Die Wiener Verkehrsbetriebe haben einen ziemlichen Hang, ihre Kundschaft auf sozialpädagogische Weise zu besserem Verhalten zu erziehen. Nach dem – begrüßenswerten – Essverbot geht es jetzt darum, dass die Mannsbilder nicht so breitbeinig herumsitzen und zu viel Platz in Anspruch nehmen sollen. In der entsprechenden Terminologie heißt das Manspreading.

Es gibt auch schon einen Slogan ("Sei ein Ehrenmann und halt deine Beine zam!") und entsprechende lustige Illustrationen mit einem Blonden, einem Dunkelhäutigen und einem "südländischen Typ mit Schnauzer" als Manspreader. Diversität ist Pflicht.

"Doorblocker" und "Smartphone-Addicts"

Das ist ausbaufähig. Wie wär's mit Kampagnen gegen die "Doorblocker" beiderlei Geschlechts, die die Wagentüren verlässlich verstellen? Oder die (öfter weiblichen) "Smartphone-Addicts", die auch beim Ein- und Aussteigen nicht den Blick vom Schirm lösen können? (Die Wiener Linien wollten ja heuer in den U-Bahn-Stationen eine eigene Spur für Handybenutzer einrichten – allerdings am 1. April). Oder mit kleinen Auszeichnungen für jene Jugendlichen, die auch tatsächlich älteren Personen Platz anbieten.

Aktion gegen breitbeiniges Sitzen in Öffis.
ORF

Die Aktionen der Wiener Linien sind von dem Geist getragen, den im Roten Wien früher die Arbeiterbildungsvereine vermittelten: Verbesserung des Menschen durch sanfte Ermahnung – durchaus auch mit einer Prise "Manshaming". (Hans Rauscher, 4.11.2019)

In Madrid gibt es bereits Manspreading-Verbotsschilder in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Foto: AP/Juan Carlos Villarejo