Foto: Reuters/NETIVEY ISRAEL
Raketeneinschlag in Ashdod.
Foto: Reuters/NETIVEY ISRAEL

Spätestens mit dem Raketenalarm in der Metropolregion rund um Tel Aviv am Dienstagmorgen folgte die Gewissheit, dass es im Zentrum und im Süden Israels ein unruhiger Tag werden dürfte: Mehr als 50 Raketen wurden bereits in den Morgenstunden aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. In Tel Aviv, der zweitgrößten Stadt Israels, heulten die Sirenen gegen acht Uhr. Es folgten ein lauter Knall und Dunststreifen am Himmel, die der Raketenabfangschirm Iron Dome hinterließ.

Angriffe dieses Ausmaßes hat Israel schon lange nicht mehr erlebt: Zahlreiche Israelis begannen den Tag in Bunkern und Schutzräumen und werden vorerst zu Hause bleiben müssen. Schulen und auch einige Betriebe bleiben am Dienstag im Zentrum und im Süden geschlossen – zum ersten Mal seit dem Gaza-Krieg im Jahr 2014.

Versammlungen mit mehr als 300 Teilnehmern, in manchen Gegenden nahe dem Gazastreifen sogar mit nur mehr als 100 Teilnehmern, dürften aus Sicherheitsgründen nicht stattfinden. Gleichzeitig hat die Armee begonnen, Reservisten einzuziehen.

Rauch über Gaza-Stadt.
Foto: MAHMUD HAMS / AFP

Israel tötete Militanten

Vorausgegangen war den Angriffen die Tötung von Baha Abu al-Ata, einem zentralen Anführer des Islamischen Jihad im Gazastreifen, durch die israelischen Streitkräfte. Ata soll Raketenangriffe auf Israel geplant haben und für mehrere Angriffe in den vergangenen Monaten verantwortlich gewesen sein.

Berichten zufolge hatten das Sicherheitskabinett sowie Premier und Verteidigungsminister Benjamin Netanjahu der Tötung bereits vor einer Woche zugestimmt, man habe aber auf den richtigen Zeitpunkt gewartet. Am Dienstagabend starben bei einem weiteren israelischen Luftangriff drei militante Palästinenser.

Das Timing des Militäreinsatzes sorgt in Israel für Spekulationen: Derzeit steckt das Land mitten in Koalitionsverhandlungen, bislang ist keine Lösung in Sicht, und es drohen erneut Neuwahlen, da die beiden stärksten Parteien, Netanjahus Likud und das Bündnis Blau-Weiß von Herausforderer Benny Gantz, an ihren Bedingungen festhalten. Außerdem soll am Dienstag Naftali Bennett ("Die Neue Rechte") das Amt des Verteidigungsministers übernehmen. Bislang hatte Netanjahu selbst das Amt inne. (Lissy Kaufmann aus Tel Aviv, 12.11.2019)