Der namenlose First Dog der USA, der IS-Chef Baghdadi in die Enge trieb.

Foto: White House via AP

Die zwei portugiesischen Wasserhunde der Obamas, links Bo, rechts Sunny.

Foto: Pete Souza

Wien – Es sieht so aus, als hätten die USA wieder einen First Dog. Endlich, möchte man schreiben. Denn so ein "Hund der Nation" scheint den US-Amerikanern irgendwie zu fehlen. Weiß doch das Presidential Pet Museum mit kaum verhohlenem Bedauern zu berichten, dass seit mehr als einem Jahrhundert, nämlich seit Theodore Roosevelt (1901–1909), jeder, wirklich jeder US-Präsident einen Hund ins Weiße Haus mitbrachte. Bis Donald Trump kam. Seit er im Jänner 2017 der 45. Präsident der Vereinigten Staaten wurde, ist das Weiße Haus haustierfreie Zone. Kein Hund. Keine Katze. Kein wie auch immer geartetes Haustier. Keine Fotos mehr mit süßen, vertrauenswürdig dreinschauenden, bellenden Vierbeinern im Oval Office oder auf dem berühmten Südrasen vor dem Weißen Haus.

Doch jetzt gibt es Haustierersatz für die Nation: Jener Hund, der IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi jagte, ist auf dem besten Weg, in den USA ein Held zu werden. Der Präsident heftete ein Foto des "schönen" und "talentierten", ja, einfach "wunderbaren" Hundes gleich ganz oben auf seinen Twitter-Account, damit dessen "GREAT JOB" im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus in der schnell wachsenden präsidentiellen Tweet-Kolonne nicht untergeht.

Der Belgische Schäferhund – eine Rasse, die die US-Armee häufig einsetzt, und die in vier Varietäten gezüchtet wird, hier handelt es um die Unterart "Malinois" – war dem Chef der Jihadistenmiliz in einen Tunnel hinterhergejagt, wo sich Baghdadi dann durch Zünden einer Sprengstoffweste selbst tötete. Das Tier wurde bei dem Einsatz selbst auch verletzt, befindet sich aber auf dem Weg zur vollständigen Genesung und sei auch schon wieder an der Seite des für ihn zuständigen Militärs im Dienst, hieß es.

Der Name des Hundes ist übrigens geheim, immerhin war er Mitglied einer Geheimoperation. So geheim, dass nicht einmal Trump ihn twitterte. Und wer wissen möchte, ob es sich um eine Hündin oder einen Hund in Action handelte, muss ebenfalls die Geschlechterdifferenz aushalten: ob Weibchen oder Männchen, wurde nämlich ebenfalls nicht bekanntgegeben.

Ein eigenes Museum für die Präsidentenhaustiere

US-Präsidenten und ihre Haustiere sind so eine Sache. Eine so wichtige, dass es nicht nur ein eigenes Museum dafür gibt. Das Leben mit den First Dogs, First Cats, First Horses, First Rabbits oder was auch immer ist gut dokumentiert – und auch bewusst inszeniert.

Das Familienidyll der Obamas etwa mit den zwei Töchtern Malia und Sasha und den zwei Portugiesischen Wasserhunden Bo und Sunny wurde von Präsidentenfotograf Pete Souza auf viele offizielle Fotos von und mit Barack und Michelle Obama gebannt. Nicht nur die US-Nation, nein, die ganze Welt lernte dadurch, dass diese Rasse wenig haart, daher gut geeignet war für die unter einer Hundehaarallergie leidende Malia.

Bo Obama (li.) und seine jüngere Schwester Sunny Obama.
Foto: Pete Souza

Unter George W. Bush, der es zwischen 2001 und 2009 sogar auf drei Hunde (Miss Beazley, Spot und Barney) und eine Katze (India) brachte, gab es sogar eine eigene Barney Cam, die sich an die Pfoten des Scottish Terrier heftete und mit ihm durch das Weiße Haus stromerte. Von Bush ist der Satz "Ich werde nicht aufgeben, und wenn auch nur noch meine Frau und Barney zu mir stehen" überliefert.

George W. Bush und Barney auf der Familienranch in Texas, 27. August 2002.
Foto: Courtesy George W. Bush Presidential Library via Presidential Pet Museum

Bei den Bushs war nicht nur die Präsidentschaft eine Familienangelegenheit, auch die familiäre Linie über die Haustiere wurde gehalten. Denn Hund Nummer zwei von George W., Spot, war der Nachwuchs von Millie, der Hündin von Papa Bush, der von 1989 bis 1993 im White House residierte. Millie hatte schon George H. W. zu einem Welpenrudel im Weißen Haus verholfen.

George H.W. Bush mit Millie und ihren Jungen, 20. April 1989.
Foto: Presidential Pet Museum

Clinton und der treuherzige Hundeblick

Bushs Vorgänger Bill Clinton wiederum brauchte die magische, vielleicht oder hoffentlich beim Publikum Verzeihungsbereitschaft triggernde Kraft eines Hundes im arrangierten Büßerfoto, als seine Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky öffentlich zu beichten war. Nicht nur Ehefrau Hillary musste aufs Bild, auch Labrador Buddy musste treuherzig in die Kamera blicken. Katze Socks hielt sich bevorzugt im Inneren, gern auch im damals schon etwas berüchtigten Oval Office auf, weiß das Presidential Pet Museum zu berichten.

Bill Clinton und Buddy, als die Welt im Weißen Haus mutmaßlich noch in Ordnung war.
Foto: Presidential Pet Museum

Präsident Ronald Reagan war mit sechs Hunden bei weitem nicht der Präsident mit den meisten Hunden, aber der bislang letzte, der (sich) auch auf Pferde (daheim auf seiner Ranch) setzte.

Ronald Reagan und Margret Thatcher, Lucky legte ein etwas höheres Tempo vor, 20. Februar 1985.
Foto: Presidential Pet Museum

Tierische Geschenke im Kalten Krieg

Gleich 17 Hunde sind nämlich vom ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten, George Washington, überliefert. Dem nicht genug, acht Pferde und ein Papagei gehörten ebenfalls zum präsidentiellen Haushalt.

Der musste natürlich auch entsprechend hundegerecht adaptiert werden. John F. Kennedy (selbst Hundehaarallergiker, der aber laut Presidential Pet Museum "enjoyed animals" und wollte, dass seine Kinder mit Haustieren aufwachsen) ließ für seine Haustiere (die Website listet zehn Hunde, darunter Pushinka, ein Geschenk des sowjetischen Premiers Nikita Chruschtschow, eine Katze, einen Kanarienvogel, zwei Sittiche, drei Ponys, zwei Hamster, einen Hasen und zwei Pferde auf) einen Spielplatz nahe dem West Wing anlegen.

Pushinkas Mutter Strelka war übrigens im Weltall – 1960 als Passagierin an Bord von Sputnik 5.

Pushinka, die Hündin, deren Mutter im Weltall war.
Foto: Presidential Pet Museum

Eine Sekretärin für die Hundefanpost

Ein Hund ist natürlich immer auch ein Ego-Konkurrent, den ein Präsident neben sich aushalten muss. Manchmal waren die First Dogs auch beliebter als ihre Herrchen. Fala, der Scottish Terrier von Franklin D. Roosevelt, bekam so viel Fanpost, dass sogar eine eigene Sekretärin dafür angestellt werden musste.

Franklin D. Roosevelt und Fala.
Foto: Courtesy of the Franklin D. Roosevelt Presidential Library and Museum via Presidential Pet Museum

Richard Nixon wiederum haben die Amerikaner den "National Dogs in Politics Day" (am 23. September) zu verdanken. Der Cockerspaniel – oder seine Aura der Aufrichtigkeit – verhalf "Tricky Dick", der sich damals als Vizepräsidentschaftskandidat gerade mit dem (falschen) Vorwurf dubioser Spendenannahmen herumschlagen musste, doch ins Weiße Haus. Vor Millionen Fernsehzuschauern – "My Fellow Americans!" – sagte Nixon, er habe nie etwas angenommen, außer Checkers. Einen schwarz-weißen Cockerspaniel, den ein texanischer Unterstützer der Familie geschenkt habe. Und was auch passieren möge, das sei das einzige Geschenk, das seine Töchter Julie und Tricia niemals zurückgeben müssten.

Major Kong

Hund oder Freund?

Bleibt noch ein berühmtes Zitat, das Harry S. Truman zugeschrieben wird. Er meinte: "Wenn du in Washington einen Freund suchst, dann kauf dir einen Hund." Vielleicht weiß Trump ja, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass Truman das wirklich gesagt hat, und verzichtet deswegen auf einen Hund, und sei es nur zum Herzeigen. Denn Truman war jener Präsident, der sich den Ärger der hundenarrischen Amerikaner zuzog, als er einen ihm von einer Unterstützerin geschenkten Hund an seinen persönlichen Arzt weiterreichte.

Feller wurde im Dezember 1947 als 5-Wochen-Welpe ans Weiße Haus geliefert, Hausherr Truman war nicht großartig begeistert.
Foto: Presidential Pet Museum

Auf der Presidential-Pet-Museum-Seite firmiert besagter Cockerspaniel Feller denn auch als "Unwanted Dog". Und so etwas wollen die Amerikaner schon gar nicht.

Jetzt haben sie immerhin einen (wenn auch für die Öffentlichkeit namenlosen) First Dog als potenzielles Objekt für ihre Hundeliebe. (Lisa Nimmervoll, 29.10.2019)