James Dean spielt wieder in einem Film mit, Amy Winehouse hätte auf Hologramm-Tour gehen sollen, und auch Carrie Fisher oder Michael Jackson leben auf Leinwand und Bühne weiter.

Foto: Getty, Reuters; Montage: Lukas Friesenbichler

In der aktuellen Staffel der überwiegend dystopischen Zukunftsserie Black Mirror spielt Miley Cyrus in einer Folge den Teenie-Popstar Ashley O. Als Ashley immer depressiver wird, fürchtet ihre Tante und Managerin um den Verlust der quirligen Cashcow und vergiftet Ashley. Denn mittels neuester Technologien – wie gesagt: Zukunft! – kann die geldgeile Tante Ashley auch im Tiefschlaf neue Texte abringen. Für die Liveauftritte wird ein Hologramm verwendet, auch in der Absicht, Ashley bald ganz aus dem Weg zu räumen und sie durch die Projektion zu ersetzen.

Das ist allerdings keine Zukunftsvision. Tatsächlich nahm der Black Mirror-Erfinder und Autor der Folge, Charlie Brooker, in kritischer Absicht Anleihen bei einem Trend, den es bereits gibt: Der früh verstorbene Rapper Tupac wurde 2012 für einen Auftritt auf dem Coachella Festival, Michael Jackson für eine Performance bei den Billboard Awards 2014 „reanimiert“. Whitney Houston soll, begleitet von einer realen Liveband und Tänzern, ab 2020 um die Welt touren (am 22. März auch in der Wiener Stadthalle).

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Dieses Ereignis wird von der amerikanischen Firma Base Hologram möglich gemacht, die bereits Buddy Holly und Roy Orbison erfolgreich auf Hologramm-Tour schickte. Dass die Technologie mit echten Hologrammen wenig zu tun hat, ist dabei sekundär (siehe Kasten): Man wählt einen Begriff, der möglichst futuristisch klingt und unter dem man sich gleichzeitig etwas vorstellen kann – hallo, Holodeck!

Reine Geldmacherei

Auch Amy Winehouse hätte wiederauferstehen sollen. Wegen technischer Schwierigkeiten wurden ihre posthumen Auftritte vorerst auf Eis gelegt. Nicht zuletzt ihr Ex-Mann Blake Fielder Civil äußerte sich negativ über das Vorhaben und kritisierte Winehouse’ Familie und Nachlassverwalter dafür, Geld mit einer Farce machen zu wollen. An das echte Erlebnis könnten die sogenannten Hologramme nicht herankommen, sind sich viele sicher. Für andere stellen die Touren die einzige Möglichkeit dar, besonders früh und unerwartet verstorbene Stars live erleben zu können, weil sie es eben nie auf ein Konzert ihrer Helden geschafft haben. Das ethische Problem besteht darin, dass jene Stars ihrer posthumen Bühnenkarriere nie zustimmen konnten – schon allein, weil es diese Option zum Todeszeitpunkt der meisten noch gar nicht gab. Nun treffen die Erben und Erbverwalter diese Entscheidungen.

Die Technologie beschränkt sich aber keinesfalls darauf, Verstorbene wieder zu Lebenden zu machen. Bereits jetzt tritt Madonna mit den Gorillaz auf, die ja als virtuelle Band konzipiert wurden. M.I.A. und Janelle Monáe gaben jeweils an den entgegengesetzten Enden der USA ein Konzert. Eine war jeweils live, die andere als Projektion zugegen. Ziel wird natürlich gerade im Konzertbereich sein, irgendwann Liveprojektionen zu verwirklichen. So könnte ein Star theoretisch eine ganze Tour ausverkaufen, müsste aber nur ein Konzert geben. Das ist freilich noch Zukunftsmusik.

Andy Kiwi

Zurück zu den Toten

Der aktuellste Anlassfall ist jemand, der nicht für die Bühne exhumiert wurde, sondern für die Leinwand. 64 Jahre nach seinem Tod muss James Dean wieder ran. Mithilfe von CGI, also Computeranimation, und auf Basis alter Aufnahmen soll er in einem Film namens Finding Jack über den Vietnamkrieg, der 2020 in die Kinos kommen soll, eine Hauptrolle übernehmen. Die Regisseure fanden einfach keinen Besseren, ließen sie verlautbaren.

Es ist der Höhepunkt einer langen Entwicklung, in der mittels CGI Charaktere verjüngt (aktuell zum Beispiel Robert De Niro, Al Pacino oder Joe Pesci in The Irishman) oder auf die Leinwand zurückgeholt wurden wie Großmoff Tarkin, der 2016 in Rogue One: A Star Wars Story wieder auftrat, obwohl der Schauspieler Peter Cushing, der ihn verkörpert hatte, 1994 verstorben war.

Auch Carrie Fisher, die immerhin ihre Zustimmung gab, wird im kommenden Star Wars-Film wieder mit von der Partie sein. Allerdings nicht mit der Hilfe von CGI, wie Regisseur J. J. Abrahms versprach. Es gab noch unverwendete Aufnahmen. Ruhe in Frieden? Manche wollen’s gar nicht. (Amira Ben Saoud, 19.11.2019)