Lewis Hamilton wird in naher Zukunft den Schuhmacher-Rekord brechen.

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Austin (Texas) – Die Formel 1 gastiert in dieser Woche zum 41. Mal in den USA und zum achten Mal in Austin. Lewis Hamilton wird dort aller Voraussicht nach seinen sechsten WM-Titel rechnerisch fixieren. Das gelang ihm auf dem Circuit of the Americas bereits 2015, mit fünf Siegen ist er Rekordgewinner in Texas. Am Sonntag genügt dem Briten ein achter Platz, wenn sein Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas gewinnt.

Falls Bottas das Rennen nicht gewinnt, ist Hamilton unabhängig von seinem eigenen Ergebnis Weltmeister. 74 Punkte liegt er in der WM-Wertung vor dem Finnen, bestenfalls 52 Punkte gibt es nach Austin noch zu holen. "Ich habe noch gar nicht richtig daran gedacht, dass es wieder klappen kann", wollte der 34-Jährige bisher nicht über das sprechen, was praktisch schon Gewissheit ist. Genauso wenig wie darüber, was danach kommt: Wenn seine neuerliche WM-Mission in trockenen Tüchern ist, würde Hamilton nur noch ein Titel fehlen, um zu Rekordgewinner Michael Schumacher aufzuschließen.

Zuerst das Auto, dann der Rekord

"Ja, das ist möglich", antwortete Mercedes-Teamchef Toto Wolff auf die Frage, ob sein Chefpilot alle Schumacher-Bestmarken brechen kann. "Aber erst einmal müssen wir immer wieder ein Auto bauen, das stark genug ist", sagte Wolff. Weil Mercedes in den vergangenen Monaten wieder so dominant war und schon zum sechsten Mal nacheinander Konstrukteurs- und Fahrer-WM gewonnen hat, dreht sich bei den "Silberpfeilen" schon viel um 2020. Im letzten Jahr vor der großen Regelreform soll der nächste Ferrari-Angriff abgewehrt werden.

Hamilton bestreitet sein siebentes Jahr bei Mercedes, 100 Mal stand er für das Werksteam auf dem Podest, er steht bei 83 Siegen. Nur noch acht fehlen bis zu der einst als unerreichbar geltenden Bestmarke des Deutschen Schumacher. Je näher die magische 91 rückt, desto größer werde der Druck auf Hamilton, so Wolff. "Aber wenn er nicht in der Lage wäre, diesen Druck auszuhalten, wäre er auch nicht unter den erfolgreichsten Fahrern aller Zeiten."

Schon mehrfach betonte der Ausnahmekönner, dass er noch lange nicht genug habe. Ende 2020 endet sein Vertrag. Wie es dann weitergeht? "Ich glaube, dass er sich nicht sicher ist, was er tun wird", sagte Wolff. Der Wiener sieht auch bei sich die Aufgabe, Hamilton für die Zukunft zu gewinnen: "Die Entscheidung eines Rennfahrers hängt grundsätzlich immer am Potenzial des Autos. Wenn ein Fahrer sich von einem anderen Team mehr angezogen fühlt, dann ist das so."

Widerstände gegen Miami-GP

Zumindest öffentlich beschäftigt sich Hamilton wenig mit der Zukunft – vielmehr interessiert ihn zunächst nur Texas. "Die Strecke ist fantastisch und ein guter Ort für mich", erklärte Hamilton, der vor der Anreise in New York Station machte. Austin gilt auch als Hochburg der Livemusik in den USA. Um diesem Ruf zu entsprechen, holen die Grand-Prix-Veranstalter seit einigen Jahren Topstars der US-Musikszene zu Auftritten an die Strecke. In diesem Jahr wird es im Rahmenprogramm Konzerte von Pink und den Imagine Dragons geben.

In Zukunft soll es nach den Vorstellungen von Liberty Media, dem Formel-1-Rechteinhaber, zumindest ein weiteres Rennen in den USA geben. Am konkretesten ist das Vorhaben eines Grand Prix in Florida: In der Metropole Miami soll rund um das Hard Rock Stadium, in dem am Februar 2020 auch die 54. Super Bowl ausgetragen wird, ein Kurs entstehen.

Allerdings gibt es bis dahin noch einige politisch-administrative und rechtliche Hürden zu überwinden. So protestiert derzeit eine Anrainer-Gruppierung gegen die Pläne und will einen Formel-1-Grand-Prix – vor allem wegen des befürchteten Lärms – unbedingt verhindern. (APA, 30.10.2019)