In Auto- und Metallindustrie ist der Abschwung bereits spürbar, der Absatz stockt und den Zulieferern fehlen Aufträge.

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Brüssel/Luxemburg/Wien – Noch scheint der Konjunkturabschwung in der Arbeitswelt nicht angekommen zu sein. Die Arbeitslosenraten im Euroraum und in der gesamten EU blieben im September im Vergleich zum Vormonat unverändert: Sie weisen weiterhin die niedrigsten Werte seit dem Jahr 2008 beziehungsweise 2000 auf.

Im Euroraum lag die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im September bei 7,5 Prozent, teilte die EU-Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag mit. Im September 2018 waren es 8,0 Prozent gewesen.

In der gesamten EU waren im September 15,6 Millionen Männer und Frauen ohne Erwerbsarbeit (48.000 mehr als im Vorjahresmonat), fast 80 Prozent von ihnen leben und arbeiten in einem Euroland. 3,2 Millionen Menschen unter 25 Jahren waren in der EU arbeitslos, davon 2,3 Millionen im Euroraum. In Summe sank die Zahl der Arbeitslosen im Jahresvergleich in der EU um 889.000 und im Euroraum um 738.000. Im Durchschnitt aller 28 EU-Länder ist die Arbeitslosenquote mit 6,3 Prozent gegenüber dem September des Vorjahrs ebenfalls leicht gesunken. Damals betrug sie 6,7 Prozent.

Tschechien auf Platz eins

Die niedrigste Arbeitslosenquote gibt es demnach in Tschechien (2,1 Prozent) und Deutschland (3,1), die höchste in Griechenland (16,9, Juli 2019) und Spanien (14,2). Diese beiden Länder führen auch bei der Jugendarbeitslosigkeit: Griechenland mit 33,2 Prozent (zweites Quartal 2019) und Spanien mit 32,8.

Österreich liegt laut Eurostat mit einer Gesamtarbeitslosigkeit von 4,5 Prozent unter dem EU-Schnitt. Nach der nationalen Berechnungsmethode beträgt die Arbeitslosenquote 6,7 Prozent. 334.464 Personen sind laut Arbeitsmarktservice aktuell ohne Erwerbsarbeit.

Inflation schwächelt

Auf die Suche nach neuen Werkzeugen sollte sich die Europäische Zentralbank (EZB) machen. Denn trotz milliardenschwerer Anleihenkaufprogramme durch die EZB verfehlt sie ihr wichtiges Ziel pfeilgerade: eine Inflationsrate von rund zwei Prozent. Die Jahresinflation im Euroraum wird im Oktober auf 0,7 Prozent taxiert, nach 0,8 Prozent im September. Die höchste Teuerung weisen Dienstleistungen, Lebensmittel, Alkohol und Tabak auf (je 1,6 Prozent), die Preise für Industriegüter hingegen stiegen nur um 0,3 Prozent. Bei der Energie gab es gar eine negative Inflation von minus 3,2 Prozent.

Geldschleusen drosseln und Zinsen anheben sollte aus Sicht des italienischen Notenbankchefs Ignazio Visco dennoch kein Thema sein: Die Währungshüter dürften die Geldschleusen keinesfalls schließen und müssten entschieden gegen die niedrige Inflation und die wirtschaftliche Abschwächung vorgehen, so das EZB-Ratsmitglied.

Visco hat dabei Rückenwind der italienischen Wirtschaft. Sie ist im Sommer zwar kaum vom Fleck gekommen, aber immerhin in keine Rezession gefallen. Ausruhen kann man sich auf dem Miniwachstum eher nicht, dafür die es mit 0,1 Prozent (gegenüber dem Vorquartal) zu dünn.

Wachstum schwächelt

Schwach ist auch das Wirtschaftswachstum im Vergleich zum Vorquartal: Das saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euroraum stieg im dritten Quartal um 0,2 Prozent. In der gesamten EU war es laut Eurostat-Schnellschätzung mit 0,3 Prozent nicht weniger hauchdünn. Im zweiten Quartal war das BIP um 0,2 Prozent gestiegen. (APA, 31.10.2019)