Carroll Shelby (Matt Damon, li.) und Ken Miles (Christian Bale) bereiten sich auf die Rennschlacht gegen Ferrari vor.

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Schnelle Autos, witzige Sprüche und begnadete Rennsportler im 60er-Jahre-Flair teilen sich die Leinwand im Film Le Mans 66. Zumindest wird das Klischee von Frauen, die sich lasziv auf den Motorhauben aufgemotzter Karren räkeln, ausgelassen. Schließlich basiert James Mangolds Biopic auf der wahren Geschichte zweier Autorennprofis, deren Freundschaft durch ihre Beteiligung am Konflikt zwischen den Autoherstellern Ford und Ferrari auf die Probe gestellt wird.

Ken Miles (Christian Bale) ist ein passionierter Rennfahrer und Automechaniker. Dessen Kollege und Freund Carroll Shelby (Matt Damon), einst selbst ein versierter Rennsportler, widmet sich nach einer schweren Erkrankung nur noch dem Sportwagendesign. Ihre gemeinsamen Erfolge werden letztlich aufgrund der Machtkämpfe mit ihrem Auftraggeber Ford gedämpft. Die Leidenschaft für den Motorsport endet für Ken Miles sogar tödlich.

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Die Sequenzen auf der Rennstrecke sind phänomenal in Szene gesetzt. Gerade auf der großen Leinwand fühlt man sich wie ein Beifahrer auf der Überholspur. Die Einstellungen, in denen zwischen dem verschwitzt-erregten Antlitz Miles', den verschiedenen Winkeln seines brummenden Gefährts und dem rauchenden Asphalt hin und her gewechselt wird, können einem schon bei der bloßen Betrachtung Schweißperlen auf die Stirn treiben.

Auch mangelt es dem Film nicht an Humor. So schluchzt der große Ford-Chef (Tracy Letts) am Ende einer nervenaufreibenden Testfahrt mit Shelby nach seinem verstorbenen Übervater Henry Ford. Dennoch hätte man die Beziehung zwischen Shelby und Miles, dessen Frau Mollie (Caitriona Balfe) und Sohn Peter (Noah Jupe) zum Anlass nehmen können, um das Zwischenmenschliche stärker miteinzubeziehen. Stattdessen verrennt sich Le Mans 66 zu sehr in der Inszenierung der Autowelt, wodurch die emotionale Wucht nur spärlich zum Vorschein kommt. (Huy Van Jonny Diep, 13.11.2019)