Tom Watson hat genug.

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In der britischen Labour-Partei rumort es sechs Wochen vor der Unterhauswahl kräftig. Am Mittwoch gab Vizeparteichef Tom Watson seinen Rücktritt bekannt. Diesen will der langjährige Unterhausabgeordnete zwar als rein persönlich motiviert darstellen – hinter den Kulissen droht die Demission aber eine neue Episode in dem parteiinternen Richtungsstreit zwischen dem linken Flügel um Parteichef Jeremy Corbyn und den Zentristen einzuläuten.

Für den bisherigen Oppositionsführer Corbyn, der in Umfragen persönlich noch schlechter angeschrieben ist als seine Partei, stellt Watsons Rücktritt einen herben Rückschlag dar. Der 52-Jährige, der im Gegensatz zum Parteichef stets öffentlich seine Remainer-Position kundtat, gehörte als Schatten-Kulturminister zu den profiliertesten Zentrumspolitikern der Post-Tony-Blair-Ära in der Labour-Partei.

Kritik an Corbyn

Allerdings, und das wurde etwa auf dem jüngsten Parteitag in Brighton deutlich, hat er sich zunehmend die Missgunst des linken, Corbyn unterstützenden Parteiflügels zugezogen. Heftig kritisierte Watson etwa den laxen Umgang der Parteiführung mit Antisemitismus und deren mäandernden Kurs in Sachen Brexit.

Watson, der so wie auch Corbyn direkt von den Labour-Mitgliedern in sein Amt gewählt worden war, nutzte seine Machtbasis mitunter auch für deftige Abrechnungen mit seinem direkten Vorgesetzten. Weil Corbyn Watsons Aufforderung, sich klar für einen EU-Verbleib auszusprechen, nicht nachkam, soll das Verhältnis der beiden Politiker zuletzt tief zerrüttet gewesen sein.

Nachdem eine Reihe prominenter Abgeordneter, etwa Luciana Berger und Chuka Umunna, die Partei im Zuge des Brexit-Streits verließen, sorgte sich Watson zudem öffentlich um die "sozialdemokratische Stimme" innerhalb der Partei. (flon, 7.11.2019)