Wie Fed-Chef Jerome Powell bereits anklingen hat lassen, wurde der Leitzins zur Unterstützung der US-Wirtschaft abermals gesenkt.

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Washington – Die US-Notenbank Fed senkt den Leitzins immer weiter. Sie kappte ihn am Mittwoch um einen Viertelpunkt auf die neue Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent. Zuletzt hatte sie im September und im Juli die Zinsen gesenkt, um die vom Zollkonflikt mit China ausgehenden Gefahren für die Wirtschaft abzumildern.

Die Zentralbank gehe von anhaltendem Wirtschaftswachstum aus, "aber es bestehen bei dieser Prognose weiter Unsicherheiten", hieß es mit Blick auf das global schwächere Wachstum. Der Inflationsdruck sei derzeit gering.

Warnsignale deuten auf Ende der Konjunktur in den USA hin

Die US-Wirtschaft befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs, doch die Warnsignale einer bevorstehenden Abkühlung mehren sich. Der Handelskrieg mit China lastet auf der US-Konjunktur, genauso wie geringere Investitionen der Privatwirtschaft und eine Flaute im verarbeitenden Gewerbe. Die Fed bemüht sich mit ihrer Geldpolitik, das nunmehr seit einem Jahrzehnt anhaltende Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten. Die Notenbank hatte daher nach Jahren stagnierender oder steigender Zinsen im Juli die Kehrtwende eingeleitet.

Die jüngste Zinssenkung war allgemein erwartet worden, die Reaktion der Märkte dürfte sich daher in Grenzen halten. Mit Spannung erwarteten Investoren jedoch den weiteren Ausblick der Notenbanker: Wird die Fed zusätzliche Zinssenkungen andeuten? Oder wird die Zentralbank erstmal eine abwartende Stellung einnehmen? Investoren erhofften sich mehr Klarheit von Notenbankchef Jerome Powell, der am Mittwoch vor die Presse treten wollte.

Zinspause angedeutet, US-Staatsanleihen legen zu

Im Begleittext zum jüngsten Zinsbeschluss änderte die Fed nun eine Passage. Darin hatte sie zuvor angekündigt, angemessen zu handeln, um das Wirtschaftswachstum zu stützen. Nun heißt es in der geänderten Passage lediglich, sie werde die Konjunkturdaten beobachten und beurteilen, wie der "angemessene Pfad" für den Zins aussehen solle. "Das bedeutet für uns, das es keinen Automatismus für Zinssenkungen gibt", so Chefvolkswirt Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Wuerttemberg.

Von einer Zinspause könnten die US-Staatsanleihen laut Beobachtern profitieren. Die Fed habe deutlich gemacht, dass es nicht zwingend zu weiteren Zinsschritten kommen müsse, sagte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. "Und schon gar nicht im bisherigen Tempo", fügte der Analyst hinzu. Tatsächlich haben die US-Staatsanleihen nach der Zinssenkung am Mittwoch zugelegt. Vor allem Papiere mit längeren Laufzeiten verbuchten Gewinne.

US-Wirtschaft wuchs im dritten Quartal um 1,9 Prozent

Der Leitzins, die sogenannte Federal Funds Rate, ist der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken über Nacht Geld leihen. Eine Senkung des Zinssatzes verbilligt Kredite, weswegen Firmen leichter investieren können und viele Bürger weniger für den Schuldendienst ausgeben müssen – sie haben so mehr Einkommen zur Verfügung.

Die US-Wirtschaft konnte ihr Wachstumstempo im Sommer dank eines robusten Privatkonsums in etwa halten. Die weltgrößte Volkswirtschaft wuchs im dritten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 1,9 Prozent, wie Zahlen vom Mittwoch zeigten. Das war nur geringfügig weniger als das Wachstum von 2,0 Prozent, das im zweiten Vierteljahr erzielt wurde. Anders als in Europa werden Wachstumszahlen in den USA auf das Jahr hochgerechnet. Sie geben damit an, wie stark die Wirtschaft wachsen würde, wenn das Wachstumstempo ein Jahr lang anhielte. Die Wachstumszahlen aus den beiden großen Wirtschaftsräumen sind daher nicht unmittelbar miteinander vergleichbar. (APA, 30.10.2019)