Türkisch-ungarische Männerfreundschaft.
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Der Rechtspopulist Viktor Orbán klüngelt gerne mit Autokraten und Despoten. Erst vorige Woche besuchte ihn Kremlherr Wladimir Putin. Im Vormonat saß er in Baku am runden Tisch der Staatschefs der Turkvölker, unter ihnen die Alleinherrscher Kasachstans, Turkmenistans und Aserbaidschans. Einen aus jener illustren Runde, den türkischen Vormann Tayyip Erdoğan, begrüßte er am Donnerstag in seinem relativ neuen Amtssitz im ehemaligen Karmeliterkloster auf der Budaer Burg.

Seit er dort oben residiert, liebt es Orbán, seinen Gästen die Terrasse mit dem prächtigen Blick über Budapest zu präsentieren. Dort unten, in der Stadt, strudelt sich indes das ordinäre Volk mit den vielen Straßen- und Metrohaltestellensperren ab, die nötig sind, damit die Despoten sicher hin- und herkutschiert werden können.

Dubiose Männerfreundschaften

Doch das sind vergleichsweise harmlose Begleiterscheinungen derartig dubioser Männerfreundschaften. Denn diese haben in der Regel einen höheren Preis als einen exklusiven Panoramablick. Gelegentlich bitten einen nämlich solche Freunde um einen Gefallen. Nur so ist zu erklären, dass Orbán als einziger Regierungschef in der EU das furchtbare Militärabenteuer Erdoğans im mehrheitlich kurdisch bevölkerten Nordsyrien vorbehaltlos unterstützt.

Am Donnerstag ging der Ungar noch einen Schritt weiter. Sein Land werde sich am "Wiederaufbau" der sogenannten Sicherheitszone beteiligen, tönte er. Budapest werde "im Rahmen seiner Möglichkeiten" Schulen und Kirchen aufbauen. Das ist allein schon deshalb illusorisch, weil die arabischen Freischärler, die das türkische Militär als Stoßtrupps vorschickt, hartgesottene Islamisten sind, die in ihren neuen Pfründen gewiss keine Christen dulden werden.

Keine Einlösung populistischer Ankündigungen

Und es ist hochgradig zynisch, weil sich Orbán permanent als Schutzherr der verfolgten Christen in Nahost und sonst wo aufspielt. Aber Kohärenz – oder auch nur eine Einlösung ihrer Ankündigungen – darf man von Populisten nicht erwarten. Orbán begibt sich auf gefährliches Terrain, wenn er Erdoğan bei seinem "Sicherheitszonen"-Projekt beistehen will. Denn dieses läuft, wie der US-Emissär William V. Roebuck in einem von der New York Times zitierten internen Memo festhielt, auf das Begehen von Kriegsverbrechen und auf die "ethnische Säuberung" der dort lebenden Kurden hinaus. Wer da mitmacht, auch nur als kleines Rädchen, macht sich mitschuldig. (Gregor Mayer, 8.11.2019)