Die erste Million soll ja die am schwersten zu verdienende sein. Derartige Sätze lassen die Superreichen wohl nostalgisch in Erinnerungen schwelgen.

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Zürich – Die schwächelnde Konjunktur sowie die diversen internationalen Handelskonflikte sind nun auch bei den reichsten der Reichen angekommen. Das Gesamtvermögen der Milliardäre rund um den Globus ist erstmals seit fünf Jahren geschrumpft. Das geht aus Berechnungen der Beratungsgesellschaft PwC und der Schweizer Großbank UBS hervor, die am Freitag veröffentlicht wurden.

Einen Vermögensrückgang von rund 4,3 Prozent müssen die Superreichen beklagen – sofern man hier von klagen sprechen kann. In Zahlen gegossen bedeutet das: Das Vermögen sank 2018 auf 8,5 Billionen US-Dollar (7,7 Billionen Euro). Im Jahr zuvor war mit 8,9 Billionen Dollar eine Rekordsumme erreicht worden. 2.101 Männer und Frauen teilten sich diese Summe auf, was auch einem leichten Rückgang entspricht. 2017 waren es noch 2.158 gewesen. Bergauf geht es jedoch bei den Milliardärinnen: Der Frauenanteil stieg in den vergangenen fünf Jahren um 46 Prozent. Unterm Strich gibt es nun 233 ultrawohlhabende Frauen auf der Welt.

Zollstreit und Aktienmärkte

"Das Vermögen der Milliardäre fiel erstmals seit 2008 aufgrund der geopolitischen Lage", sagt Josef Stadler, der bei der UBS den Bereich der Ultra-High Net Wort Individuals verantwortet.

Vor allem wirkte sich der seit rund anderthalb Jahren andauernde Zollstreit zwischen den USA und China negativ auf das Vermögen aus. Die daraus resultierende schwächelnde Weltwirtschaft trübte die Auftragslage vieler Unternehmen, die den Milliardären gehören. Ein weiterer Grund für den Rückgang sind die volatilen Aktienmärkte.

Ausgenommen die USA verringerte sich sich die Anzahl der Milliardäre weltweit. In den USA gesellten sich im Vorjahr 33 Personen neu dieser nicht ganz einfach beizutretenden Runde hinzu. Das Vermögen der Tech-Milliardären wuchs aufgrund der Entwicklung bestehender Unternehmen und neuer Markteinsteiger stärker als in allen anderen Sektoren.

Starker US-Dollar

Für europäische Milliardäre wirkte sich auch der starke Dollar negativ aus. Da die Vermögen in der US-Währung bewertet wurden, schrumpften sie in der Umrechnung von Euro zu Dollar.

In Deutschland – nach den USA und China das Land mit den meisten Milliardären der Welt – verkleinerte sich der Kreis der Superreichen um neun auf nunmehr 114. Außerdem schrumpfte ihr Gesamtvermögen stärker als im internationalen Vergleich und betrug rund 501 Milliarden Dollar.

Kein wirklicher Grund zur Klage

Langfristig betrachtet können sich die Reichsten der Welt aber kaum beklagen: Über die vergangenen fünf Jahre ist ihr Vermögen um mehr als ein Drittel gewachsen – auch dank des Börsen- und Immobilienbooms. Zum Vergleich: Die für 2018 berechnete Summe von 8,5 Billionen Dollar ist in Euro umgerechnet noch immer mehr als doppelt so hoch wie die gesamte Wirtschaftsleistung Deutschlands in einem Jahr (2018: knapp 3,4 Billionen Euro). (and, 8.11.2019)