Italien führt ab kommendem Jahr das Schulfach "Klimawandel und nachhaltige Entwicklung" ein – als erstes Land weltweit, wie der italienische Bildungsminister Lorenzo Fioramonti in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters betonte.

33 Stunden pro Jahr – also etwa eine Stunde pro Schulwoche – sollen sich Italiens Schüler aller Altersgruppen künftig mit dem Klimawandel und seinen Auswirkungen auseinandersetzen. Jüngeren Schülern im Volksschulalter werde etwa mit Geschichten über verschiedene Kulturen der Bezug zur Umwelt nähergebracht. Ältere Schüler könnten sich hingegen mehr mit technischen Details oder der Agenda 2030 der Vereinten Nationen beschäftigen.

Der italienische Bildungsminister Lorenzo Fioramonti.
Foto: Reuters/Remo Casilli

Der Klimawandel soll auch in anderen Fächern wie Geografie oder Physik stärker Beachtung finden. "Ich möchte das italienische Bildungssystem zum ersten weltweit machen, das die Umwelt und die Gesellschaft ins Zentrum von allem stellt, was wir in der Schule lernen", sagte Fioramonti.

Umweltschützer: Verantwortung nicht an Kinder abgeben

Als Berater für den neuen Lehrplan sollen unter anderem Jeffrey D. Sachs, Direktor des Harvard-Instituts für Internationale Entwicklung, und Kate Raworth von der Oxford University fungieren. Schon ab Jänner werde man laut Fioramonti bereit sein, Lehrer für das neue Fach auszubilden.

Italiens Schüler bekommen bald Klimawandel-Bildung.
Foto: AP/J. David Ake

Bei Umweltschützern stieß der Vorschlag auf vorsichtige Zustimmung. Kindern Nachhaltigkeit zu vermitteln sei "mit Sicherheit sehr wichtig", zitiert die New York Times Edoardo Zanchini, Vizepräsident von Legambiente, Italiens führender Umweltorganisation. Er warnte jedoch davor, die Verantwortung einfach an die Kinder abzugeben. "Die Wissenschaft sagt uns, dass die nächsten zehn Jahre entscheidend sind. Wir können nicht auf die nächste Generation warten."

Steuern auf Flüge, Plastik, Zucker

Bildungsminister Lorenzo Fioramonti von der Fünf-Sterne-Protestbewegung machte schon im September auf sich aufmerksam, als er allen Schülern in Italien erlaubte, sich an den Klimaprotesten zu beteiligen, ohne dass deren Eltern das Fernbleiben vom Unterricht entschuldigen müssen. Er forderte außerdem, Kreuze aus den Klassenzimmern zu entfernen, um eine inklusivere Umgebung für Nichtchristen zu schaffen.

In mehreren Büchern kritisierte der Ökonomieprofessor das Bruttoinlandsprodukt als Hauptkennzahl zur Messung des Wohlstands von Nationen und forderte eine Abkehr vom Wachstumsdenken. Er schlug außerdem vor, Flugreisen, Plastik und zuckerhaltige Getränke stärker zu besteuern. (red, 7.11.2019)