So dezent wie Schmuck und Juwelen von Tiffany sind die Taschen von Louis Vuitton nicht, aber nicht weniger begehrt.

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Paris / New York – In der Luxusbranche bahnt sich eine De-luxe-Übernahme an: Der französische Luxusgüterkonzern Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH) ist laut Insidern mit einem Übernahmeangebot von 120 Dollar pro Aktie an den amerikanischen Edeljuwelier Tiffany herangetreten. Das entspricht gemessen am Schlusskurs vom Freitag (98.55 Dollar) einem eleganten Aufschlag. Der Schmuckkonzern wäre damit mit 14,5 Milliarden Dollar (rund 13 Milliarden Euro) bewertet. Gelingt der Deal, wäre das die größte Akquisition in der Geschichte von LVMH.

Es könnte eine Win-win-Situation werden: LVMH, Mutterunternehmen von Marken wie Louis Vuitton oder Dior, versucht seit Jahren, auf dem US-Markt zu expandieren. Den 1987 aus der Fusion von Louis Vuitton und Moët Hennessy entstandenen Primus unter den Luxusartikelherstellern brächte der Deal in der Topliga einen gewaltigen Schub auf dem US-Markt. Tiffany bekäme seinerseits einen potenten Eigentümer, der weiß, wie man Luxus richtig positioniert und aufpoliert. Für den Schmuckhersteller eine willkommene Frischzellenkur. Denn zuletzt verlor der Konzern etwas an Glanz. Der US-Juwelier musste im Sommer deutliche Geschäftseinbußen verkraften.

Weltberühmt sind die Tiffany-Verpackungen
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Ausgerechnet der Handelsstreit zwischen Washington und Peking tragen daran neben der stockenden Expansion in China selbst maßgeblich Schuld. Der starke Dollar und der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Zollstreit mit Handelspartnern haben laut Analysten dazu geführt, dass deutlich weniger Chinesen in die USA reisen. Darunter leidet nicht nur Tiffany, sondern auch andere Anbieter von Luxusgütern, denn die Touristen aus China gelten als besonders spendabel.

Der Trump Tower als Last

Tiffany spürt dies aber ganz besonders, erwirtschaftet man doch einen erheblichen Teil des Absatzes in der Vorzeigefiliale neben dem Trump Tower an der New Yorker Fifth Avenue, dem früheren Zuhause von Donald Trump. Wer etwas auf sich hält, stattet der Filiale einen Besuch ab und gönnt sich die eine oder andere Preziose. Da ging allerdings schon einmal mehr: Verglichen mit dem Vorjahreswert sank der Umsatz im August um drei Prozent auf 1,0 Milliarden Dollar (rund 900 Millionen Euro). Der Gewinn ging dabei um sechs Prozent auf 136 Millionen Dollar zurück.

Ganz neu ist die Flaute nicht. Denn dem 1837 gegründeten Unternehmen ergeht es wie vielen anderen Traditionshäusern auch: Man hat so seine Probleme, eine jüngere Klientel anzusprechen. Schmuck ist für viele nicht mehr das, was es einmal war: ein unverzichtbares Statussymbol. Da kann er noch so sehr in den weltweit berühmten türkis-blauen Kartons (die Farbe ist seit 1878 markenrechtlich geschützt) verpackt sein.

An der noblen Fifth Avenue in Manhattan befindet sich der Tiffany Flagship-Store
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Dazu kommt ein anderes Problem: Wie andere Dinosaurier ist auch Tiffany nicht eben flott dabei, auf neue Pferde zu setzen. Frühstück bei Tiffany gibt es etwa erst seit der jüngeren Vergangenheit. Ganz nach dem berühmten Vorbild Frühstück bei Tiffany. Man erinnere sich: Audrey Hepburn im schwarzen Givenchy-Kleid mit aufgesetzter Sonnenbrille im Morgengrauen vor dem Schaufenster. Während sie den Schmuck bewundert, holt sie aus einem weißen Papiersäckchen ein Croissant und einen Kaffee – und das lange vor dem Coffee-to-Go-Trend und vor einer der nobelsten Adressen der Stadt.

Gastronomie gab es bei Tiffany noch nicht, als der Filmklassiker 1961 in die Kinos gekommen war. Erst vor zwei Jahren kam die Juwelierkette auf die Idee, den Titel wörtlich zu nehmen und im New Yorker Flaggschiffgeschäft im vierten Stock das Blue Box Café zu eröffnen. Angeboten wird dort tatsächlich Frühstück – und so einiges mehr. Natürlich alles ausgewählt: ausgewählte Obstvariationen, ausgewählte Toasts, ebensolche Waffel – im ausgewählten Ambiente. Die Plätze dort sind hochbegehrt.

Die Fantasie der Investoren beflügelt die Idee, dass Tiffany im LVMH-Reich landen könnte. Tiffany ist an der Börse rund zwölf Milliarden Dollar (10,8 Milliarden Euro) wert, die Franzosen kommen fast auf das Zwanzigfache. Eine Übernahme von Tiffany wäre der bisher größte Zukauf von LVMH. 2017 bezahlten die Franzosen sieben Milliarden Dollar für die restlichen Anteile von Christian Dior. Die Aktien des 1937 in Manhattan von Charles Lewis Tiffany gegründeten Schmuck- und Edelsteinkonzerns Tiffany, der besonders prachtvolle Stücke verarbeitet, schossen am Montag zeitweise um 17 Prozent in die Höhe. (ung, rebu)