Der Wiener Flughafen erwartet heuer im Gesamtjahr den Rekordwert von 31 Millionen Passagieren.

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Wien – Der Flughafen Wien, der seit der Pleite von Air Berlin und Niki Billigairlines wie ein Magnet anzog, wehrt sich gegen Vorwürfe, dass er die Low-Cost-Carrier zulasten der AUA subventioniere: So habe man erst 2017 neue Verträge mit der AUA vereinbart, die Einsparungen gebracht hätten. "Die AUA nutzt sämtliche Incentives, die auch den Billigairlines zugute kommen", betont Flughafenvorstand Julian Jäger. Diese seien transparent und online abrufbar – so werden beispielsweise im ersten Jahr einer Streckenaufnahme keine Landegebühren verrechnet.

Gleichzeitig regt Jäger an, Synergien mit der AUA besser zu nutzen, etwa beim Check-in-Bereich oder der IT, wo man besser zusammenarbeiten könnte. Laut Vorstandskollege Günther Ofner gibt es auch Ideen für Marketingkooperationen zwischen dem Flughafen und der AUA.

Nachzieheffekt in Wien

Billigflieger wie der Ryanair-Ableger Lauda, Wizzair, Level oder Easyjet haben den Markt in Wien ordentlich aufgewühlt. Allerdings haben alle schlechtere Ergebnisse als erwartet, betont Jäger. Diese "unglaubliche Dynamik in den letzten zwei Jahren" sieht er als Nachzieheffekt. In Europa betrage der Billigfliegeranteil rund 35 Prozent, im Vereinigten Königreich sogar 43 Prozent – im Gegensatz zu Wien mit derzeit etwa 30 Prozent. Allerdings sei diese Entwicklung in Wien eben in viel kürzerer Zeit geschehen.

Die AUA bereitete die Öffentlichkeit und die Mitarbeiter jüngst auf härtere Zeiten und einen massiven Stellenabbau vor: "Wir müssen uns neu aufstellen, um im brutalen Wettbewerb gegen die Billigflieger zu bestehen. Die Maßnahmen sind zum Teil schmerzhaft, weil sie uns Substanz nehmen, die wir in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaut haben", erklärte jüngst AUA-Chef Alexis von Hoensbroech. Der harte Preiskampf mit den Billigfluglinien zwingt die heimische Lufthansa-Tochter zu einem weiteren Sparpaket von 90 Millionen Euro jährlich. Bis Ende 2021 sollen 700 bis 800 Stellen gestrichen werden, das ist jeder zehnte Arbeitsplatz.

Unterstützung gab es jüngst auch von Stadt Wien und Wien-Tourismus: Statt auf Masse setzt man künftig auf Klasse – was sich auch in den Werbeaktivitäten widerspiegeln soll. Marketingtechnisch ziehe man sich damit von allem zurück, "was Massentourismus ist", sagte Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner. Auch mit den Billigfluglinien wolle man weniger kooperieren. Und an der Internationalen Tourismusmesse in Berlin (ITB) werde man ebenfalls nicht mehr teilnehmen. Massentourismus brauche kein Marketing, sondern Regulierung, so die Einsicht der Touristiker. Das Problem sei gar nicht die Anzahl der Köpfe, sondern "das schnelle Geld auf Kosten des öffentlichen Raums und auch auf Kosten der Einwohner", so Kettner,

Gewinneinbußen bei Easyjet

Easyjet bekam den Kampf um die billigen Plätze bereits im nun veröffentlichten Jahresergebnis zu spüren: Der Gesamtgewinn vor Steuern sank um 26 Prozent auf umgerechnet 499 Millionen Euro. Der Gesamtgewinn vor Steuern pro Sitzplatz sank um 32,9 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Passagierzahlen für das am 30. September beendete Geschäftsjahr um 8,6 Prozent auf 96,1 Millionen.

Bereits seit März hat Easyjet für den Brexit vorgesorgt: Man habe als paneuropäische Airline-Gruppe drei Betriebsgenehmigungen in Österreich, der Schweiz und Großbritannien. Rund 50 Prozent des Eigenkapitals befänden sich in Besitz von qualifizierten europäischen Staatsangehörigen. (Claudia Ruff, 19.11.2019)