Gelernter Tenore di grazia: Juan Diego Flórez.

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2018 lud Juan Diego Flórez beim Zyklus Great Voices zu einer Reise in seine Heimat ein, der Wahlwiener sang Populäres aus Lateinamerika. Nun wieder Oper: Arien der Herren Rossini und Co suchte man jedoch vergebens im Programmheft, ist doch der gelernte Tenore di grazia auf Opernbühnen schon länger im ruppigeren Off-Belcanto-Terrain unterwegs.

Und so war die erste Konzerthälfte zur Gänze Verdi gewidmet, Flórez eröffnete sie mit dem Rigoletto-Duca, finalisierte mit dem Alfredo aus La traviata. Natürlich wollte er seine Belcanto-Vergangenheit nicht verleugnen, sein Tenor gefiel mit Leichtgängigkeit und Höhensicherheit. Es gab wundervolle Decrescendi und Piani (und Pausen). Aber auch die Forte-Attacken konnten sich im sängerdienlichen Umfeld der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz (Leitung: Jader Bignamini) durchsetzen. Klar: Für einen Kracher wie Freunde, das Leben ist lebenswert wäre mehr stählerne Stimmsubtanz nicht von Nachteil gewesen. Da kam seiner Lyrik ein anderer Lehár-Evergreen mehr entgegen: Dein ist mein ganzes Herz. Aber auch die Franzosen (etwa Bizets Don José) fesselten.

Im Zugabenteil griff Flórez zur Gitarre und flötete danach Folkloristisches. Wieder mit Orchester gab’s nach Granada noch Nessun dorma: Für zahlreiche selig lächelnde Best Ager im Publikum wurde Weihnachten um einen Monat vorverlegt. Jubel im Konzerthaus. (Sefan Ender, 16.11.2019)