Phil Spencer bei der E3.

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STANDARD: Wie wird Microsoft den nächsten "Konsolenkrieg" gewinnen?

Phil Spencer: Kriege interessieren mich nicht. Wir wollen einfach die beste Konsole bieten. Dafür braucht es großartige Hardware zu einem vernünftigen Preis. Zugleich müssen wir auch an unseren Services wie Game Pass und Xbox Live arbeiten. Und zuletzt müssen wir auch weiterhin hervorragende Spiele entwickeln. Aber ja, Kriege interessieren mich nicht. Ich denke nicht, dass wir weiterkommen, wenn jemand anderer scheitert. Die gesamte Industrie kann gemeinsam wachsen.

STANDARD: Was haben Sie persönlich von dem Erfolg der Playstation 4 gelernt?

Spencer: Ich habe auf den Launch der Xbox One zurückgeblickt. Wir haben einen guten Start hingelegt, in den darauffolgenden Monaten aber Fehler beim Preis und der Performance gemacht. Für die nächste Generation haben wir aber bereits einen großartigen Plan.

STANDARD: Wird es Änderungen beim User Interface geben?

Spencer: Wir schauen uns immer an, wie sich das Nutzungsverhalten unserer User ändert, wenn neue Dienste wie Mixer und Game Pass hinzugefügt werden. Eine Nutzung ohne Ladezeiten und Ladebildschirme ist ein großer Wunsch unserer Nutzer. Wir werden das Feedback für die nächste Xbox nutzen.

STANDARD: Wird die nächste Xbox modular sein beziehungsweise mit Upgrades versehen werden können?

Spencer: Dazu möchte ich noch nichts sagen.

STANDARD: Zu Xbox Game Studios gehören mittlerweile 15 Studios. In den vergangenen zwei Jahren wurden allein sieben Spieleschmieden übernommen. Was ist die Strategie dahinter?

Spencer: Wir wollen sicherstellen, dass wir hierbei divers aufgestellt sind und dadurch großartige Geschichten erzählen können. Mit dem Wachstum von Game Pass wollen wir unserem Publikum mehr Spiele bieten. Bei den gekauften Studios können wir allesamt auf eine langjährige Zusammenarbeit zurückblicken. Wir haben bei den Käufen auch darauf geachtet, dass wir unterschiedliche Genres abdecken. Wichtig ist für mich auch, dass wir Studios an internationalen Standorten aufweisen. Damit können wir sicherstellen, dass unterschiedliche Geschichten erzählt werden.

STANDARD: Xbox und Windows wachsen immer mehr zusammen. Wird es in Zukunft eigentlich noch exklusive Spiele nur für Konsole geben?

Spencer: Unsere Studios haben hierbei einen Handlungsspielraum – von mir wird es kein "Niemals" geben. Allerdings steht für uns der Spieler im Zentrum. Wieso sollten wir einen PC-Spieler also einschränken, wenn er ein Game für die Konsole nutzen will, und vice versa. Wir wollen unsere Nutzer nicht dahingehend manipulieren, dass sie machen, was wir wollen. Wir wollen eine Plattform und Content bieten, wo die Spieler machen können, was sie wollen.

STANDARD: Google will mit Stadia den Gaming-Markt erobern. Microsoft bietet mit xCloud bereits einen Cloudgaming-Dienst an. Welche Rolle wird die Technologie in der nahen Zukunft spielen?

Spencer: In der nahen Zukunft ist das für uns alle ein Lernprozess. xCloud ist noch nicht fertig – wir verlangen dafür auch kein Geld, die Leute sollen es einfach einmal ausprobieren. Ich denke, dass Cloudgaming in den ersten Jahren neue Möglichkeiten schafft, wo wir spielen. Wenn ich meinen PC oder meine Konsole nicht bei mir habe, kann ich die Spiele auf anderen Geräten nutzen. Hier liegt meiner Meinung nach die Stärke. Cloudgaming wird Konsolen und PCs in den nächsten Jahren aber sicher nicht ablösen.

STANDARD: Sehen Sie Google als große Gefahr?

Spencer: Google ist eine riesige Firma mit sehr viel Geld. Für eine Vormachtstellung auf dem Gaming-Markt braucht es hervorragende Inhalte, eine riesige Community und große Cloud-Kapazitäten. Google hat aktuell nur Letzteres. Amazon darf man aber nicht vergessen. Ich nehme an, dass diese in Richtung Inhalte noch stark investieren werden. Sie weisen bereits Amazon Game Studios und Twitch auf. Also ja, ich sehe beide als Konkurrenten an.

STANDARD: Mit Xbox Game Pass bieten Sie bereits einen ordentlichen Abodienst für Spiele ...

Spencer: Nur ordentlich? (lacht)

STANDARD: Wird man in fünf Jahren überhaupt noch Spiele kaufen?

Spencer: Absolut. Darum bin ich dagegen, wenn der Game Pass das "Netflix für Spiele" genannt wird. Bei uns kann man ein Spiel nämlich auch kaufen – das ist der Unterschied. Das wollen unsere Kunden auch. Wieso sollten wir ihnen also die Möglichkeit verwehren, ein Spiel zu kaufen?

STANDARD: Es wirkt so, als würde Gaming bei Microsoft unter CEO Satya Nadella eine bedeutendere Rolle spielen. Ist das so, und wie würden Sie Ihre Zusammenarbeit beschreiben?

Spencer: Satya unterstützt uns, wo er nur kann. Ich bin seit fünf Jahren Xbox-Chef, und zuvor war bei Microsoft nicht ganz klar, wieso wir überhaupt in diesem Business sind. Hier hat angesichts der zweieinhalb Milliarden Spieler und der Tatsache, dass Videospiele mittlerweile das umsatzstärkste Medium sind, ein Umdenken stattgefunden. Die Führungsetage war bei teuren Investitionen und der Übernahme von Studios deswegen extrem unterstützend.

STANDARD: Zuletzt noch: Zurückblickend, was hätten Sie in den vergangenen Jahren besser anders machen sollen?

Spencer: Mit dieser Frage setze ich mich täglich auseinander. (lacht) Ich bereue nichts, habe aber gewisse Dinge gelernt. Beispielsweise sollten wir klarer und transparenter kommunizieren – etwa bei Exklusivdeals oder Details zu Konsolen. Das ist unglaublich wichtig, um Vertrauen bei unseren Kunden aufzubauen. Letztlich ist das wichtiger als kurzzeitige Deals. (Daniel Koller, 24.11.2019)