Ihre Kollegen im US-Außenministerium, William Taylor und George Kent, haben ihre öffentliche Anhörung in der Ukraine-Causa bereits am Mittwoch hinter sich gebracht. Am Freitag tritt Marie Yovanovitch als einzige Zeugin im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses auf.

Marie "Masha" Yovanovitch wurde als US-Botschafterin in Kiew eiligst abberufen.
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Die Aussagen der Karrierediplomatin könnten Einfluss darauf haben, ob der US-Kongress ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Donald Trump formell in die Wege leitet.

Im vergangenen Mai begann Yovanovitch (61), sich darauf einzustellen, ihre Zelte in Kiew abzubrechen: In zwei Monaten würde ihr Mandat regulär enden, und sie würde nach drei Jahren als US-Botschafterin in der Ukraine nach Washington gehen. Doch dann passierte alles sehr plötzlich und sehr schnell: Yovanovitch wurde eiligst abberufen und durch einen ihrer Vorgänger, William Taylor, ersetzt.

Yovanovitch – als Tochter sowjetischer Flüchtlinge 1958 in Kanada geboren und im Alter von drei Jahren in die USA gekommen – sieht sich als Opfer einer Schmutzkübelkampagne, die Trumps persönlicher Anwalt Rudy Giuliani orchestriert habe. Grund: Sie habe in Kiew nicht dem Wunsch des Präsidenten entsprochen, die Regierung zu Korruptionsermittlungen gegen Trumps Gegenspieler Joe Biden und dessen Sohn Hunter zu drängen.

Die Princeton-Absolventin in Russisch und Geschichte, die seit 1986 für das State Department arbeitet und wegen ihrer Herkunft oft "Masha" genannt wird, gilt als Expertin für heikle Missionen. So war die Diplomatin, die ihr Privat leben völlig unter Verschluss hält, unter anderem in Somalia, Russland, Armenien und Kirgisistan stationiert. 2016 wurde sie zum zweiten Mal in die Ukraine entsandt, diesmal als Botschafterin. Es war eine Zeit, in der das bilaterale Verhältnis der USA zu Russland wegen des Ukraine-Krieges und der Krim-Annexion schon massiv belastet war. In Kiew trat sie mit Engagement in der Korruptionsbekämpfung und für die Rechte der LGBT-Community in Erscheinung.

Ihre plötzliche Abberufung und die damit verbundene Rufschädigung durch die Trump-Administration empört viele ihrer Kollegen. Der ehe malige US-Spitzendiplomat und nunmehrige Harvard-Professor Nicholas Burns forderte das Außenministerium – und indirekt dessen Chef Mike Pompeo – auf, Yovanovitch gegen die Anwürfe zu verteidigen: "Sie verdient eine Entschuldigung, eine öffentliche Entschuldigung." (Gianluca Wallisch, 15.11.2019)