Israels Botschafter Benny Dagan besuchte am Mittwoch den Friedhof in Randers.

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Die Täter beschmierten 84 Grabsteine.

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Kopenhagen – Nach der Schändung dutzender Gräber auf einem jüdischen Friedhof in Dänemark sind zwei Männer festgenommen worden. Jacob Vullum Andersen (38), der Anführer der Neonazi-Gruppe "Nordische Widerstandsbewegung", und ein 27-jähriger Gesinnungsgenosse haben gestanden, 84 Grabsteine mit olivgrüner Farbe beschmiert zu haben.

Andersen hatte noch am Montag in einem Interview mit dem Sender Ostjütland TV2 die Schändung des Friedhofs verteidigt: "Wir wissen nicht, ob die Personen, die den Jahrestag der Reichskristallnacht (Nazi-Bezeichnung für die Novemberpogrome, Anm.) für eine Kampagne gegen die Juden genutzt haben, Mitglieder oder Sympathisanten unserer Bewegung sind", erklärte er, "aber es ist gut, dass die Leute endlich aufwachen und erkennen, dass die Macht der Juden und die jüdische Unterwanderung der Gesellschaft extrem schädlich und abzulehnen sind." In Dänemark leben rund 6.000 Juden.

Farbspuren und Chatprotokolle

An den Schuhen und Jacken, die die beiden Neonazis bei der Aktion trugen, fanden Ermittler Farbspuren. Außerdem wurden auf den Mobiltelefonen der beiden Männer Chatprotokolle gefunden, in denen sie sich über Farbbomben unterhielten.

Jacob Vullum Andersen auf einer Kundgebung.

Die "Nordische Widerstandsbewegung", die sich auch "Nordfront" nennt, ist in ganz Skandinavien aktiv. Im schwedischen Göteborg wurden 2016 drei Mitglieder wegen eines Sprengstoffattentats zu Haftstrafen verurteilt. In einer Dokumentation des norwegischen Fernsehens aus dem Jahr 2017 erklären Mitglieder, dass sie zwar "nationale Sozialisten" seien und sich von Adolf Hitler inspiriert fühlten, die Bezeichnung "Nazi" aber ablehnten.

Der Friedhof in der westdänischen Stadt Randers stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert. Die Vorfälle waren der Polizei am Samstag – ausgerechnet dem Jahrestag der Pogromnacht vom 9. November 1938 – gemeldet worden. In den Folgetagen waren weitere Fälle von Vandalismus in anderen Teilen Dänemarks sowie in Norwegen und Schweden bekannt geworden. (red, APA, dpa, 13.11.2019)