Neben der menschlichen Komponente ist der enorme Boom des Onlinehandels auch eine große Belastung für die Umwelt.

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Eine Gefahr für die Demokratie sei Amazon, die Arbeitsbedingungen nicht zumutbar: Als der Präsident der US-Handelsgewerkschaft RWDSU im November in Wien war, hatte er scharfe Kritik an dem Onlineriesen zu verteilen. Nachrichten über katastrophale Arbeitsbedingungen bei dem Unternehmen gibt es immer wieder – zum Beispiel in den USA. Auch in Österreich, wo Amazon seit vergangenem Jahr ein Lager im niederösterreichischen Großebersdorf betreibt, hat es heuer bereits Vorwürfe gegeben.

Im September war im US-Bundesstaat Ohio ein Mann aufgrund eines Herzinfarkts zusammengebrochen – und soll 20 Minuten lang unbemerkt am Boden gelegen sein. In der Vergangenheit wurde immer wieder von Mitarbeitern berichtet, die angeben, in Flaschen zu urinieren, wenn sie aufs Klo müssen, da sie sich nicht trauen würden, Toilettenpausen einzulegen.

Eigene Lieferunternehmen

Doch nicht viel anders dürfte es für die Lieferanten des Unternehmens aussehen. Während zum Teil auch extern zugestellt wird, verlässt sich Amazon mittlerweile auf eigene Lieferanten, Partnerunternehmen aus der Logistik, die von dem Konzern beauftragt werden. Gerade zur Weihnachtszeit, in der eine Vielzahl an Geschenken online erworben wird, führt das bei den Mitarbeitern zu enormem Stress. Zahlreiche Paketdienste, darunter etwa DPD, kündigten aus diesem Grund an, für die Saison Zuschläge zu verlangen.

Die Amazon-Zulieferer selbst arbeiten für Niedrigstlöhne: So erzählte der Betreiber eines Logistikunternehmens, das mit dem Versandhändler in Bochum zusammenarbeitet, dem Sender Euronews, dass es enorm schwierig sei, Fahrer zu finden, die sich den Job antun wollen. Diese bekämen gerade einmal 1.600 Euro im Monat – weniger, als Eltern über Sozialleistungen vom Staat erhalten könnten. Nicht selten werde die reguläre Arbeitszeit deutlich übertroffen, zu viele Pakete müssten von einzelnen Personen ausgeliefert werden.

Umweltbelastung

Neben der menschlichen Komponente ist der enorme Boom des Onlinehandels auch eine große Belastung für die Umwelt. Grundsätzlich ist es laut einer Studie des MIT Center for Transportation & Logistics umweltfreundlicher zu bestellen, als eine Fahrt in den Einzelhandel zu wagen – allerdings nur dann, wenn die Auslieferung auch tatsächlich effizient geschieht. Heißt: Je kürzer die Lieferfrist angesetzt wird, desto höher ist die Chance, dass für wenige Produkte bereits ein Lieferant geschickt wird.

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Doch das macht sowieso wenig Unterschied, wenn Onlinehändler jene Produkte, die retourniert werden, nicht wieder verkaufen, sondern schlichtweg vernichten, obwohl sie neuwertig sind. In Deutschland gibt es schon erste politische Bestrebungen, dagegen vorzugehen.

In den USA kündigte Amazon hingegen an, unverkäufliche Produkte in Zukunft zu spenden, anstatt sie zu zerstören – dafür kooperiere man auch mit wohltätigen Organisationen. In Europa dürfte die Warenvernichtung allerdings munter weitergehen – auch bei anderen Versandhändlern. (muz, 25.11.2019)