gegenüber Daniel Jones kann den Fans Hoffnung machen (322 Yards, 28/42, vier TDs). Das liegt aber auch an der der Defensive Detroits, die zwischenzeitlich wieder einmal aufhörte Football zu spielen. Saqoun Barkley bleibt herausragend.

Kurz vor Schluss gingen die Houston Texans erstmals gegen die Oakland Raiders in Führung, es sollte beim 27:24 bleiben. Angeführt von Deshaun Watson (279 Yards, 27/39, drei TDs) konnte Houston doch noch den fünften Sieg der Saison einfahren. Diesmal fungierte Darren Fells mit zwei TDs zum Matchwinner, DeAndre Hopkins machte mit 109 Yards die Vorarbeit. Umgekehrt konnten die Raiders ihren QB Derek Carr (285 Yards, 18/30, drei TDs) vor Sacks bewahren, es fehlte am Ende nicht viel. Watsons Magie kann einfach nicht immer gestoppt werden. Fahler Beigeschmack: J.J. Watt droht mit gerissenem Brustmuskel für die restliche Saison auszufallen.

In der Nacht auf Montag ging das Duell zwischen den Green Bay Packers und den Kansas City Chiefs mit 31:24 an die Cheeseheads aus Wisconsin. Mann des Abends war neben Aaron Rodgers (305 Yards, 23/33, drei Touchdowns) Packers RB Aaron Jones, der sowohl als Läufer (67 Yards) aber vor allem als Passfänger (159 Yards, zwei Scores) brillierte. Die Chiefs, die ohne den verletzten Star Quarterback Pat Mahomes auskommen mussten, hielten tapfer dagegen und rissen Rodgers gleich fünfmal zu Boden. Das sollte am Ende trotzdem knapp nicht reichen. Es setzte die dritte Niederlage der Saison. Green Bay bleibt an der Spitze der NFC North und feierte den siebten Sieg im achten Spiel.