Die Skisaison ist mit wenig idyllischen Bildern ins Land gezogen: Kitzbühel präsentiert bei sonnigen 19 Grad im Oktober ein weißes Schneeband aus dem Vorjahr auf der grünen Wiese, Ötz- und Pitztal stellen gröbere Umbauarbeiten in der Alpenkulisse für die Verschmelzung ihrer Gletscherskigebiete in Aussicht. Wer bekommt da noch Lust aufs Skifahren? Unter anderem ein paar STANDARD-Redakteure, die ihre Erfüllung in kleinen Skigebieten finden. Das sind ihre Empfehlungen:

Gaißau-Hintersee, Salzburg
Foto: Thomas Neuhold

Gaißau-Hintersee, Salzburg: Die kleine Skischaukel Gaißau-Hintersee ist das Salzburger Stadt-Skigebiet schlechthin. Generationen von Kindern aus der Landeshauptstadt, dem Flach- und dem Tennengau haben hier Skifahren gelernt. 34 Pistenkilometer, kein Kunstschnee und bis zu 40 oder mehr Jahre alte Liftanlagen erwarten die Skifahrer. Und das Beste daran: So wie schon in der Saison 2018/19 werden auch kommenden Winter die Lifte nicht in Betrieb gehen. Der chinesische Mehrheitseigentümer der Liftgesellschaft hat sich – salopp gesagt – vertschüsst, die Liftgesellschaft ist in Konkurs. Von Bergeinsamkeit kann trotzdem keine Rede sein. Seit der Liftbetrieb eingestellt ist, bevölkern Tag für Tag hunderte Skitourengeher und -geherinnen die Pisten. Spielberg und Wieserhörndl heißen die nur wenige Meter hinter den Bergstationen liegenden Gipfelziele. Die gebührenpflichtigen Parkplätze in Krispl/Gaißau und in Hintersee sind an schönen Tagen bis zum Anschlag gefüllt. Und auf der Spielbergalm brummt der Laden auch ohne Liftbetrieb und bei jeder Witterung. Denn eine Schlechtwettertour im lawinensicheren Gelände geht allemal. (Thomas Neuhold)

Info: 34 Pistenkilometer, Parkgebühr 5–7 Euro, befahrbar je nach Schneelage, krispl-gaissau.at

Val di Fiemme, Italien
Foto: Getty Images/spooh

Val di Fiemme, Italien: Warum mein liebstes Skigebiet, Val di Fiemme–Obereggen, nicht in Österreich liegt, sondern in Italien? Mit meiner Abstammung mütterlicherseits hat es nicht zu tun, der wahre Grund ist ein anderer: Die Dolomiten zwischen Südtirol und dem Trentino gehören zu den schönsten Landschaften weltweit. Punkt. Sicher, es gibt Gebiete, die schneesicherer sind; doch die Südtiroler beherrschen die Kunst, aus Wasser und eiskalter Luft Schnee zu machen, wie kaum jemand anderer. Die Pisten: fantastisch von früh bis spät. Gratis dazu: Sonne ohne Ende. Zuckeln Sie rauf auf die Pala di Santa! Dort, am Hochplateau auf 2.400 Metern, werden Sie in die Knie gehen wollen ob so viel alpiner Erhabenheit: Marmolada! Sella! Pale di San Martino! Latermar! Der Alpenhauptkamm! Der Ortler! Runter geht's über eine anspruchsvolle Schwarze, die kaum Zeit lässt fürs Panoramaschauen, dafür aber die Wadln auf Temperatur bringt. Die stark frequentierte Ganischgeralm lassen wir im wahrsten Wortsinn links liegen und schaukeln uns via Pampeago und Passo Feudo ins Trentino rüber. Hier, auf der Sonnenseite des Val di Fiemme, wo sich die italienische Lebensart auch in der Kulinarik bemerkbar macht, perfektionieren wir den Einkehrschwung. (Gianluca Wallisch)

Info: 48 Pistenkilometer, Tageskarte Erwachsene 51, Kinder 36 Euro, Opening 29. November, obereggen.com

Tauplitz, Steiermark
Foto: Getty Images/iStockphoto/mdworschak

Tauplitz, Steiermark: Im Dezember 1905 wurde der berüchtigte Lawinenstein erstmals mit Skiern befahren, 1935 entstand an diesem Berg der erste konzessionierte Skilift Österreichs, und 1954 fuhr auf dieses Plateau der damals längste Sessellift der Welt – die Rede ist nicht vom Arlberg oder von St. Moritz, sondern von der steirischen Tauplitzalm. Gerade weil das kleine Gebiet am Eingang zum Salzkammergut kaum Aufhebens macht um seine historischen Pionierleistungen, bleibt bis heute das Gefühl: Hierher kommen Leute zum Skifahren, die das ganze Brimborium rundherum nicht brauchen. Dank der günstigen geografischen Lage ist das auf 1.600 Metern beginnende Hochplateau eines der schneesichersten Skigebiete der Alpen – ganz ohne Kanonen kommt man trotzdem nicht durch den Winter – und noch dazu landschaftlich reizvoll. In nördlicher Richtung blickt man auf die wilde Karstlandschaft des Toten Gebirges, in südlicher auf den Grimming, der wie ein grimmiger Monolith aus dem Tal wächst. Die rund 30 Pisten und Freeride-Strecken genügen völlig für ein paar Tage erfüllten Wedelns, in der vergangenen Saison kam noch eine besondere Abfahrt hinzu: Aus dem schmalen Wegerl am Lawinenstein wurde über 100 Jahre nach der Erstbefahrung doch noch eine richtige Piste. (Sascha Aumüller)

Info: 43 Pistenkilometer, Tageskarte Erwachsene 43, Kinder 22 Euro, Opening 30. November, dietauplitz.com

Pfänder, Vorarlberg: Unter den Skiern der weiche Pulverschnee, vor einem der See. Wer noch nie den Maldonahang am Bregenzer Pfänder gefahren ist, hat was verpasst. Der Pfänder, das ist Skifahren wie früher. Mit der Pfänderbahn hinauf auf den Berg, hinunter zum Dohlelift, wo die Kleinen ihre ersten Schwünge versuchen oder sich tollkühn den Übungshang hinunterstürzen. Den kleinen Schlepplift als Zubringer benutzen und hinunter zum Maldonalifthüsle. Rauf und runter, bis der letzte Punkt verbraucht ist. Immer den See vor Augen. Blau der Himmel, blau der See. Keine Schneekanone, keine Schneelanze oder sonstige Beschneiungswaffen trüben das Vergnügen. Rundum nur Naturschnee, so richtig vom Himmel gefallen. Und weil alles Natur ist am Pfänder, gibt's das Liftvergnügen nur in schneereichen Wintern. Immer am Wochenende von 10 bis 16.30 Uhr, in den Schulferien täglich. Wer mehr will, steigt auf Tourenskier um. (Jutta Berger)

Info: 6 Pistenkilometer, Tageskarte Erwachsene 19,60, Kinder 11,80 Euro, Opening je nach Schneelage, pfaenderbahn.at

Nassfeld, Kärnten
Foto: Kärnten Werbung/Edward Gröger

Nassfeld, Kärnten: Nach meinen favorisierten Skitouren haben mich die Kollegen nicht gefragt. Denn das tue ich in den Bergen seit Jahren am liebsten, die Preise fürs "Lifteln" spielen neben dem Naturerlebnis da sicher auch eine Rolle. An Trips ins Kärntner Nassfeld komme ich aber nicht vorbei. Hier im Skigebiet in den Karnischen Alpen an der Grenze zu Italien liegt der Ursprung meiner Schneeliebe begründet. Den Eltern kann ich nicht genug dafür danken. Seit der Schulzeit hat sich im Schneeloch, das gewaltig von Italien-Tiefs profitiert, freilich einiges getan: Schon der steile Gipfelschlepplift hinauf auf den Gartnerkofel war einst eine einzige Mutprobe. Mittlerweile gilt nur mehr der Einstieg zur fix montierten Vierersesselbahn als Kriterium. Und am Abend, auf dem Weg zur Pizzeria auf der italienischen Seite des Passo Pramollo, gibt es keine Carabinieri mehr, denen man den Reisepass im Grenzhaus zeigen muss. Pizza, Pasta und Pesce im "Al Gallo Forcello" schmecken aber immer noch großartig. Wer sich die Auffahrt zum Pass sparen will, kann im Dorf Tröpolach mit seinem Arbeitsgerät in den "Millennium-Express" steigen. 19 Minuten in der modernen Gondel später steht man auf der Madritschen, die befindet sich auf 1.919 Metern Seehöhe. Und nach der 7,6 Kilometer langen Talabfahrt Carnia brennen die Wadln, frage nicht. (David Krutzler)

Info: 110 Pistenkilometer, Tageskarte Erwachsene 49, Kinder 25 Euro, Opening 6. Dezember, nassfeld.at

Planneralm, Steiermark
Foto: Getty Images/iStockphoto/mdworschak

Planneralm, Steiermark: Mit der Planneralm verbindet mich eine lange gemeinsame Geschichte. Ich möchte fast behaupten, ich war schon dort, als das höchstgelegene Ski- und Bergdorf der Steiermark (1.600 Meter Seehöhe) so gut wie niemand auf dem Radar hatte: Es muss so um das Jahr 1982 gewesen sein, als ich als vierjähriges Skizwergerl dort meine ersten, unbeholfenen Bogerln in den Schnee kratzte und mit kalten Füßen und dem Kinderlift kämpfte. Als junger Erwachsener, mittlerweile aufs Snowboard umgestiegen, verbrachte ich die eine oder andere intensive Semesterferienwoche dort – auf der Piste, in der Dornbuschhütte und, wenn's ganz hart kam, auch in "The Rock", der einzigen "Disco" im Ort. Die Planneralm hat einen Riesenvorteil: Sie ist ein Schneeloch. Wenn es schneit, dann richtig. (Es ist ratsam, Schneeketten für die Anfahrt einzupacken.) Diese Schneesicherheit ist das große Asset dieses überschaubaren Skigebiets, das nur über insgesamt fünf Skilifte und 16 Pistenkilometer verfügt. Es ist nicht nur bei alpinen Skifahrern und Snowboardern beliebt, sondern auch bei Tourengehern, die aus zahlreichen Routen wählen können. Freerider freuen sich über die vier "Snowvalley Freeride"-Routen. (Markus Böhm)

Info: 16 Pistenkilometer, Tageskarte Erwachsene 43, Kinder 22 Euro, Opening 7. Dezember, planneralm.at

Unterberg, Niederösterreich: Wenn sich ein Skigebiet "Naturschneeparadies" nennt, dann bedeutet das, dass es über keine künstliche Beschneiung verfügt. Tatsächlich ist der Unterberg bei Pernitz vom Himmel abhängig, und es gab schon Winter, in denen die Lifte nie fuhren. Aber wenn es in Ostösterreich richtig schneit, dann gibt es kaum einen schöneren Ort. Von Wien aus ist man mit dem Auto in weniger als einer Stunde am Parkplatz. Von dort fahren alte Postbusse zu den Liften. Es gibt zwar nur vier alte Schlepplifte, von denen zwei parallel verlaufen. Dafür können Kinder hier gut Skifahren lernen, und sportliche Fahrer kommen auf drei anspruchsvollen Hängen auf ihre Kosten. In der Mittagspause ist das Unterberg-Schutzhaus der urigste Platz; wenn das voll ist, bietet das SB-Restaurant beim Schneidlift Essen zu vernünftigen Preisen und eine schöne Terrasse. Die Liftpreise sind in den vergangenen Jahren auch gestiegen, aber wer Geld sparen will, der kauft sich eine Tourengeher-Liftzeitkarte und steigt mit Tourenskiern den einfachen Weg zu den Schleppliften auf, um noch ein oder zwei Stunden alpin anzuhängen. So verbindet man Fitness, Natur und Nostalgie auf wunderbarste Weise. (Eric Frey)

Info: 16 Pistenkilometer, Tageskarte Erwachsene 33, Kinder 18 Euro, schigebiet-unterberg.at

Seegrube Innsbruck, Tirol
Foto: Innsbrucker Nordkettenbahnen/Webhofer

Seegrube Innsbruck, Tirol: Das Miniskigebiet auf der Nordkette, im Volksmund "Gruabn" genannt, ist der überdimensionierte Hang hinterm Haus aller Innsbrucker. Auf der Handvoll Pisten ist man unter sich, es verirren sich kaum Touristen zum Skifahren auf den schroffen Berg. Die bleiben im Seegruben-Restaurant, der Iglubar oder rutschen beim Zauberteppich auf diversen Untersätzen herum. Junge Familien nutzen die schnelle Erreichbarkeit aus dem Stadtgebiet, um dem Nachwuchs erste Schwünge beizubringen. Innsbrucker wissen: Wer es auf der Gruabn gelernt hat, kommt überall runter. Denn die Nordkette ist vor allem eins: steil. Während der Nachwuchs übt, gehen die Eltern ein bisschen Freeriden. Es findet sich fast immer ein Bekannter, der auf die Kleinen schaut, während man sich eine Abfahrt gönnt. Bei guten Verhältnissen ist die Nordkette ein Dorado für Powderfans. Der Klassiker ist die Kar-Rinne mit ihren 70 Prozent Gefälle. Wer Airtime sucht, wird im Skyline-Park fündig. Viele nutzen die Mittagspause oder Zeit zwischen den Vorlesungen, um sich an sonnigen Tagerln zwischendurch eine Abfahrt zu gönnen. (Steffen Arora)

Info: 13 Pistenkilometer, Tageskarte Erwachsene 36,50, Kinder 21,90 Euro, nordkette.com