Das Auto, in dem die Ermordeten unterwegs waren.

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Präsident Andrés Manuel López Obrador bei seiner Pressekonferenz.

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Mexiko-Stadt – Bei einem Überfall im Norden Mexikos wurden am Montag neun US-Staatsbürger getötet. US-Präsident Donald Trump bot dem Nachbarland daraufhin Militärhilfe an. Wenn Mexiko Hilfe brauche, seien die USA bereit, "sich einzubringen und die Arbeit schnell und effektiv zu erledigen", erklärte Trump. "Für Mexiko ist die Zeit gekommen, mithilfe der USA Krieg gegen die Drogenkartelle zu führen und sie vom Erdboden zu beseitigen. Wir warten nur auf einen Anruf von eurem großartigen neuen Präsidenten!"

Mexikos seit Dezember 2018 amtierender Präsident Andrés Manuel López Obrador lehnte allerdings dankend ab: Sein Land werde die Täter selbst zur Rechenschaft ziehen. Vor Reportern sagte er, er danke Trump für sein Angebot, es müsse aber geklärt werden, wie eine solche Hilfe aussehen könne, bei der gleichzeitig die Souveränität Mexikos respektiert werde.

Die drei Frauen und sechs Kinder waren Mitglieder einer US-Mormonen-Gemeinde im Nordwesten Mexikos, deren Mitglieder die Staatsbürgerschaften beider Länder besitzen. Sie waren mit mehreren Fahrzeugen auf dem Weg von Bavispe im Bundesstaat Sonora in eine andere Mormonensiedlung im Nachbarstaat Chihuahua.

Reifenpanne stoppte Fahrzeug

Als ein Auto mit einer Reifenpanne liegenblieb, drehten die anderen um, um Hilfe zu holen. Während die Fahrerin mit ihren vier Kindern auf die Rückkehr ihrer Reisegefährten wartete, eröffneten Unbekannte das Feuer, töteten alle Insassen und zündeten das Fahrzeug an.

Als der Rest der Gruppe in zwei Autos zurückkam, wurden auch sie beschossen. Mehreren Kindern gelang die Flucht. Ein Mädchen wurde vermisst. Fünf Kinder wurden verletzt in US-Spitäler gebracht.

Julian LeBaron, ein Angehöriger der Getöteten, sprach im Rundfunksender Radio Fórmula von einem Massaker. LeBarons Bruder Benjamin, der Gründer von SOS Chihuahua, einer Vereinigung zur Bekämpfung von Bandenkriminalität, war 2009 von einer Drogenbande ermordet worden.

LeBarons kamen 1924 nach Mexiko

Die LeBarons stammen von Mormonen ab, die 1924 nach Mexiko zogen, weil sie sich mit der Führung der Religionsgemeinschaft über die Frage der Vielehe zerstritten hatten.

Die Attacke ereignete sich in Rancho de la Mora an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Chihuahua und Sonora und nahe der Grenze zu den USA. In der Gegend sind Drogenhändler und andere kriminelle Banden aktiv. Im vergangenen Jahr wurden in Mexiko fast 36.000 Morde registriert. (red, APA, AFP, 5.11.2019)