Die neuseeländische Jungparlamentarierin Chlöe Swarbrick warf älteren männlichen Zwischenrufern den Slogan "Okay, Boomer!" entgegen.

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Männer vs. Frauen, Linke gegen Rechte: Diese alten Scharmützel sind so ausgelutscht, dass es dringend nötig wäre, den Schaukampf zwischen Alt und Jung zu intensivieren. Dazu Folgendes.

Bis vor kurzem herrschte der Eindruck, dass die Jugend alten Deppen wie dem Krisenkolumnisten verbal nicht so richtig beikommen konnte. „Alter weißer Mann“ war zwar ein guter Anfang in der intergenerationellen Beschimpfungskunst und beeindruckte mit intellektueller Differenziertheit und Tiefenschärfe. Der letzte Schliff jedoch fehlte.

Dann trat Chlöe Swarbrick auf den Plan. Wie viele Medien berichteten, setzte sich die – lebensgeschichtlich noch weit vom Status einer alten Schastrommel entfernte – Jungparlamentarierin aus Neuseeland mit dem selbsterfundenen Slogan „Okay, Boomer!“ gegen ein paar alte männliche Zwischenrufer zur Wehr. Genial!

Kein Wunder, dass Swarbrick auf der Stelle zum Internetstar wurde, wenn nicht gar zur Influencerin. Mehr als ein „Okay, Boomer!“ hat die Generation Z nämlich nicht gebraucht, um es den senil-virilen Heugeigen einmal hineinzusagen. Jetzt dürfen die Boomer nur nicht auf die Idee kommen, den „Okay, Boomer“-Schmäh abzukupfern und mit „Okay, Rotzlöffel!“ zurückzuschlagen. Dann steht das Match Jung gegen Alt klar eins zu null.

Pflege der Streitlust

Jüngere Semester, die in ihrer Freizeit nicht nur Pixelmonster erschießen, sondern auch gelegentlich Bücher lesen, wissen, dass das Alter und Altersunterschiede seit je Scherereien bereitet haben. Sokrates stänkerte über die Jugend (keine Manieren, kein Respekt); Philip Roth stänkerte über das Alter („ein Massaker“). Im zweiten Teil von Goethes Faust stänkert ein Bakkalaureus über alle, die „dreißig Jahr vorüber“ haben, und meint: „Am besten wär’s, euch zeitig totzuschlagen.“

Zur Korrelation von Alter und Schwachsinn hat der französische Sänger George Brassens einen substanziellen Beitrag geleistet. In seinem Chanson Quand on est con, on est con verficht er die These, dass das Charaktermerkmal der Trottelhaftigkeit altersunabhängig und bei Alt und Jung gleich verbreitet sei. Wurscht, ob zwanzigjährig oder Opa – ein Trottel ist ein Trottel.

Damit hat Brassens natürlich recht, aber der Pflege der Streitlust dient seine Relativierung nicht. Wer also gekonnt spalten will, möge weiter andeuten, dass nur Alte oder nur Junge deppert sind. Okay, Boomer? Okay, Rotzlöffel? (Christoph Winder, 16.11.2019)