Marie Kondo beim Aufräumen.

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Es gibt Menschen, denen macht Aufräumen keinen Spaß. Sie können auch keine Ordnung halten, sollten sie sich doch einmal aufraffen, Wohnung oder Haus zu entrümpeln. Marie Kondo ist das Gegenteil davon. Die Japanerin hat Aufräumen zu ihrer Berufung gemacht und damit einen Kult geschaffen. Ihr Konzept: Was keine Freude entfacht, muss raus. Mit Tipps ihrer Kon Mari genannten Methode hat sie bereits mehrere Bestseller gefüllt. Nun hat die 35-Jährige einen Webshop eröffnet, in dem sie allerhand Krimskrams verkauft, und damit im Netz eine riesige Diskussion entfacht.

"Inspirierenden Entrümpelungsaktionen"

"Does it spark joy?", fragte Kondo in ihrem 2011 erschienen Erstlingswerk "Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert" und seit 2019 auch in ihrer Netflix-Serie "Aufräumen mit Marie Kondo". Von "inspirierenden Entrümpelungsaktionen" ist dort etwa die Rede, wenn Kondo Menschen dazu bringt, sich von Altlasten in Form von nicht mehr getragener Kleidung, unnötigem Hausrat oder auch Deko, die nur verstaubt, zu entledigen. Jedes einzelne Stück muss man in die Hand nehmen und sich die Frage stellen: "Bringt es mir Freude?"

Netflix

Dass Kondo nun auf ihrer Website einen Webshop eingerichtet hat, über den sie Gegenstände verkauft, die sonst unter ihrem strengen Entrümpelungskommando möglicherweise keine Chance hätten, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. So findet man dort etwa eine Kerze um 86 US-Dollar, Hauspatschen um 206 Dollar oder ein Set aus Stimmgabel und einem Stück Quartz um 75 Dollar. Auch Seife gibt es – 22 Dollar das Stück – oder ein Käsemesser um 180 Dollar. Und natürlich Utensilien, um Ordnung zu halten: etwa eine 5 x 5 x 5 Zentimeter große Lederschachtel um 75 Dollar.

Kritik im Netz

Dem "Wall Street Journal" erklärte Kondo, dass Fans sie gefragt hätten, welche Dinge sie gerne verwendet. Das habe sie auf die Idee gebracht, solche Dinge in einem Onlineshop anzubieten. Auch hier folge sie ihrem Credo, sich nur mit Gegenständen zu umgeben, die Freude entfachen. So wird auch auf ihrer Website erklärt: "Das Ziel beim Aufräumen ist es, Platz für bedeutsame Objekte, Menschen und Erfahrungen zu schaffen." Und weiter: "Bei meiner Aufräummethode geht es nicht darum, Dinge wegzuwerfen – es geht darum, seine Sensibilität dafür zu stärken, was einem Freude bereitet."

Freude dürfte das vor allem auch Kondos Bankkonto bereiten angesichts der Preise des Webshops, wie nun im Netz kritisiert wird. Ihre Entrümpelungsaktionen hätten nur den Zweck, dass Leute Platz schaffen, um sich nun die Deko von Kondo ins Haus zu stellen, wird vielfach auf Twitter gemutmaßt. Während sich viele Leute in sozialen Netzwerken lustig machen, gibt es auch enttäuschte Nutzer. Kondo habe ihr Ziel aus den Augen verloren, wird da etwa auch attestiert. (br, 20.11.2019)