Venedig steht unter Wasser.
Foto: AP/Luca Bruno

Venedig geht nicht erst seit dem Klimawandel unter. Auf historischen Fotos kann man sehen, dass dort, wo heute die Hausfassade direkt ins Wasser des Kanals übergeht, einst ein steinerner Sockel war. In den letzten 100 Jahren ist Venedig um 60 Zentimeter gesunken, heißt es. Das Abpumpen des Grundwassers für die Industrie in Porto Marghera, die Vertiefungen der Fahrrinnen für die Kreuzfahrtschiffe – all das trägt schon seit langem dazu bei. Vor 30 Jahren schon standen junge Leute mit ihren Flugblättern auf den Plätzen herum und protestierten gegen die korrupte, indolente Politik.

Der Klimawandel droht aber der Stadt den Rest zu geben. Sie ist ohnehin durch den Overtourism schwer geschädigt. Wenn das salzige Dreckwasser aber immer öfter in den byzantinischen Markusdom schwappt, wenn die Überschwemmungen Alltag werden, dann kann man allmählich (auch) über diesen Ort so vieler wunderbarer Erlebnisse das Kreuz machen.

Gewiss, es hat ja immer Zeitgenossen gegeben, die mit Venedig nichts anzufangen wussten: Kanäle stinken, Essen zu teuer, was mach ich hier?

Aber für die anderen muss es eine Möglichkeit geben, Venedig zu retten. Eine Technologie, eine politische Sinnesänderung, einen intelligenten Plan. Eine gemeinsame Anstrengung der hellsten Köpfe. Und man wird das Welterbe Venedig nicht der italienischen Regierung allein überlassen können. (Hans Rauscher, 15.11.2019)