Ein Vaporetto ist an einer Brücke gestrandet.

Foto: AP/Constantini

Kleiderpuppen liegen in einem flutgeschädigten Geschäft verstreut.

Foto: Reuters/Scaalzo

Hochwasser ist kein Hindernis für ein Gläschen Wein.

Foto: Reuters/Silvestri

Venedig – Nach dem verheerenden Hochwasser mit Überschwemmungen in Venedig und der gesamten Region will die italienische Regierung helfen. Sie hat am Donnerstag den Notstand über die Lagunenstadt verhängt. Damit werden Geldmittel für die Schadensbehebung freigesetzt. Ministerpräsident Giuseppe Conte kündigte nach einer Ministerratsitzung in Rom an, dass die Regierung 20 Millionen Euro für Soforthilfen locker mache.

Venedig kämpft im Hochwasser um den Markusdom.
DER STANDARD

Auf "mehrere hundert Millionen Euro" hatte Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro zuvor die Schäden in der Stadt, die jährlich Millionen Touristen anzieht, geschätzt. "Diese Katastrophe in Venedig ist ein schwerer Schlag für ganz Italien. Es tut weh, die Stadt in diesem Zustand zu sehen", hatte Conte bereits am Mittwochabend bei seinem Besuch in Venedig und der überschwemmten Markusbasilika gesagt.

Premier Giuseppe Conte verschaffte sich persönlich einen Überblick.
Foto: Reuters/Silvestri

Brugnaro bat auch die UNO um Hilfe. Der Stadtchef schlug die Gründung einer UN-Agentur zum Thema Klimawandel mit Sitz in Venedig vor. "Venedig muss zum Ort werden, wo Wissenschafter, Experten und Politiker zum Thema Klimawandel auf globaler Ebene beraten. Ich fordere die UNO auf, in Venedig eine Agentur des Wassers zu gründen, wo man über Meere, Ozeane und Verschmutzung spricht", so Brugnaro im Interview mit der italienischen Tageszeitung "La Stampa".

"Venedig ist ein Symbol für die ganze Welt. Wir sind die vorderste Grenze im Einsatz gegen Klimawandel. Wir dürfen nicht die Hoffnung verlieren", sagte der Mitte-Rechts-Bürgermeister.

Langzeitprojekt Mose

Conte versprach, sich für die rasche Fertigstellung des Dammsystems Mose enizusetzen, mit dem das Hochwasser in Venedig geregelt werden soll. Das System aus riesigen Deichmodulen, die den Eingang der Lagune bei drohendem Hochwasser versperren sollen, hätte bereits 2017 in Betrieb gehen sollen. Vor 2021 werde es jedoch nicht eingeweiht werden können, sagte Conte.

ORF

Der ehemalige EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani erklärte, er sei dabei, die EU um Unterstützung zu bitten. "Wir prüfen Möglichkeiten, um dem schwer betroffenen Raum von Venedig aktiv unter die Arme zu greifen."

Höchster Wert seit 1966

Am Dienstagabend war das Wasser durch den starken Wind auf 187 Zentimeter über dem Meeresspiegel gestiegen – den höchsten Wert seit der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1966, als er 194 Zentimeter erreichte, teilte die Stadt mit. Der Markusplatz war vollkommen überflutet. "Das sind die Folgen des Klimawandels. Wir bitten die Regierung in Rom, uns zu unterstützen", sagte Stadtchef Brugnaro.

Neben der Markusbasilika erlitten mehrere Paläste schwere Schäden. Wasser drang in das Fenice-Theater ein, das vorübergehend geschlossen wurde. Mehrere Vaporetti, die Wasserbusse von Venedig, sind schwer beschädigt. Auch die Hotelbranche beklagt Riesenschäden. Unzählige Touristen flüchteten vor den Überschwemmungen.

Nicht nur in Venedig, sondern auch in anderen Regionen Italiens werden schwere Unwetterschäden gezählt. Die Schlechtwetterfront sorgte auch für erhebliche Probleme in Süditalien und wird laut Wetterexperten noch einige Tage andauern. (APA, 14.11.2019)