Peter Handke am Tag seiner Bekanntgabe als Literaturnobelpreisträger 2019. Die Freude währte nur kurz.

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In der Debatte um den Literaturnobelpreis für Peter Handke ist es zuletzt ruhiger geworden, aber sie ist noch nicht beendet. Am Freitag erinnerte die kroatischstämmige Autorin Alida Bremer mit ihrem Essay Die Spur des Irrläufers im Onlineportal Perlentaucher an ein Interview Handkes vom September 2011 in der Zeitschrift Ketzerbriefe (Ausgabe 169).

Dort wird Handke zum Massaker von Srebrenica wie folgt wiedergegeben: "Mir kommt es so vor, als sei es ein Racheakt von serbischer Seite gewesen. Nicht dass ich es verurteilen würde, aber ich kann es auch nicht uneingeschränkt gutheißen. Jetzt kommt man ständig mit den 8000 Opfern und dem angeblich schlimmsten Massaker seit dem Zweiten Weltkrieg." Über die trauernden Mütter der Opfer steht in demselben Interview: "Denen glaube ich kein Wort, denen nehme ich die Trauer nicht ab. Wäre ich Mutter, ich trauerte alleine."

Schwedische Akademie "prüft"

Über seinen Verlag Suhrkamp wies Handke diese Aussagen umgehend zurück, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet: "Ich habe das Gespräch nicht gegengelesen und auch nicht autorisiert. Es entspricht nicht dem von mir Gemeinten. Ich kann mir auch nicht vorstellen, diese Sätze in dieser Form so gesagt zu haben." Für ihn gelte, was er schriftlich festhalte, heißt es in der Stellungnahme Handkes mit Verweis auf einen Satz von 2006 weiter: "Es handelt sich bei Srebrenica um das schlimmste Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das in Europa nach dem Krieg begangen wurde". Diesem möchte er "hinzufügen: Selbstverständlich ist durch den Genozid unendliches Leid entstanden, welches ich nie bestritten habe. Ein Leid, dass durch nichts auszulöschen ist. Ich bedaure meine Äußerungen, sollten sie etwas anderes vermittelt haben."

Im Tagesspiegel teilte Gerrit Bartels am Wochenende indes mit, die Schwedische Akademie, die Handke am 10. Oktober den Literaturnobelpreis zuerkannt hat, habe von dem Interview in den Ketzerbriefen nichts gewusst und werde es "prüfen". (red, 28.10.2019)