Ashraf Ghani, Präsident.

Foto: AP/Gul

Anas Haqqani nach seiner Festnahme im Jahr 2014.

Foto: Reuters

Kabul – Die afghanische Regierung hat einen Gefangenenaustausch mit den radikalislamischen Taliban und den USA angekündigt. Wie Präsident Ashraf Ghani am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Kabul sagte, wird die Regierung drei hochrangige Taliban-Mitglieder freilassen, darunter auch Anas Haqqani, der jüngere Bruder des Anführers des Haqqani-Netzwerkes und Vizechefs der Taliban, Sirajuddin Haqqani.

Professoren werden freigelassen

Bedingung für die Freilassung ist demnach, dass die Taliban im Gegenzug zwei von ihnen entführte Professoren freilassen, die an der Amerikanischen Universität in Kabul tätig waren. Die beiden Professoren – der US-Amerikaner Kevin King und sein australischer Kollege Timothy Weeks – waren im August 2016 von den Taliban in Kabul verschleppt worden. Regelmäßig hatte die Amerikanische Universität in Afghanistan (AUAF) ihre Freilassung gefordert. Immer wieder gab es Berichte, King sei gesundheitlich schwer angeschlagen.

Präsident Ghani sprach von einer "schwierigen, aber wichtigen" Entscheidung. Mit dieser wolle man auch den Weg für persönliche und direkte Gespräche mit den Taliban ebnen, um Frieden und Stabilität zu erreichen. Bisher hatten sich die Taliban geweigert, direkte Friedensgespräche mit der afghanischen Regierung aufzunehmen, die sie als "Marionette" des Westens betrachten.

Festnahme 2014

Die drei Taliban-Mitglieder seien im Ausland festgenommen worden und seien seit einiger Zeit unter Beobachtung der afghanischen Regierung gestanden, sagte Ghani weiter. Früher hatte der afghanische Geheimdienst mitgeteilt, im Oktober 2014 in der östlichen Provinz Khost festgenommen worden. Davor soll er sich vor allem um die Finanzierung der Aktivitäten des Haqqani-Netzwerks gekümmert und Gelder aus den Golfstaaten besorgt haben.

Im Febuar hatten die Taliban Anas Haqqani auf die Liste ihrer Verhandlungsdelegation für die Gespräche mit US-Vertretern über Wege zum Frieden gesetzt. Sie gaben an, Anas sei ein wichtiges Mitglied des Verhandlungsteams und solle daher sofort freigelassen werden.

CIA-Verbündete

In den 1980er Jahren half das Haqqani-Netzwerk dem US-Geheimdienst CIA, die Sowjets aus Afghanistan zu vertreiben. In jener Zeit entstanden auch enge Verbindungen mit dem pakistanischen Geheimdienst ISI.

Beobachter sehen die Freilassungen als Teil der Bemühungen, die im September abgebrochenen Gespräche über Frieden zwischen den USA und den Taliban wieder zu starten. US-Präsident Donald Trump hatte damals kurz vor einer als möglich in Aussicht gestellten Einigung die Gespräche nach einem Anschlag in Kabul, bei dem ein US-Soldat starb, für "tot" erklärt. Ende Oktober war der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, erneut für mehrtägige Sondierungen in Afghanistan und Pakistan. (APA, 12.11.2019)