Protestierende hielten bei Demonstrationen immer wieder Kleiderbügel hoch, um für sichere Abtreibungen zu kämpfen.

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Abtreibungen werden im US-Bundesstaat Alabama noch nicht de facto verboten. Ein Bundesrichter hat am Dienstag das Gesetz gestoppt, das im kommenden Monat in Kraft getreten wäre. Durch den Richterspruch wird sichergestellt, dass zumindest noch im Moment Abtreibungen durchgeführt werden können.

Wäre das Gesetz am 1. November in Kraft getreten, hätten Ärzte eine schwere Straftat begangen, wenn sie Abtreibungen durchgeführt hätten – unter fast allen Umständen. Die Höchststrafe hätte 99 Jahre Haft betragen. Ausnahmen für Schwangerschaftsabbrüche nach Vergewaltigungen oder Inzest sind in dem Gesetz nicht vorgesehen. Eine Abtreibung wäre nur dann legal gewesen, wenn die Gesundheit der Mutter in "großer Gefahr" gewesen wäre.

Bis zum Supreme Court

Der Richterspruch verhindert so lange, dass das Gesetz in Kraft tritt, bis "das Gericht den Fall vollständig behandelt hat". Abtreibungsgegner wollen notfalls bis zum Supreme Court ziehen, um ein Exempel gegen legale Schwangerschaftsabbrüche in den USA zu statuieren.

Auch der mögliche Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Joe Biden, hat in der Debatte eine klare Meinung. Er ist zwar Katholik, vertritt aber den Standpunkt, dass Abtreibungen straffrei bleiben sollen. Deshalb verwehrte ihm am Sonntag ein Priester in South Carolina die Kommunion. "Leider musste ich dem ehemaligen Vizepräsidenten die heilige Kommunion verweigern", sagte Pfarrer Robert Morey von der St. Anthony-Kirche in der Diözese Charleston am Montag. "Jede Person des öffentlichen Lebens, die sich für Abtreibung einsetzt, stellt sich außerhalb der Lehre der Kirche", erklärte Morey. (red, 29.10.2019)