Eisberg in Grönland: ein Symbol des Klimawandels

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Potsdam – Die gegenwärtigen Klimaschutzverpflichtungen weltweit reichen Wissenschaftern zufolge nicht aus, um den Anstieg des Meeresspiegels aufzuhalten. Selbst wenn sich die Länder im Zeitraum von 2016 bis 2030 an die Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen, aus dem die USA am Montag offiziell austraten, hielten, würde dies den Meeresspiegel bis zu diesem Zeitpunkt um 20 Zentimeter ansteigen lassen. Bis zum Jahr 2300 wäre mit einem Anstieg um einen Meter zu rechnen, heißt es in einer aktuellen Studie, die im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)" veröffentlicht wurde.

Die Autoren bestätigen damit mehrfach publizierte Studienergebnisse, wonach die globale Erwärmung aufgrund der Eisschmelze zu einem Anstieg des Meeresspiegels führt und in zwei- bis dreihundert Jahren bedrohliche Ausmaße für Küstenregionen haben könnte. Auch der jüngste Bericht des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) vom vergangenen September warnte vor einem dramatischen Anstieg des Meeresspiegels.

Die fünf großen Verursacher von Emissionen

Die vorliegende Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte des erwarteten Meeresspiegelanstiegs auf die fünf größten Verursacher von Treibhausgasemissionen zurückzuführen wäre: China, USA, EU, Indien und Russland. Auf das Konto dieser Länder würden zwölf der 20 Zentimeter des erwarteten Anstiegs gehen – und dies für den Fall, dass sie die Klimaziele aus dem Pariser Abkommen bis 2030 einhalten. Werden diese verfehlt, könnte das in einem noch höheren Anstieg der Meere resultieren.

Erstellt wurde die Studie von Forschern der Climate Analytics in Berlin und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Sie zeigt den Autoren zufolge erstmals die konkreten Auswirkungen der bisher vereinbarten Vorhaben der einzelnen Länder zur Emissionsreduktion im Rahmen des Pariser Klimaabkommens mit Blick auf den längerfristigen Meeresspiegelanstieg. "Was wir heute tun, wird einen großen Einfluss bis zum Jahr 2300 haben", erklärt Alexander Nauels von Climate Analytics, Hauptautor der Studie. Und warnt eindringlich: "20 Zentimeter sind keine kleine Zahl, das entspricht grob dem bisher im gesamten 20. Jahrhundert beobachteten Meeresspiegelanstieg."

Durch das langsame Tempo, mit dem der Ozean, die Eisschilde und Gletscher auf die globale Erwärmung reagieren, "entfalten sich die wahren Folgen unserer Emissionen für den Meeresspiegelanstieg erst über Jahrhunderte", sagt er. "Je mehr Kohlendioxidemissionen jetzt freigesetzt werden, desto stärker bestimmen wir auch bereits den Meeresspiegelanstieg der Zukunft." (red, APA, 5.11.2019)