Das umstrittene bosnische Aufnahmezentrum Vučjak wird in den kommenden sieben Tagen geschlossen.

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Sarajevo/Bihać – Das umstrittene bosnische Aufnahmezentrum Vučjak bei Bihać wird in den kommenden sieben Tagen geschlossen. Die Schließung erfolge wegen des anhaltenden Drucks der internationalen Staatengemeinschaft, meldete das Portal klix.ba am Freitag. Das Lager wird wegen der hygienischen und medizinischen Zustände heftig kritisiert.

In Griechenland protestieren unterdessen immer mehr Bewohner dagegen, dass Flüchtlinge von den Inseln zu Ihnen aufs Festland geholt werden. Und die EU hat den Ausbau ihrer Grenz- und Küstenschutzbehörde Frontex auf 10.000 Beamte endgültig beschlossen. Die Mitgliedsstaaten billigten am Freitag beim Treffen der Finanzminister abschließend eine überarbeitete Verordnung für den schrittweisen Ausbau bis 2027.

800 Flüchtlinge

In Bosnien sollen die rund 800 Flüchtlinge, die sich derzeit in Vučjak befinden, bis zur Errichtung eines neuen Aufnahmezentrums in die im Kanton Una-Sana bestehenden Aufnahmezentren – Bira bei Bihać und Miral bei Velika Kladuša – sowie in das Aufnahmezentrum Ušivak in Hadžići bei Sarajevo verlegt werden.

Das Aufnahmezentrum Vučjak.
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Sicherheitsminister Dragan Mektić ersuchte unterdessen laut klix.ba die Internationale Organisation für Migration (IOM), die von ihr betriebenen Aufnahmelager Bira und Miral bis zur Errichtung eines neuen Flüchtlingszentrums weiterzuführen. Zuvor war die Schließung der beiden Lager mit rund 2.000 Insassen für den 15. November angekündigt worden.

Neues Aufnahmezentrum

Die Stadtverwaltung von Bihać beschloss diese Woche, ein neues Aufnahmezentrum in der Ortschaft Lipa, 22 Kilometer von der Stadt entfernt, zu errichten. Im Kanton Una-Sana befinden sich laut früheren Angaben der Regionalregierung rund 5.000 Migranten.

Busblockade in Griechenland

In Griechenland macht sich unterdessen immer mehr Widerstand gegen die Unterbringung weiterer Flüchtlinge breit. Hintergrund ist, dass die Regierung seit Monaten verstärkt Migranten von den völlig überlasteten Inseln der Ostägäis auf das Festland verlegt.

Den Auftakt der Gegenwehr machte am 23. Oktober die nordgriechische Stadt Vrasna: Dort verhinderten die Bewohner die Ankunft von acht Bussen mit Flüchtlingen von der Insel Samos. "Die Menschen fühlen sich nicht mehr sicher und sind verärgert", begründete der Bürgermeister die Aktion. Danach kam es in anderen Orten ebenfalls zu Demonstrationen und Blockaden.

20.000 Inselmigranten

Die konservative griechische Regierung will bis zum Jahresende 20.000 Migranten von den Inseln aufs Festland bringen – bisher wurden 6.500 verlegt. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) lobte die Maßnahme: "Die Situation auf den Inseln ist so schlecht, dass es jetzt vor Winterbeginn vor allem darum geht, die Menschen besser unterzubringen", sagte der Sprecher des griechischen UNHCR, der Bulgare Boris Tscheschirkow, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Auf Inseln wie Lesbos, Samos und Chios sind die Aufnahmelager heillos überfüllt. Insgesamt leben dort derzeit mehr als 35.000 Flüchtlinge bei einer Kapazität von nicht einmal 7.000. Die Menschen hausen in unbeheizten Zelten, täglich setzen weitere Migranten illegal von der Türkei über.

Frontex im Einsatz.
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Grenzschutz ausgebaut

Auch deswegen hat der bessere Schutz der Außengrenzen für die EU Priorität. Deshalb hat sie den Ausbau ihrer Grenz- und Küstenschutzbehörde Frontex auf 10.000 Beamte endgültig beschlossen. Die Grenzschützer sollen demnach auch vermehrt die nationalen Behörden bei Abschiebungen unterstützen und in Drittstaaten zum Einsatz kommen.

Österreich wird sich mit über 100 Beamten am Ausbau beteiligen. Frontex hat derzeit knapp 700 eigene Mitarbeiter. Bereits seit 2016 hat die Behörde zudem eine Reserve von 1.500 Beamten aus den Mitgliedsstaaten, die in Krisenfällen schnell eingesetzt werden können. (APA, red, 8.11.2019)