Fiesta mexicana: Lewis Hamilton.

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Mexiko-Stadt – Lewis Hamilton kann seine Titelparty für Texas planen. Nach seinem brillanten Formel-1-Sieg in Mexiko reicht dem Mercedes-Star am nächsten Sonntag in Austin schon ein achter Platz für seinen sechsten WM-Triumph. Das Rennen im Autodromo Hermanos Rodriguez zeigte einmal mehr, warum der Brite bald nach dem Titelrekord des siebenmaligen Champions Michael Schumacher greifen wird.

Wenn es drauf ankommt, ist in aller Regel keiner besser als das Silberpfeil-Team und sein Chefpilot. Auch in Mexiko lieferten Hamilton und Mercedes ein perfektes Zusammenspiel aus Fahrkunst, cleverer Strategie und präzise abgestimmtem Auto. Der Ausfall seines Stamm-Renningenieurs, der Hamilton erstmals seit sieben Jahren nicht am Kommandostand betreute, bremste den Briten nicht. "Das ist ein starkes Zeichen für die Stärke des Teams", sagte der 34-Jährige. Wie er 47 Runden lang seine Reifen am Leben hielt und trotzdem am Ende nie wirklich in Gefahr geriet, war Extraklasse.

Vor dem Rennen galt Sebastian Vettels Scuderia als Favorit für Mexiko. Am Start parkten beide Autos in der ersten Reihe. Und doch reichte es nur zu Rang zwei für Vettel und vier für Charles Leclerc. "Man könnte sagen, wir hätten mehr Risiko eingehen können", sagte Vettel. Wieder einmal wurde Ferrari bei der Taktik von Mercedes ausmanövriert. "Wir müssen sicherstellen, dass die Dinge Klick machen. Mercedes hat in den vergangenen Jahren gezeigt, was möglich ist", sagte Vettel.

Dabei hätte es das Wochenende des Max Verstappen werden können. Dem Niederländer wurde ein Rückfall in überwunden geglaubte Hitzkopf-Zeiten zum Verhängnis. In der Qualifikation jagte der 22-Jährige seinen Red Bull zwar auf die Pole Position, ging aber nach dem Unfall von Valtteri Bottas nicht wie vorgeschrieben vom Gas und musste Startplatz eins deswegen räumen.

Sein Rennen ruinierte sich Verstappen dann schon kurz nach dem Start, als er erst mit der Brechstange an Hamilton vorbei wollte und sich wenig später im Duell mit Bottas den Reifen aufschlitzte. Statt seines dritten Sieges in Mexiko nacheinander blieb ihm nur Platz sechs und eine erneute Debatte um seinen brachialen Fahrstil.

Für Hamilton war es das einzige Ärgernis an diesem Tag. Ihm habe es beim Verstappen-Manöver die Haare aufgestellt. "Jeder Fahrer ist anders. Einige sind klüger. Einige besonders klug und aggressiv und einige gehen dumm damit um. Aus der Erfahrung gibt man manchen Piloten deshalb besser mehr Platz, anderen nicht, weil sie sich respektvoll verhalten", sagte Hamilton. "Mit Max kommt man leicht in Berührung, also gibt man ihm meist Extra-Platz."

Abseits davon genoss Hamilton die Glücksmomente nach seiner Demofahrt der Extraklasse ausgiebig. "Dieses Gefühl nutzt sich niemals ab", beteuerte er nach dem 83. Karrieresieg. Platz acht reicht in Austin zum 6. Titel und wer sah, wie der 34-Jährige die gewagte Reifentaktik von Mercedes zum Erfolg führte, dürfte kaum zweifeln, dass Hamilton in der kommenden Saison den Rekord des siebenmaligen Weltmeisters Michael Schumacher mit guten Aussichten anvisiert.

Hamiltons zehnter Saisonsieg war zugleich der dritte Mercedes-Erfolg in Serie, obwohl jedes Mal ein Ferrari von der Pole Position gestartet war. Ob und wie Hamilton und Mercedes aber auf Dauer beizukommen sei, wurde Hamilton gefragt. "Für gewöhnlich werde ich für diese Art von Ratschlägen bezahlt, also werde ich Ihnen nicht genau sagen, wie es geht", meinte dieser launig. Lust auf ein weiteres Titelduell mit Vettel aber hat der Seriensieger auf jeden Fall. "Du bleibst doch noch eine Weile, oder?", raunte Hamilton dem daraufhin nickenden Deutschen in Mexiko zu. "Dann ist ja gut", sagte Hamilton. (APA, 28.10.2019)