Uber-Chef Dara Khosrowshahi redet sich in Probleme hinein.

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Das Verhältnis des Silicon Valley zu Saudi-Arabien ist ähnlich wie jenes zu China: Man spricht nicht sonderlich gerne darüber. Gehört das saudi-arabische Regime doch zu den größten Finanziers jener Tech-Branche, die sich nach außen gerne betont fortschrittlich gibt. Da passen Diskussionen über fortgesetzte Menschenrechtsverletzungen in dem Land nicht so recht dazu.

Uber

Eines der Unternehmen, bei denen Saudi-Arabien massiv investiert hat, ist der Fahrdienstleister Uber. 5,4 Prozent der Firma gehören derzeit dem Land. Eine Position, mit der die saudische Regierung sogar einen offiziellen Vertreter im Vorstand hat. In einem Interview mit "Axios" wurde Uber-Chef Dara Khosrowshahi nun auf diesen Umstand angesprochen – und seine Antwort sorgte umgehend für Verblüffung, gefolgt von einiger Empörung.

Axios

Angesprochen auf die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi bezeichnete Khosrowshahi diese zunächst als "schweren Fehler", nur um sofort eine Relativierung nachzuschieben. Alle würden Fehler machen, man selbst sei da keine Ausnahme verweist der Uber-Chef auf den tödlichen Unfall mit einem selbstfahrenden Auto. Dies heiße aber nicht, dass man ihnen nie vergeben soll, und die saudische Regierung habe die Kritik an diesem Vorfall sehr ernst genommen.

Absurde Vergleiche

"Axios"-Interviewer Mike Allen wies Khosrowshahi umgehend darauf hin, dass dies ein ziemlich unpassender Vergleich sei. Immerhin war bei Uber ein Sensorfehler die Ursache für einen Unfall, wohingegen Khashoggi auf direkten Auftrag des saudischen Kronprinzen ermordet wurde, wie eine US-Untersuchung ergeben hat. Diesem Hinweis versuchte der Uber-Chef mit der Behauptung zu entkommen, dass er den Bericht über die Urheberschaft des Mordes an Khashoggi nicht so gut kenne. Zudem könne jeder in an der Börse notierte Unternehmen investieren, ohne dass man etwas dagegen tun könne.

Wenige Stunden später dürfte dem Uber-Chef dann klargeworden sein, was er hier eigentlich gesagt hat. Also ließ Uber ein Statement folgen, in dem der Firmenchef betont, dass er hier etwas gesagt habe, das er gar nicht selbst glaube. Der Mord an Jamal Khashoggi sei verwerflich und dürfe nicht vergessen oder entschuldigt werden. Auf die ursprüngliche Frage, warum dann ein Vertreter eben jener Regierung, die für diese Tat verantwortlich ist, im Vorstand des eigenen Unternehmens sitzt, ging man aber auch hier wieder nicht ein. (red, 11.11.2019)