Bei der Voestalpine begründet man das schlechte Ergebnis mit dem sich eintrübenden wirtschaftlichen Umfeld.

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Wien – Auf dem Prüfstand stehen alle Divisionen der Voestalpine. Konkrete Einschnitte, etwa beim Personal, seien – über den Abbau von Leasingkräften hinausgehend – aber nicht geplant, versicherte Vorstandschef Herbert Eibensteiner bei Vorlage der Halbjahreszahlen des Stahl- und Verarbeitungskonzerns am Mittwoch. Mit Nichtnachbesetzungen, Überstunden- und Urlaubsabbau hoffen die Linzer vorerst über die Runden zu kommen. Auch das Effizienz- und Kostensenkungsprogramm im Volumen von 100 Millionen Euro wurde noch nicht nach oben korrigiert. Im laufenden Geschäftsjahr (31. März 2020) will man davon 50 Millionen Euro realisieren.


Obwohl der konjunkturbedingte Cocktail schwer verdaulich ist: Die schwächere Nachfrage vor allem aus der Automobilbranche, höhere Erz- und Rohstoffpreise und ein verfallender Stahlpreis setzen der Voest stärker zu als noch im ersten Quartal erhofft. Der Vorstand kassierte das Jahresziel, hält für das laufende Geschäftsjahr (bis Ende März 2020) nur noch einen operativen Gewinn (Ebitda) in der Größenordnung von 1,3 Milliarden Euro für erreichbar. Im Sommer waren noch 1,6 Milliarden Euro angestrebt worden. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) halbierte sich auf 230 Millionen Euro.

"Aus heutiger Sicht wird auch das dritte Geschäftsquartal in Bezug auf das Ergebnis zumindest ähnlich schwierig wie das zweite Quartal", sagte Eibensteiner, der im Juli auf Voest-Chef Wolfgang Eder gefolgt ist. Das Umfeld schildert er als unübersichtlich, die Palette der Unwägbarkeiten reicht von Handelskrieg bis (Auto-)Konjunkturabschwung.

Gewinneinbruch

Der operative Gewinn (Ebitda) im ersten Halbjahr (30. September) sank um 22,6 Prozent auf 665,5 Millionen Euro, der Gewinn nach Steuern brach gar um 64 Prozent auf 115,2 Millionen Euro ein. Der Umsatz ging um vergleichsweise moderate zwei Prozent auf 6,5 Milliarden Euro zurück, was Finanzchef Robert Ottel mit dem gesunkenen Mengenabsatz vor allem bei Werkzeugstahl und Stahl in Europa begründete, wo die Voest rund zwei Drittel ihres Umsatzes lukriert. Die Investitionen schraubte man um fast 30 Prozent auf 338 Mio. Euro zurück.

Kalt erwischen lassen will man sich von einem sich auswachsenden Konjunkturabschwung nicht: Es wird ein Strategieprozess angestoßen, in dem allen Downstream-Aktivitäten auf den Zahn gefühlt wird. In Gefahr sieht Eibensteiner keine Division, vor allem Bahnsysteme sei eine Stütze. Ab März soll endlich auch das US-Automotive-Werk in Cartersville positive Ergebnisse liefern. Die Problemanlage drückt seit drei Quartalen das Ergebnis und verursachte, zusammen mit dem Grobblechkartell, mehr als 260 Millionen Euro an Rückstellungen. (ung, 6.11.2019)