Die Drogenersatztherapie darf in Österreich nur oral erfolgen. Eine Depotspritze, die ehemals Abhängigen den täglichen Weg in die Apotheke erspart, ist nicht erhältlich. Experten sehen Nachholbedarf.

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Die Vorteile liegen auf der Hand: Seit einem Jahr ist europaweit die Depotspritze Buvidal zugelassen. Es ist ein Substitutionsmedikament, das es ehemals Heroinabhängigen ermöglicht, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Doch bis dieses auch in Österreich erhältlich sein wird, ist es noch ein langer Weg.

Etwa 19.000 Menschen sind in Österreich in Drogenersatztherapie. Sie erhalten Opiate auf Krankenschein und müssen täglich eine Apotheke aufsuchen, um dort unter Aufsicht der Apotheker das Präparat einzunehmen.

Viele Betroffene empfinden das als Schikane, sagt Suchtexpertin Gabriele Fischer zum STANDARD. Die Psychiaterin will, dass ihre Patienten wieder am Leben teilnehmen können: "Eine Suchterkrankung ist keine minderwertige Krankheit, vierzig Prozent der Kranken sind berufstätig." Immerhin sei ein selbstbestimmtes Leben auch in der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen festgeschrieben.

Gefahr durch Schwarzmarkt

Dass Betroffene das Medikament gleich für mehrere Tage mitnehmen, ist selten möglich. Zu groß ist die Gefahr, dass die Medikamente auf dem Schwarzmarkt landen. Die Drogenersatztherapie erleichtert den Verzicht auf illegales Heroin. Denn aufgrund des Drogenmissbrauchs kann der Körper nicht mehr selbst Opiate produzieren. In Österreich sind verschiedene Medikamente dafür zugelassen, den sogenannten Craving-Effekt – also das Verlangen nach einem Rausch – zu unterdrücken. Manche Substanzen wie Substitol sind deswegen am Schwarzmarkt begehrt, weil sie bei Verwendern dennoch einen Kick auslösen können, wenn sie erhitzt und gespritzt werden.

Anders ist das beim Wirkstoff Buprenorphin: Er kann nicht aufgelöst werden. Wird er eingenommen, stellt sich selbst bei einer Überdosierung kein Rausch ein.

Dieser Wirkstoff ist auch in Österreich erhältlich, bisher allerdings nur als Filmtablette. Denn so steht es auch im Gesetz, Substitutionstherapie muss oral erfolgen. Eine schwedische Firma hat vergangenes Jahr die Zulassung für eine Depotspritze erhalten, die Buprenorphin enthält. Der Wirkstoff muss damit nur alle vier Wochen gespritzt werden. In verschiedenen europäischen Ländern ist das Präparat schon erhältlich. Doch in Österreich bemüht sich die Firma vorerst gar nicht, Fuß zu fassen und Preisverhandlungen mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger aufzunehmen. Die Suchtgiftverordnung aus dem Jahr 1997 verhindert es.

Geringfügige Änderungen

Damit auch Kranke in Österreich die Depotspritze erhalten können, müsste diese Verordnung geringfügig adaptiert werden, indem das Wort "oral" gestrichen beziehungsweise "oder subkutan" ergänzt wird. Dass das nicht längst geschehen ist, kritisiert Neos-Gesundheitssprecher Gerald Loacker im STANDARD-Gespräch.

Wenige Wochen vor dem Ibiza-Skandal habe es bereits Gespräche mit der damaligen Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) gegeben. Nach dem Platzen der türkis-blauen Koalition stockte das Vorhaben, was Loacker nicht versteht. Er kann zwar nachvollziehen, dass die Übergangsregierung nur verwalten möchte, doch die Änderungen würden vielen Menschen das Leben erleichtern: "Der Stillstand ist eine Zumutung für Betroffene."

Im Sozialministerium ist das Problem durchaus bekannt. Derzeit werden Gespräche geführt, man sei bemüht, zügig eine Lösung zu finden, heißt es aus dem Ressort von Übergangsministerin Brigitte Zarfl. (Marie-Theres Egyed, 18.11.2019)