Joanna Sustento will vermitteln, dass sich die Folgen der Klimakrise bereits jetzt auf die Menschheit auswirken.

Foto: HO/Greenpeace

Die Bilder von Greta Thunberg gingen im Sommer des Vorjahrs um die Welt: Die Jugendliche, die Woche für Woche vor dem schwedischen Reichstag für mehr Klimagerechtigkeit protestierte, sorgte dabei für viel Diskussion. Dabei ist Thunberg bei weitem nicht die einzige junge Frau, die sich für das Klima engagiert: 9000 Kilometer Luftlinie südöstlich von Stockholm versucht die Aktivistin Joanna Sustento seit Jahren, auf das Thema aufmerksam zu machen.

Auslöser dafür war der 8. November 2013. An jenem Freitag raste der Supertaifun Haiyan – einer der stärksten bisher dokumentierten Tropenstürme – mit mehr als 200 km/h auf Sustentos Heimatstadt Tacloban zu. Innerhalb weniger Stunden verloren Millionen Menschen ihr Zuhause, Tausende kamen ums Leben, darunter auch die Familie der damaligen Callcenter-Angestellten. Die Philippinin verlor ihre Eltern, einen Bruder, die Schwägerin und ihren Neffen.

Der Taifun Haiyan verwüstete 2013 die Philippinen.
Foto: AP

"Nach dem Taifun wusste ich nicht, was ich machen soll", erzählt die 28-Jährige dem STANDARD. "Ich habe nicht nur meine Familie verloren, sondern auch mein Zuhause, meinen Job."

Die verheerenden Folgen des Supertaifuns waren im selben Jahr auch auf der UN-Klimakonferenz in Polen Thema: Ex-UN-Generalsekretär Ban Ki-moon brachte den Sturm in direkte Verbindung mit der Erderwärmung; ein philippinischer Delegierter ging in den Hungerstreik, um auf das Nichthandeln der Staatengemeinschaft aufmerksam zu machen.

Angst vor weiteren Verlusten

Auf den Philippinen liefen unterdessen die Aufbauarbeiten an, die nur schleppend vorangingen. Immerhin steuerte nach etwas mehr als einem Jahr bereits der nächste Tropensturm auf das Land zu, wie Sustento erzählt. Die junge Frau packte ein weiteres Mal ihr Hab und Gut, um sich für die Evakuierung bereitzumachen. "Das war für mich der Wendepunkt", erinnert sich die Aktivistin, die erneute Verluste befürchtete.

Während die damals 22-Jährige bis zu diesem Zeitpunkt kaum über ihre Erfahrungen gesprochen hatte, fing sie an, sich auf Onlineplattformen mit anderen Überlebenden auszutauschen und über das Erlebte zu sprechen.

"In einem sicheren Klima zu leben darf kein Privileg sein, es ist ein Menschenrecht", meint die 28-Jährige, die heute gegen die Macht der Fossilindustrie demonstriert. "Es gibt mächtige Konzerne und Menschen, die für die Klimakrise verantwortlich gemacht werden müssen." Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, hat die Aktivistin vor wenigen Wochen vor der philippinischen Zentrale des Erdölenriesen Shell demonstriert. Der Protest wurde jedoch innerhalb von zwei Stunden von rund 40 Polizisten aufgelöst – und das, obwohl Sustento alleine war, wie sie erzählt.

Wirklich alleine ist Sustento mit ihrem Klimaprotest jedoch nicht mehr. Während in sozialen Medien seit über einem Jahr darüber spekuliert – und auch gespottet – wird, ob und wer hinter Greta Thunbergs Engagement steht, macht Sustento keinen Hehl aus ihren Unterstützern. Seit Jahresbeginn arbeitet sie mit der Umweltorganisation Greenpeace auf den Philippinen zusammen.

Wissen vermitteln

Wie auch Thunberg – die Sustento im Vorjahr bei der Klimakonferenz im polnischen Kattowitz getroffen hat – versucht die Philippinin in Vorträgen zu vermitteln, dass die Erderwärmung bereits jetzt starke Auswirkungen auf die Menschheit hat.

Ganz so nachhaltig wie die Schwedin, die unlängst mit einem Segelboot in die USA gereist ist, sind Sustentos Reisen dabei allerdings nicht. Zwar ist die Philippinin mit anderen Aktivisten bei einer "Klima-Pilgerreise" gemeinsam zu Fuß von Rom nach Polen gegangen; sie war aber genauso mit der Umwelt-NGO in der Arktis unterwegs, um dort gegen Ölbohrungen zu demonstrieren. Auch in ihrem Heimatland bringt sich die Aktivistin in die Klimabewegung ein: Trotz des – laut Sustento – teils rigiden Vorgehens gegen Demonstranten wird dort seit über einem Jahr für mehr Klimagerechtigkeit protestiert. (Nora Laufer, 29.10.2019)