Vielleicht erinnert sich noch wer: Vor eineinhalb Jahren sorgte New Yorks republikanischer Ex-Bürgermeister auf Twitter unfreiwillig für Gelächter. Rudolph Giuliani posierte mit Airpods für ein Foto. Die weißen Stummel kamen wie zwei gekürzte Zigaretten aus seinen Ohren. Peinlicherweise hatte er die Kopfhörer verkehrt herum eingesetzt. Blöd, dass Giuliani noch immer kein Ruheständler ist, sonst wäre die Geschichte vielleicht untergegangen: Der 75-Jährige ist heute Donald Trumps Cybersecurity-Berater, ausgerechnet!

Dabei hätte sich der New Yorker einfach nur unter jungen Menschen umsehen müssen. Die stecken sich die kabellosen Kopfhörer schon seit ihrer Erfindung vor drei Jahren zum Shoppen, Joggen, ach was, zu irgendwie allem rund um die Uhr in die Ohren. Zu Beginn wurden die kleinen Kunststoffstöpsel noch als "Miniföhn" oder "Zahnbürstenaufsatz" verspottet, mittlerweile widmen immer mehr Menschen den beiden Stummeln mehr Aufmerksamkeit als ihrem Smartphone. Viele steigen sogar mit ihnen ins Bett und lassen sich von ihnen Gutenachtgeschichten erzählen. Manche bekennen, ihre Airpods sogar beim Sex nicht abzulegen.

Der Netzerklärer Sascha Lobo wurde vor wenigen Wochen sogar so richtig pathetisch. Er erklärte den Kopfhörer in seiner Kolumne für den "Spiegel" zum "Nachfolger des Smartphones", zum "Weltbewältigungsinstrument des 21. Jahrhunderts". Tatsächlich werden die kleinen, teurer werdenden Zusatzgeräte für Apple zu einem immer wichtigeren Geschäft, während die iPhone-Verkäufe zurückgehen. Und die Konkurrenz rüstet mit alternativen In-Ear-Kopfhörer-Modellen auf.

Immer mit dabei: Model Lex Hands trug ihre Airpods im vergangenen Jahr während der Pariser Modewoche.
Foto: Melodie Jeng/Getty Images

Es verwundert nicht, dass die Modeindustrie längst auf das gehypte und derzeit wahrscheinlich intimste Accessoire aufgesprungen ist. Die dänische Designerin Vibe Harsløf zum Beispiel hat für ihre aktuelle Kollektion (perlenbesetzte) Schmuckstücke entworfen, die aussehen, als würden sie wie kabellose Kopfhörer im Ohr getragen werden. In Wirklichkeit stecken die Stücke ganz konventionell im Ohrläppchen. Oder sie hängen an einem Kettchen. Der Onlinehändler Asos bietet mittlerweile vergleichbaren Ohrschmuck für wenige Euro an.

Die dänische Designerin Vibe Harsløf adaptiert den Airpod-Trend.
Foto: Vibe Harsløf

Auch die Modemarken wollen mitmischen. Sie fertigen Transportutensilien für die kleinen Stöpsel, sie sollen in der großen weiten Welt ja nicht verloren gehen.

Reicht für zwei Stöpsel: Mini-Accessoire vom französischen Label Jacquemus
Foto: Jacquemus

Das Luxusunternehmen Louis Vuitton zum Beispiel hat ein Köfferchen entworfen, das an einer goldenen Kette um den Hals getragen werden kann. Und das Modelabel Jacquemus die wohl kleinste "Handtasche" der Welt designt. Die Maße des Modells "Chiquiti": Sie ist süße 8,5 Zentimeter hoch und charmante fünf Zentimeter breit. In ihr können zwei kabellose Stöpsel transportiert werden, notfalls bis zur Bettkante. (Anne Feldkamp, 14.11.2019)