Thiem konnte es nicht fassen.

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Tsitsipas konnte es erst recht nicht fassen.

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Des Einen größter Triumph, des Anderen vermeintlich bitterster Moment.

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Thiem beim Hadern.

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Tsitsipas beim Feiern.

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London – In den Gruppenspielen den ewigen Roger Federer und den topgesetzten Novak Djokovic geschlagen, im Halbfinale Alexander Zverev innert 1:35 Stunden mit 7:5 und 6:3 besiegt. Dominic Thiem kann zufrieden auf seine vierten ATP Finals zurückblicken, gewinnen konnte er sie am Sonntag vor knapp 18.000 Zusehern in der O2 Arena nicht.

Beim Jahresabschluss war der Grieche Stefanos Tsitsipas schließlich stärker und stellte im Head to Head mit dem 26-jährigen Niederösterreicher auf 3:4. Erst jüngst hatte der 21-Jährige das Finale in Peking gegen Thiem in drei Sätzen verloren. Tsitsipas kassiert 2,4 Millionen Euro und 1300 Zähler für die Weltrangliste, Thiem reiste mit 1,18 Millionen und 800 Punkten ab. In der Rangliste stellt er sein bestes Ergebnis ein.

Der 1,93 Meter hohe Athener, der im Halbfinale am Samstag Federer beim 6:3, 6:4 in etwas mehr als eineinhalb Stunden keine Chance gelassen hatte, begann das Match kalten Blutes und kam beim Stand von 2:1 zum ersten Breakball. Aber Thiem wehrte ab und fand bei 3:3 seinerseits zwei Chancen vor, dem Gegner den Aufschlag abzunehmen. Tsitsipas behielt die Nerven, stellte nach genau 30 Spielminuten auf 4:3. Nur eine fruchtlose Diskussion mit Umpire Ali Nili aus den USA verriet seine Anspannung. Gelöst hat sie sich auch im nächsten Game nicht, obwohl Thiem zwei weitere Breakchancen gestattete, mit drei Punkten en suite aber ausbesserte. Schließlich musste das Tie Break den im Grund ausgeglichenen ersten Satz entscheiden. Thiem zog mit 3:0 davon, ein Ass bescherte den ersten Satzball, den Tsitsipas abwehrte. Da stand es nach Punkten 32:32. Nach 1:05 Stunden saß allerdings Thiems zweiter Satzball, Tsitsipas retournierte ins Netz – 7:6 (6).

Mächtiger Konter

Die Freude über den Vorsprung hielt aber nicht lange, Tsitsipas spielte weiter, als ob nichts gewesen wäre, Thiem verlor völlig den Faden. Nur zwei Punkte gelangen der neuen Nummer vier der Weltrangliste in den ersten vier Games, danach ging es fast nur noch um Ergebniskosmetik. Nach nur 27 Minuten verwandelte Tsitsipas seinen zweiten Satzball zum 6:2. Aber immerhin, Thiem durfte im entscheidenden Satz vorlegen. Das gelang nur mit äußerster Mühe und nach Abwehr von zwei Breakbällen. Tsitsipas erlaubte sich keine Schwachheiten, nahm im Gegensatz zu Thiem davor das Selbstvertrauen nach dem gewonnen Satz mit und machte kaum noch Fehler. Vor allem der erste Aufschlag gelang der Nummer sechs nach Belieben. Thiem begann zu hadern, ihm unterlief bei 1:1 der allererste Doppelfehler, der Aufschlagverlust zum 1:2 folgte auf den Fuß.

Thiem hielt sich zunächst nur noch mit Mühe im Match, sah schon wie ein Verlierer aus, bekam aber bei 2:3 wie aus dem Nichts zwei Chancen aufs Rebreak. Die zweite nützte er, die Halle tobte. Weiter ging es mit dem Aufschlag bis zum 6:6 – wieder Tie Break. Tsitsipas, dessen Aufschlag plötzlich nicht funktioniert hatte, riss sich wieder zusammen, zog mit zwei Minibreaks auf 4:1 davon. Thiem konterte wieder in einem Schlüsselmoment, glich noch einmal aus, gab Tsitsipas mit einem leichten Fehler aber zwei Matchbälle. Den ersten verwertete der Grieche nach 2:36 Stunden zum Triumph beim Debüt bei den ATP Finals. Ein wilder Schlag Thiems ins Aus vollendete das Drama aus seiner Sicht.

Immer weiter

Das Tennisjahr ist auch nach dem Endspiel der ATP Finals nicht zu Ende. Schon am Montag beginnt in Madrid das neue Finalturnier im Daviscup. Die Sieger von sechs Dreiergruppen und die zwei besten Zweiten kommen ins Viertelfinale, also die erste K.-o.-Runde. Titelverteidiger sind die als Nummer zwei gesetzten Kroaten. Topgesetzt sind die Franzosen.

Nicht nur Thiem und Tsitsipas werden (mangels Qualifikation ihrer Teams) in Spaniens Hauptstadt fehlen. Rafael Nadal, Djokovic und Daniil Medwedew haben zwar angekündigt, dabei sein zu wollen, nach dem frühen Aus in London bleibt aber abzuwarten, ob alle ihr Vorhaben auch in die Tat umsetzen. Von den Stars tritt sicher Andy Murray für die Briten in der Caja Magica an. Zverev reiste nach seiner Halbfinalniederlage gegen Thiem mit Roger Federer, dessen Schweizer ebenfalls nicht mehr im Daviscup spielen, zu etlichen Exhibitions nach Südamerika. (Sigi Lützow, 17.11.2019)

Finali seit 1990:

1990 Frankfurt: Andre Agassi (USA) – Stefan Edberg (SWE) 5:7,7:6,7:5,6:2
1991 Frankfurt: Pete Sampras (USA) – Jim Courier (USA) 3:6,7:6,6:3,6:4
1992 Frankfurt: Boris Becker (GER) – Courier 6:4,6:3,7:5
1993 Frankfurt: Michael Stich (GER) – Sampras 7:6,2:6,7:6,6:2
1994 Frankfurt: Sampras – Becker 4:6,6:3,7:5,6:4
1995 Frankfurt: Becker – Michael Chang (USA) 7:6,6:0,7:6
1996 Hannover: Sampras – Becker 3:6,7:6,7:6,6:7,6:4
1997 Hannover: Sampras – Jewgenij Kafelnikow (RUS) 6:3,6:2,6:2
1998 Hannover: Alex Corretja (ESP) – Carlos Moya (ESP) 3:6,3:6,7:5,6:3,7:5
1999 Hannover: Sampras – Agassi 6:1,7:5,6:4
2000 Lissabon: Gustavo Kuerten (BRA) – Agassi 6:4,6:4,6:4
2001 Sydney: Lleyton Hewitt (AUS) – Sebastien Grosjean (FRA) 6:3,6:3,6:4
2002 Shanghai: Hewitt – Juan Carlos Ferrero (ESP) 7:5,7:5,2:6,2:6,6:4
2003 Houston: Roger Federer (SUI) – Agassi 6:3,6:0,6:4
2004 Houston: Federer – Hewitt 6:3,6:2
2005 Shanghai: David Nalbandian (ARG) – Federer 6:7,6:7,6:2,6:1,7:6
2006 Shanghai: Federer – James Blake (USA) 6:0,6:3,6:4
2007 Shanghai: Federer – David Ferrer (ESP) 6:2,6:3,6:2
2008 Shanghai: Novak Djokovic (SRB) – Nikolaj Dawydenko (BLR) 6:1,7:5
2009 London: Dawydenko (RUS) – Juan Martin del Potro (ARG) 6:3,6:4
2010 London: Federer – Rafael Nadal (ESP) 6:3,3:6,6:1
2011 London: Federer – Jo-Wilfried Tsonga (FRA) 6:3,6:7,6:3
2012 London: Djokovic – Federer 7:6,7:5
2013 London: Djokovic – Nadal 6:3,6:4
2014 London: Djokovic – Federer w.o.
2015 London: Djokovic – Federer 6:3,6:4
2016 London: Andy Murray (GBR) – Djokovic 6:3,6:4
2017 London: Grigor Dimitrow (BUL) – David Goffin (BEL) 7:5,4:6,6:3
2018 London: Alexander Zverev (GER) – Novak Djokovic (SRB) 6:4,6:3
2019 London: Stefanos Tsitsipas (GRE) – Dominic Thiem (AUT) 6:7(6),6:2,7:6(4)