Hugo Carvajal mit Präsident Maduro, Juli 2014.

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Carvajal in Madrid.

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Madrid/Caracas – Der von den USA des Drogenhandels beschuldigte venezolanische Ex-Geheimdienstchef Hugo Carvajal ist offenbar in Spanien untergetaucht. Nach dem 59-Jährigen werde derzeit gefahndet, berichtete die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf Polizeiquellen.

Ein Gericht in Spanien hatte vor wenigen Tagen entschieden, dass der als "El Pollo" ("Das Huhn") bekannte frühere Politiker und Ex-General nun doch an die Vereinigten Staaten ausgeliefert werden soll, nachdem ein anderes Gericht im September seine Auslieferung zunächst abgelehnt hatte.

Damals war Carvajal auch vorläufig aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Als Beamte ihn nun in seinem Haus in Madrid festnehmen wollten, wurde er dort Medienberichten zufolge nicht angetroffen. Erst am Wochenende hatte Carvajal getwittert, er sei weiter auf freiem Fuß und befinde sich in Madrid.

Carvajal, ein Unterstützer des venezolanischen Oppositionsführers Juan Guaidó, war Mitte März mit falschen Papieren nach Spanien eingereist. Im April wurde er in Madrid festgenommen. Die USA werfen ihm vor, gemeinsam mit der kolumbianischen Farc-Guerilla eine Lieferung von 5,6 Tonnen Kokain organisiert zu haben, die 2006 in Mexiko sichergestellt wurde.

Reisepass eingezogen

Carvajal weist die Drogenhandels-Vorwürfe zurück. Seit Mitte September war er auf freiem Fuß, musste sich aber alle zwei Wochen bei Gericht melden. Der nächste Termin wäre an diesem Freitag. Sein Reisepass wurde eingezogen und es ist ihm untersagt, den Großraum Madrid zu verlassen.

Carvajal hatte im Februar für Aufsehen gesorgt, als er überraschend die Fronten gewechselt und in Videos auf Twitter dem selbst ernannten Interimspräsidenten Guaidó seine Unterstützung zugesagt hatte. Er ist bisher der wohl einflussreichste Offizier des venezolanischen Militärs, der sich in dem Machtkampf auf die Seite des Oppositionsführers schlug. Carvajal warf dem linksnationalistischen Präsidenten Nicolás Maduro vor, für die Lebensmittel- und Medizin-Knappheit in dem südamerikanischen Land verantwortlich sein.

Mit Chávez an der Militärakademie

Der Ex-Geheimdienstchef kannte den 2013 verstorbenen Ex-Präsidenten Hugo Chávez seit ihrer gemeinsamen Zeit an der Militärakademie. Er war unter Chávez' Kommando 1992 am gescheiterten Putsch gegen den damaligen Präsidenten Carlos Andrés Pérez beteiligt und machte nach dessen Wahlsieg 1999 schnell Karriere.

Nachdem Kolumbien im März 2008 ein Guerillacamp in Ecuador bombardiert hatte, wobei zahlreiche Kämpfer getötet wurden, fanden die Behörden auf dem Laptop des Farc-Kommandanten Raúl Reyes E-Mails, die Hinweise auf die Lieferung von schwedischen Panzerabwehrraketen aus Beständen der venezolanischen Armee an die Aufständischen geben. Die Echtheit der als "Farc-Files" bekannten Dokumente ist allerdings umstritten, von kolumbianischen Gerichten werden diese nicht als Beweismaterial anerkannt. (red, APA, dpa, 13.11.2019)