2017 wurde ein Videobotschaft der beiden Professoren aus der Gefangenschaft veröffentlicht.

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Kabul – Nach mehr als drei Jahren Gefangenschaft in Händen der militant-islamistischen Taliban sind zwei Professoren der Amerikanischen Universität in Kabul wieder frei. Das bestätigte die Familie des US-Staatsbürgers Kevin King, eines der beiden Freigelassenen. Im Gegenzug wurden drei hochrangige Taliban-Mitglieder freigelassen.

Der Amerikaner King befinde sich nun bei Vertretern der US-Behörden und erhalte medizinische Versorgung, hieß es in der Mitteilung seiner Familie weiter. "Dies war eine lange und schmerzhafte Tortur für unsere gesamte Familie", wird Kings Schwester Stephanie Miller zitiert.

Auf der Facebook-Seite des australischen Premierministers Scott Morrisson hieß es, man sei "zutiefst erfreut und erleichtert" über die Freilassung von King und dem Australier Timothy Weeks. Morrisson dankte den Regierungen der USA und Afghanistans für ihre unschätzbare Hilfe.

Bereits zwei Befreiungsversuche gescheitert

Es gibt keine offiziellen Informationen darüber, wie die Professoren freikamen. Angaben afghanischer Regierungsbeamter zufolge, die namentlich nicht genannt werden wollten, wurde am Dienstag in drei Bezirken der südlichen Provinz Sabul für 48 Stunden eine Waffenruhe angeordnet. Ein Beamter sagte, die Professoren seien von "Amerikanern" aus dem Bezirk Nau Bahar abgeholt worden.

Mindestens zwei Mal wurde davor bereits versucht, die beiden Professoren in Kommandoaktionen zu befreien. Beide Male sollen die Spezialkräfte die Geiseln knapp verpasst haben, weil sie nur kurz zuvor verlegt worden seien. 2017 hatte Weeks in einem Video die US-Regierung um Hilfe gebeten: "Wenn wir länger hier bleiben, werden wir getötet. Ich möchte hier nicht sterben."

Taliban: "Gute Entwicklung im Bereich Vertrauensbildung"

Die Taliban bestätigten in einer Erklärung am Dienstag die Freilassung ihrer drei Mitglieder. Die Männer seien im Golfemirat Katar angekommen, sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mujahid. In Doha betreiben die Taliban ein halboffizielles politisches Büro.

Unter den Freigelassenen befindet sich Anas Haqqani, der jüngere Bruder des Anführers des Haqqani-Netzwerks und Vize-Chefs der Taliban, Sirajuddin Haqqani. Er soll sich vor seiner Gefangennahme 2014 vor allem um die Finanzierung der Aktivitäten des Haqqani-Netzwerks gekümmert und Gelder aus den Golfstaaten besorgt haben. Das Haqqani-Netzwerk ist ein Flügel der Taliban, der für einige der grausamsten Anschläge in Afghanistan verantwortlich ist, darunter laut deutschen Sicherheitskreisen auch für den schweren Anschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul im Mai 2017. Damals wurden mindestens 90 Menschen getötet.

Neben Haqqani sollten Hafis Abdul Rashid und Hadschi Mali Khan freigelassen werden. Rashid war Informationen der "New York Times" zufolge ein hochrangiger Taliban-Kommandant, der Selbstmordattentäter ausgerüstet und ihre Ziele ausgewählt haben soll. Khan sei ein weiterer hochrangiger Befehlshaber.

All diese Maßnahmen seien eine "gute Entwicklung im Bereich Vertrauensbildung" und Zeuge eines guten Willens, heißt es in der Taliban-Erklärung weiter. Sie würden den Friedensprozess unterstützen.

Hoffnung auf weitere Schritte im Friedensprozess

Der Gefangenenaustausch zwischen Taliban und der afghanischen Regierung löste in Afghanistan Hoffnungen auf weitere Schritte im Friedensprozess aus. Die US-Regierung dankte der afghanischen Regierung. "Präsident Ashraf Ghani hat viele mutige Schritte für den Frieden unternommen." Präsident Ghani hatte vergangene Woche erklärt, mit der – in Afghanistan auch scharf kritisierten – Freilassung der Taliban-Mitglieder wolle man auch den Weg für direkte Gespräche mit den Taliban ebnen.

US-Präsident Trump hatte im September kurz vor einer in Aussicht gestellten Einigung mit den Taliban mehr als ein Jahr laufende Gespräche mit den Islamisten für "tot" erklärt. Auslöser war ein Anschlag in Kabul, bei dem ein US-Soldat starb. (APA, 19.11.2019)