Für die Besitzer der Kryptowährung Bitcoin ist das Jahr 2019 bisher gut gelaufen – insbesondere die ersten sechs Monate. Bis Ende Juni stieg der Kurs steil an und erzielte das bisherige Jahreshoch bei 12.866 US-Dollar, bevor anschließend eine Korrekturphase einsetzte. Dennoch, mit einem aktuellen Preis von rund 9340 Dollar ist ein Bitcoin seit Ende des Vorjahres um beachtliche 144 Prozent angestiegen. An ihrer Schwankungsfreudigkeit hat die bekannteste Kryptowährung also nichts eingebüßt.

Hoffnungen, dass es bald wieder aufwärts gehen könnte, werden derzeit von einem Anstieg der Google-Suchanfragen zum Begriff Bitcoin genährt. Denn deren Anzahl korreliert merklich mit der Kursentwicklung – die meisten Suchen fanden heuer ebenfalls im Juni statt, beinahe zeitgleich mit dem bisherigen Jahreshoch der Kryptowährung. Laut dem Branchenportal Kryptoszene.de haben die Google-Anfragen seit dem tiefsten Wert im September inzwischen wieder um fast die Hälfte zugenommen – das Interesse an Bitcoin nimmt derzeit offenbar wieder zu.

Mining-Verbot wackelt offenbar

Hoffnungen auf weitere Kursgewinne werden zudem von der Erwartung geschürt, dass die chinesische Regierung ihr Verbot von Bitcoin-Mining, wie das Schürfen neuer Einheiten bezeichnet wird, überdenken könnte. Der Geschäftsführer des kanadischen Unternehmens Blockchain berichtete, dass das Mining nicht mehr auf der staatlichen Liste für 2020 der in China unerwünschten Branchen stehe.

Eine Umfrage unter deutschen Internet-Nutzern, die von dem Hamburger Blockchain Research Lab durchgeführt wurde, ergab unterdessen, dass das Vertrauen in Kryptowährungen allgemein nur schwach ausgeprägt ist. Auf einer Skala von null bis zehn erzielte der tiefste Wert, der gar kein Vertrauen ausdrückt, mit 15,3 Prozent den allerhöchsten Anteil. Im Gegenzug vergaben nur zwei Prozent der Befragten den höchsten Wert, der volles Vertrauen in Bitcoin und Co ausdrückt.

Wissen schafft Vertrauen

Wie die Studie weiter ausführt, hängt das Ausmaß an Vertrauen weniger davon ab, ob jemand Kryptowährungen besitzt, sondern vielmehr davon, wie gut sich jemand mit diesem Thema auskennt. Und diesbezüglich haben die Deutschen – in Österreich dürfte es ähnlich aussehen – durchaus noch Wissenslücken.

Wer sich mit Kryptowährungen nicht gut auskennt, hat auch nur geringes Vertrauen in Bitcoin und Co.
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"Es ist auffällig, dass das Vertrauen vor allem dann gering ist, wenn die Befragten wenig über Kryptowährungen informiert sind", kommentiert Kryptoszene-Analyst Raphael Lulay die Daten. "Wenn man bedenkt, dass eine Studie der Postbank nahelegt, dass sich in diesem Zusammenhang nur vier Prozent der Deutschen als sehr gut informiert bezeichnen, ist das schon erschreckend." Der Postbank-Umfrage zufolge kennen sich 41 Prozent der Befragten gar nicht gut mit Kryptowährungen aus; weitere 30 Prozent bezeichnen ihr Wissen als weniger gut.

Unter diesem Aspekt wundert es auch kaum, dass sich das größte Vermögen in Bitcoin in Händen weniger, aber sehr vermögender Personen befindet, wie eine andere Auswertung von Kryptoszene zeigt. Demnach befinden sich fast 42 Prozent aller verfügbaren Bitcoins in Händen von Millionären. Die realen gesellschaftlichen Vermögensverhältnisse spiegeln sich also auch in der Kryptowelt wider. (Alexander Hahn, 6.11.2019)