Der Präsident der Bischofskonferenz verkündete am Samstag, dass sich die Mehrheit der Bischöfe für eine finanzielle Entschädigungen für die Opfer Geistlicher ausgesprochen hat.

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Die Bischofskonferenz tagte bis Sonntag im Marien-Wallfahrtsort Lourdes in Südfrankreich.

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120 Bischöfe aus ganz Frankreich nehmen an der halbjährigen Vollversammlung teil.

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Paris – Nach Belgien, der Schweiz und Deutschland hat nun auch die katholische Kirche in Frankreich beschlossen, dass Missbrauchsopfern eine Geldsumme zusteht. Dabei soll es sich um einen einmaligen Pauschalbetrag handeln, sagte der Präsident der Bischofskonferenz, Éric de Moulins-Beaufort, am Samstag – er ziehe vor, nicht von "Entschädigung" zu sprechen. Über die Höhe der Summe habe man noch nicht entschieden.

Die Entscheidung wurde im Marien-Wallfahrtsort Lourdes auf der Herbstvollversammlung der französischen Bischofskonferenz getroffen. Die Maßnahme betrifft Opfer, die zum Zeitpunkt der Tat minderjährig waren. Der Fonds soll unter anderem von der Kirche finanziert werden. Auch die Verantwortlichen sollen finanziell zur Verantwortung gezogen werden.

Nur zwölf Prozent der Fälle wurden angezeigt

Aber die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle steht erst am Anfang: Die 2018 ins Leben gerufene Aufklärungskommission für sexuellen Missbrauch in der Kirche (Ciase) hat am Donnerstag einen ersten Zwischenbericht präsentiert. Die Mehrheit der Missbräuchsfälle geschah demnach in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren. Die Aufarbeitung sei "sehr viel schwieriger als erwartet, aber nicht unmöglich", sagte der Vorsitzende der Kommission, der Beamte Jean-Marc Sauvé.

Insgesamt erreichten die Ciase seit Juni 2.800 Anrufe und Briefe. 98 Prozent der mutmaßlichen Täter sollen Männer gewesen sein, davon 70 Prozent Priester und 30 Prozent Ordensleute. Nur zwölf Prozent der Fälle wurden angezeigt. Der Großteil der mutmaßlichen Opfer sei heute über 50 Jahre alt, 61 Prozent davon seien Männer. 87 Prozent der Opfer waren dem Zwischenbericht zufolge zum Zeitpunkt des Missbrauchs minderjährig.

"Die Aussagen der mutmaßlichen Opfer sind erschütternd – nicht nur, weil sie auf die Anzahl der Missbräuche schließen lassen, sondern weil sie Aufschluss darüber geben, was sexueller Missbrauch bedeutet, dass dieser Generationen geprägt hat und welche Konsequenzen das hatte", so Sauvé.

Noch bis Juni 2020 können sich mutmaßliche Opfer bei der Ciase melden. Anfang 2021 soll die Aufklärungskommission einen Abschlussbericht veröffentlichen. (red, APA, 9.11.2019)