Demonstranten im Irak haben den Reformversprechen des Ministerpräsidenten eine Absage erteilte und sind bei Protesten erneut mit Sicherheitskräften aneinandergeraten.

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Bagdad – Bei erneuten Protesten im Irak sind am Samstag nach Angaben von Polizei und Medizinern mindestens fünf Menschen von Sicherheitskräften erschossen worden. Mehr als 150 Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt.

Die Polizei hat die Demonstranten demnach aus bestimmten Bereichen im Zentrum der Hauptstadt Bagdad zurückgedrängt und dabei scharfe Munition und Tränengas eingesetzt. Sie habe alle bis auf eine der zentralen Brücken über den Fluss Tigris wieder zurückerobert.

Sicherheitskräfte setzten Augenzeugen zufolge am Samstag Tränengas ein, als die Demonstranten eine Brücke in Bagdad blockierten.

Zuvor am Samstag hatte Ministerpräsident Adel Abdul Mahdi Fehler eingeräumt und eine Wahlreform versprochen. "Die Proteste haben geholfen und werden dabei helfen, Druck auf politische Parteien und die Regierung auszuüben, um sich zu reformieren und Veränderungen zu akzeptieren", hatte er zudem erklärt. Man müsse aber zu einem normalen Leben zurückkehren. Das werde dazu führen, dass berechtigte Forderungen erfüllt würden. So würden die Behörden nicht staatlichen bewaffneten Gruppen den Waffenbesitz verbieten, denen die Tötung von Demonstranten vorgeworfen wird. Zudem sollten die Umstände der Tötungen untersucht werden.

Die Demonstrationen hatten am 1. Oktober mit der Forderung nach Arbeit und mehr Dienstleistungen des Staates für die Bürger begonnen. In Bagdad und einigen südlich gelegenen Städten wurde dann der Ruf nach einer Reform des politischen Systems und einem Ende von Korruption in der Regierung immer lauter. Der führende schiitische Geistliche des Landes, Ajatollah Ali al-Sistani, hatte die politische Führung am Freitag aufgerufen, eine friedliche Lösung des Konflikts zu suchen, bei dem bisher mehr als 280 Menschen getötet wurden. (APA, 9.11.2019)