Labour-Chef Corbyn zeigt sich ob der Cyberattacken sehr besorgt.

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Nach eigenen Angaben ist die britische Labour Party zum Opfer massiver Cyberangriffe geworden. Am Dienstagnachmittag meldeten die Sozialdemokraten, dass es einen digitalen Großangriff auf die eigenen Onlineplattformen gegeben hat, der schon am Montag begonnen habe. Die IT-Systeme hätten diesem aber standgehalten, man habe auch keinen Fremdzugriff auf interne Daten feststellen können.

Laut Spezialisten des Geheimdienstes GCHQ habe es ich um eine DDoS-Attacke (Distributed Denial of Service) gehandelt, bei der versucht wird, Server mit einer Flut an Anfragen aus zahlreichen Quellen zu überfordern.

Nur rund zwei Stunden später berichteten ungenannte Insider gegenüber Reuters von einem zweiten Angriff, der nach wie vor andauere. Nach wie vor sollen aber die Server nicht in die Knie gegangen und die Daten sicher sein. Ob dahinter die gleichen Angreifer stünden oder es sich um eine Nachahmungstat handle, sei unklar. Bislang habe man auch noch keine Hinweise darauf, ob dahinter ein Akteur einer fremden Regierung stehe. Seitens der Partei kommentierte man die neuen Angriffe nur knapp: man reagiere "schnell und effizient" und habe die Situation unter Kontrolle.

Aktuell – 18.20 Uhr MEZ – ist der Webauftritt der Labour Party nur teilweise abrufbar. Die Startseite wird nicht geladen, verschiedene Unterseiten sind jedoch erreichbar.

Nervosität vor der Wahl

Die Vorfälle sorgen für Nervosität in Großbritannien, wo es nach dem Scheitern des von Premier Boris Johnson für 31. Oktober angestrebten EU-Austritts des Landes am 12. Dezember zu Neuwahlen kommt.

"Wenn das ein Vorbote auf kommende Dinge bei dieser Wahl ist, dann macht mich das sehr nervös", erklärte Labour-Chef Jeremy Corbyn zu den aktuellen Ereignissen. Ein Cyberangriff auf eine politische Partei sei per se "verdächtig" und etwas, das große Sorgen bereite. Auf die laufende Wahlkampagne hätte der erste Angriff aber keine relevanten Auswirkungen gehabt, ergänzte ein Sprecher der Partei.

In Großbritannien fürchtet man mögliche russische Einmischung in den Wahlkampf. Das Geheimdienst- und Sicherheitskomitee des Parlaments hat eine Untersuchung zu russischen Aktivitäten zur Wahl 2017 und dem Brexit-Referendum von 2016 durchführen lassen. Der Bericht dazu soll aber nicht mehr vor der kommenden Wahl erscheinen. Dem Vernehmen nach werden darin aber Vorwürfe gegen Russland wegen Manipulation und Spionage erhoben. Russland hat derartige Anschuldigungen bislang stets kategorisch zurückgewiesen. (red, Reuters, 12.11.2019)

Update, 18:50 Uhr: Statement von Labour zur zweiten Angriffswelle ergänzt.