Viele bekommen es mit der Angst zu tun, wenn sie so ein Exemplar in der Wohnung sehen. Dabei ist es ein nützlicher Mitbewohner.

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Wenn es draußen früher dunkel und das Wetter wieder kalt wird, dann sind nicht nur wir Menschen gern im Warmen. Besonders im Herbst verkriechen sich Hausspinnen allzu gern in den heimischen Ecken. Aufgrund des hohen Ekelfaktors ranken sich viele Mythen um die temporären Mitbewohner.

Schnell wird der Staubsauger aus dem Kammerl geholt oder Glas und Papier bereitgehalten, um den Spinnen entweder ein jähes Ende zu bereiten oder die Freiheit zu schenken. Dabei sind sie Zeichen für eine gesunde Wohnung, sagt Barbara Thaler-Knoflach, Spinnenexpertin an der Universität Innsbruck.

Die Expertin kommt gleich mit dem ersten Schock daher: "Spinnen sind ganzjährig im Haus und um uns herum." Im Herbst sind aber besonders die Männchen unterwegs. Sie verlassen ihre Netze, um auf Brautschau zu gehen. Zudem sind Hausspinnen im Herbst am größten, sie fallen also mehr auf.

Unbedenklich und nicht aggressiv

Der Begriff "Hauspinne" ist hier als Sammelbegriff zu verstehen. Zwar gibt es die Art der Hauswinkelspinne, sie ist aber nicht die einzige Art, die sich gern in unseren vier Wänden breitmacht: Zitterspinnen, Kugelspinnen, Falsche Schwarze Witwe etc. Viele davon sind Netzspinnen, die also nicht nur ihr Heim spinnen, sondern ihr Netz auch als Hilfe bei der Jagd einsetzen. Spinnen, die keine Jagdnetze bauen, gibt es weniger, sie sind auch schwerer zu entdecken.

Die meisten dieser Arten sind unbedenklich für den Menschen, auch sind sie nicht aggressiv. Der Dornfinger ist in der Regel eine schüchterne Spinne, sein Biss ist dafür aber für den Menschen giftig. Die Wirkung beginnt mit einem Juckreiz und kann in manchen Fällen auch zu Fieber führen, lebensbedrohlich ist der Achtbeiner aber nicht. Kommt es zum Biss, wusste die Spinne sich meist nicht mehr anders zu helfen, beispielsweise wenn sie in der Kleidung saß und sie sich eingeengt fühlte. Auch die Falsche Schwarze Witwe kann einen Menschen im schlimmsten Falle für mehrere Tage außer Gefecht setzen, lebensbedrohlich ist aber auch sie in der Regel nicht.

Unbestritten nützlich

Thaler-Knoflach stellt gern den Nutzen der Tiere heraus: "Ich habe Falsche Schwarze Witwen in der Wohnung, und ich habe dafür keinerlei Probleme mit Fruchtfliegen oder Ähnlichem." Wer sich trotzdem gegen die ungewollten Eindringlinge schützen möchte, dem bleibt eigentlich nur das Schließen aller Fenster. Lüften also ausgeschlossen: "Deswegen ist es eher ein Zeichen für eine gesunde Wohnung, wenn man Spinnen findet", sagt Thaler-Knoflach.

Ist die Spinne einmal drin, gibt es in der Regel zwei gängige Methoden, wenn man sie dort nicht haben will. Die Expertin befürwortet die Methode mit Glas und Papier. So kann das Tier ausgesetzt werden, ohne dabei Schaden zu nehmen. Wer das nicht kann, greift gern zum Staubsauger. "Das ist für die Spinne natürlich nicht gut", sagt Thaler-Knoflach. In den seltensten Fällen überlebt die Spinne die Kraft des Saugers. Zudem sind der Dreck und der Staub nicht gut für ihre Atmung. "Am besten ist es aber, man freundet sich mit den Spinnen an", sagt die Expertin.

Vogelspinne als Haustier

Nicht alle ekeln sich vor den Achtbeinern. Einige halten sich beispielsweise eine Vogelspinne als Haustier. Zum Problem kann das werden, wenn es sich um eine giftige handelt. Denn es kommt darauf an, ob das Tier im Falle eines Ausbruchs eine Gefahr für andere Mieter darstellt. Dann kann der Vermieter ein Verbot aussprechen, ein generelles Haltungsverbot ist unwirksam, sagt Wolfgang Kirnbauer vom Mieterschutzverband Österreichs. (Thorben Pollerhof, 31.10.2019)