In Nairobis Mathare-Slum leben bis zu 800.000 Menschen in Armut.

Foto: REUTERS/Thomas Mukoya

In Handarbeit werden die wiederverwendbaren Binden hergestellt ...

Foto: Bianca Blei

... die es in Rosa für die starken und in Blau für die leichten Tage gibt.

Foto: Bianca Blei

Modedesignerin Mercy Odero zeigt, wie volle Binden in einen Beutel gesteckt werden, der die Flüssigkeit und den Geruch bindet.

Foto: Bianca Blei

Das Summen der Nähmaschinen ist bereits vor der Tür zu vernehmen. Geschäftig ziehen die Frauen rosa und blaue Stoffstücke unter dem Nähfuß durch. In vierzehn Arbeitsschritten entstehen hier im Mathare-Slum der kenianischen Hauptstadt Nairobi wiederverwendbare Binden. Und die Produktion läuft auf Hochtouren, denn bald müssen 18.000 Stück in die somalische Hauptstadt Mogadischu geliefert werden – und das Sanitärprodukt wird in sorgsamer Handarbeit hergestellt.

Einen "Segen" nennt die 32-jährige Mercy Odero das Produkt, das bei der lokalen Hilfsorganisation Mathare Children’s Fund Panairobi entwickelt wurde. Und zwar unter ihrer Federführung: Die gelernte Modedesignerin entwickelte vor allem das unscheinbare Aussehen der Binden. Ein Segen sei es vor allem für die tausenden Mädchen und Frauen der Slums Nairobis, für die Einwegprodukte fast unerschwinglich sind.

Bis zu 400 Kenia-Schilling oder fast vier Euro geben Frauen während einer Periode für wegwerfbare Binden aus. Und das, obwohl die meisten Slumbewohnerinnen weniger als einen Euro pro Tag verdienen. Viele Mädchen prostituieren sich deshalb, um sich die Einlagen leisten zu können. Die Folge: frühe Schwangerschaften, sexuell übertragbare Krankheiten und Mädchen, die nicht mehr in die Schule gehen, erzählt Odero.

Fünf Binden im Paket

Ein Basispaket des wiederverwendbaren Produkts kostet ebenso 400 Schilling, kann aber mindestens ein Jahr lang verwendet werden. Enthalten sind drei hellblaue Binden für die leichten und zwei rosa Binden für die starken Tage. Die oberste Schicht besteht bei beiden Modellen aus Vlies und kann unter kaltem Wasser mit herkömmlicher Seife gereinigt und im Sonnenlicht getrocknet werden: "Die UV-Strahlung tötet noch mehr Bakterien ab", sagt Odero.

In Zusammenarbeit mit mehreren Schulen haben die Verantwortlichen des Projekts am Tragekomfort des Produkts gearbeitet. Außerdem sei es für die Mädchen wichtig gewesen, die Binden unauffällig nach Hause zu transportieren. Das gelingt, indem man die Druckknöpfe, die die Einlage in der Unterhose halten, löst und die Binde faltet. Die Knöpfe kann man schließlich auch von außen schließen, und das Blut bleibt drinnen. Außerdem werden die Produkte mit einem "Feuchtbeutel" und einem "Transportbeutel" geliefert, damit auch kein Geruch nach außen dringen kann.

Hilfsprojekt in Kirche

Über die Probleme der jungen Frauen während ihrer Periode kann auch Yvonne Akinyi einiges berichten. Zum Beispiel über Mädchen, die sich für Binden und Nahrungsmittel in ihrer Nachbarschaft an Banden verkaufen, und von den Gangmitgliedern gezwungen werden, Waffen und Drogen zu transportieren. "Denn die Polizisten kontrollieren junge Frauen seltener", sagt Akinyi.

Sie startete deshalb ein Hilfsprojekt in ihrer lokalen Kirche. Mädchen zwischen zwölf und 16 Jahren können sich an jedem letzten Sonntag im Monat nach der Messe zusammensetzen. In Gesprächen werden sie über Sex, Körperhygiene und ihre Rechte aufgeklärt. "Viele Eltern gehen davon aus, dass Teenager bereits Erwachsene sind, und kümmern sich nicht mehr um sie", sagt Akinyi: "Aber das stimmt nicht. Sie brauchen genauso noch Hilfe."

Neben den Gesprächen können sich die Mädchen und jungen Frauen zudem kostenlose Binden mitnehmen – und das nicht nur am letzten Sonntag, sondern immer, wenn sie diese benötigen. "Ein Anruf reicht", sagt Akinyi und fügt hinzu: "Frieden in unserer Gemeinschaft startet mit etwas Kleinem." Und das können auch Binden sein. (Bianca Blei aus Nairobi, 14.11.2019)